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Informationstagung im Rathaus

Schiedsfrau sein heißt schlichten statt richten

Rinteln (wm). Der Gartenfreund, der seinen Nachbarn beleidigt, weil dessen Hund in sein liebevoll gepflegtes Rosenbeet im Vorgarten uriniert hat, das ist ein klassischer Fall für einen Schiedsmann oder eine Schiedsfrau und die Beilegung dieses Konflikts vor diesen ehrenamtlich tätigen "Organen der Rechtspflege im vorgerichtlichen Verfahren" allemal preiswerter, als eine Auseinandersetzung vor dem Amtsgericht mit zwei Rechtsanwälten.

veröffentlicht am 08.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Was ein Schiedsmann kann und darf, haben im historischen Sitzungssaal des Rathauses jetzt neu gewählte Schiedsmänner- und Frauen aus ganz Rinteln in einer Informationsveranstaltung des Bund Deutscher Schiedsmänner- und Frauen erfahren. Jutta Hinsch, Vorsitzende der Bezirksvereinigung, selbst seit vielen Jahren als Schiedsfrau tätig, berichtete aus ihrer Praxis, Seminarleiter Paul Janßen schilderte die rechtlichen Grundlagen aus dem Gesetz über gemeindliche Schiedsämter in Niedersachsen und erläuterte die formale Bearbeitung eines Streitverfahrens, taktische Gesprächsführung und die Protokollierung. Es seien vor allem Nachbarschaftsstreitigkeiten, mit denen sich Schiedsmänner und Frauen beschäftigen müssten und in über der Hälfte aller Fälle gelänge es auch, eine Lösung zu finden, ohne dass eine der Parteien vor Gericht zieht. Das sei unter anderem deshalb möglich, schilderte Jutta Hinsch, weil eine Schiedsfrau als Moderator zwischen den Streitparteien mehr Möglichkeiten habe als ein Gericht und auch schon mal "unorthodoxe" Lösungen vorschlagen könne, nicht "anonym" tätig sei wie ein Richter, sondern als Bürger näher an den Bürgern. Im Gegensatz zu einem Ombudsmann vertrete ein Schiedsmann keine Partei, sondern bleibe neutral. Eine Erfahrung, die jeder Schiedsmann, jede Schiedsfrau im Laufe der Zeit mache, sei, dass der aktuelle Konflikt zwischen Nachbarn meist tiefergehende, viel länger zurückliegende Ursachen hat. Die herauszufinden sei meist Teil der Lösung. Zweiter Vorteil, des Schiedsverfahrens: Am Ende gibt es kein Urteil, sondern ein Protokoll, Motto: "Schlichten statt richten." Es seien nicht nur Betroffene, sondern oft auch die Polizei oder Rechtsanwälte, die die Einschaltung von Schiedsmänner wie Frauen veranlassten.




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