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Beim „Mittelalterlich Spectaculum“ ist der Darsteller Hajo Dreyfuß Kult

Schelm mit Eselsohren und Schellenstab

Bückeburg (jp). Mit Dreyfuß, dem Narren, wird es in diesem Jahr auf dem Mittelalterlich Spectaculum ein Wiedersehen mit einem ganz alten, aber bis heute von vielen Fans geradezu kultisch verehrten Bekannten des großen Mittelalter-Events geben. Ganze acht Jahre ist es her, dass der kleine Schelm mit den unverwechselbaren Eselsohren und dem großen Schellenstab auf dem Plane vor dem Mausoleum wandelte, um die Besucher zum Lachen und zum Nachdenken zu bringen. In diesem Jahr wird Hajo Dreyfuß, der vor sechs Jahren mit einem ungewöhnlichen Angebot an die große Politik bundesweit für Schlagzeilen sorgte, an beiden Veranstaltungswochenenden zum Künstleraufgebot auf der Mausoleumswiese gehören.

veröffentlicht am 07.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 10:41 Uhr

Die Leidenschaft für das Mittelalter hegt Hajo Dreyfuß schon seit Jahrzehnten. Nach einer abgebrochenen Ausbildung zum Verwaltungsangestellten („Ich merkte irgendwann, dass das nichts für mich war, und das merkten meine Arbeitgeber auch“) wurde er 1983 in Berlin von dem Regisseur und späteren Intendanten Hans Neuenfeld engagiert. Nach einigen Theater- und Filmrollen sowie anderthalb Jahren Schauspielunterricht fand er mit dem eselsohrigen Narren die Rolle seines Lebens.

Seinen unverkennbaren staksigen Gang hat Hajo Dreyfuß allerdings nicht einüben müssen: Als Baby erkrankte er im Alter von drei Wochen an Polio. „Ich bin mit ziemlicher Sicherheit der jüngste Fall von Kinderlähmung. Leider lassen sich die Krankenhausunterlagen nicht mehr nachvollziehen, sonst wäre wahrscheinlich sogar ein Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde drin.“ Als Behinderter habe er vor der Kulisse des Mittelalters drei Rollenprofile zur Auswahl gehabt: einen Kriegsveteranen, einen Bettler und eben den Narren. „Das Schicksal von Behinderten, gerade im Mittelalter, ist die Schadenfreude der anderen. Nur der Narr ist schneller, er bringt die Leute vorher zum Lachen.“ Walkact nennt sich seine Art des Spiels, wenn er auf Mittelaltermärkten Menschen direkt anspricht. Es ist mit Abstand eine der schwersten Formen des Theaters, denn der Narr ist Darsteller, Drehbuchautor, Regisseur und Souffleur in einer Person, und seine „Mitspieler“ wissen zuvor nichts von ihrem Glück.

Im Jahr 2004 berichteten dann diverse Zeitungen landauf landab über ihn: Ganz offiziell nämlich hatte sich der damals 45-Jährige „für das noch zu schaffende Amt des Hofnarren beim Bundeskanzleramt“ beworben. „Hiermit bitte ich Sie, das hierzulande unbesetzte Amt des Hofnarren in Form eines besonderen Referenten des Bundeskanzlers schnellstmöglich einzurichten“, schrieb Hajo Dreyfuß nach Berlin. Angesichts der damaligen politischen Lage – es war ein Jahr vor dem Ende der rot-grünen Koalition unter Gerhard Schröder – sei ein solcher Posten nötiger denn je. Dabei war Kanzler-Bashing ganz eindeutig nicht seine Absicht. Geradezu prophetisch hatte Hajo Dreyfuß 2004 erklärt: „Ich will für den Mann arbeiten. Und für die zu erwartende Nachfolgerin ebenfalls.“

Indes hat auch besagte Nachfolgerin den inzwischen noch viel dringender benötigten Hofnarrenposten bis heute nicht realisiert. Weshalb die Späße des kleinen Schelms mit den großen Eselsohren weiterhin auf dem Mittelalterlich Spectaculum zu erleben sind. Und was das Schöne daran ist: Im Gegensatz zu den Narreteien aus dem Bundeskanzleramt kosten die des Hajo Dreyfuß den Steuerzahler auch keine Vielzahl von Milliarden Euro.

Termin: Das Mittelalterlich Spectaculum findet in diesem Jahr am 10. und 11. Juli sowie am 17. und 18. Juli in Bückeburg statt. Hajo Dreyfuß ist an allen vier Veranstaltungstagen dabei.




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