weather-image
21°
×

Bornemann schickt bis zu 200 Mitarbeiter in die Kurzarbeit

Schiffspumpen-Markt bricht ein

Obernkirchen. Der Obernkirchener Pumpenhersteller ITT Bornemann ist in unruhiges Fahrwasser geraten. Wie berichtet, hat das Unternehmen am vergangenen Sonnabend Kurzarbeit eingeführt. Grund sind nach Angaben der Firmenleitung massive Einbrüche im Geschäft mit Schiffspumpen.

veröffentlicht am 04.03.2014 um 21:56 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:52 Uhr

Autor:

Wie Gero von der Wense als Geschäftsführer des 2012 in US-Hand übergegangenen Unternehmens gestern im Gespräch mit dieser Zeitung sagte, sind von der Kurzarbeit derzeit 188 Mitarbeiter betroffen. Dabei handele es sich um Beschäftigte aus der Produktion, aber auch aus den Bereichen Lager, Wareneingang und Logistik. Offiziell hat das Unternehmen laut von der Wense bei der Agentur für Arbeit für 200 Mitarbeiter und eine Dauer von sechs Monaten Kurzarbeit angemeldet. Insgesamt sind 520 Männer und Frauen am Standort Obernkirchen beschäftigt.

In den kommenden zwei Wochen sollen durch die angemeldete Kurzarbeit 74 Mitarbeiter jeweils drei Tage weniger arbeiten. Das bedeutet für sie eine Lohneinbuße von etwa 28,5 Prozent bei einer 35-Stunden-Vollzeitwoche. Von dem entstehenden Gehaltsverlust bekommen Arbeitnehmer ohne Kinder 60 Prozent von der Agentur für Arbeit erstattet. Bei Arbeitnehmern mit Kindern sind es 67 Prozent.

Welches Ausmaß die Kurzarbeit im März unterm Strich haben wird, lässt sich laut von der Wense derzeit noch nicht vorhersehen. Das Management will im 14-Tages-Rhythmus die Notwendigkeit der Kurzarbeit und deren Umfang neu prüfen und bewerten. Der Geschäftsführer geht nach eigenen Worten davon aus, dass nicht die gesamten sechs Monate der angemeldeten Kurzarbeit ausgeschöpft werden müssen.

3 Bilder
Geschäftsführer Gero von der Wense

Dieser Annahme schließen sich Personalchef Marc Estorf und Betriebsratsvorsitzender Axel Weinert an, wie sie in dem Pressegespräch deutlich machten.

Verantwortlich für die Misere sei die schlechte Auftragslage bei Schiffspumpen, heißt es. „Der Markt für die Marine-Pumpen nimmt seit einigen Jahren konstant ab. Dadurch haben wir immer weniger kurzfristige Aufträge“, klagt von der Wense. In Boomzeiten um das Jahr 2009 habe Bornemann bis zu 600 solcher Marine-Pumpen hergestellt. Diese sind vor allem für Versorgungsschiffe produziert worden, die damit Viskoseflüssigkeiten verpumpen.

In den vergangenen drei Jahren habe sich die Zahl der Bestellungen jährlich um rund 100 Stück verringert. Im zweiten Halbjahr 2013 sei der Markt für Marine-Pumpen geradezu zusammengebrochen. Das liege auch an der immer weiter sinkenden Zahl von Schiffsneubauten, so von der Wense.

2014 können seinen Angaben zufolge voraussichtlich nur noch 250 dieser Geräte gefertigt werden, die jeweils einen Umsatz zwischen 1500 und 20 000 Euro pro Stück erwirtschaften. Zudem sei auch die Auftragslage für Industriepumpen allgemein rückläufig. Im Ergebnis habe die Entwicklung keine andere Wahl gelassen, als Kurzarbeit zu beantragen, so das Management.

„Das ist besser, als Mitarbeiter zu entlassen“, betont Unternehmenssprecherin Angela Kohlmeier. Die Kurzarbeit werde vom Unternehmen als vorübergehende Maßnahmen angesehen, um den Konjunktureinbruch ohne größere Schäden zu überstehen.

Durch die Erschließung zusätzlicher Sparten und das Gewinnen neuer Kunden will das Unternehmen versuchen, die Auftragsbücher so schnell wie möglich wieder zu füllen. So hofft ITT Bornemann, mithilfe der Verkaufskanäle des Mutterkonzerns neue Märkte im Bereich der Petrochemie erschließen zu können. Des Weiteren werde zurzeit daran gearbeitet, alle Pumpensysteme zu digitalisieren, damit sie weltweit vorgestellt werden können. Der Abschluss dieses Prozesses werde jedoch voraussichtlich noch bis zu einem halben Jahr dauern, räumt von der Wense auf Nachfrage ein.

Positiv bewertet das Unternehmen eine stete Auftragssteigerung im Lebensmittel- und Pharmasektor. Die Sparte gehört seit zwei Jahren zum Kerngeschäft des Unternehmens. Bis zu 850 Pumpen werden für diesen Bereich jährlich produziert. Damit erreiche sie einen Umsatz von bis zehn Millionen Euro – so viel, wie mit den Marine-Pumpen zu Spitzenzeiten. Allerdings sei die Wertschöpfung bei der Herstellung der Lebensmittel- und Pharma-Pumpensysteme geringer. Dennoch wolle der Konzern hierbei weiterhin investieren. Bis zu anderthalb Millionen Euro seien jüngst in Produktionsanlagen für die sogenannten Weißstahl-Pumpen, die hohe Hygienestandards erfüllen, geflossen.

Der geplante Neubau des Verwaltungsgebäudes werde sich jedoch weiter verzögern – auch im Hinblick auf die Unternehmenskonjunktur, so von der Wense. Für das Frühjahr hätte das Unternehmen ursprünglich die behördliche Zusage im Hinblick auf die Bebauungspläne haben wollen. Doch auch diese liege noch nicht vor. Dennoch solle der Baubeginn noch in diesem Jahr erfolgen, kündigt der Geschäftsführer an – wenn ITT sein Okay dazu gibt, wie von der Wense einschränkt. Die Kosten für den Bau betragen nach seinen Angaben zwischen ein und zwei Millionen Euro. Zurzeit müssen 45 Mitarbeiter in 15 Containern auf dem Firmengelände arbeiten.

Schon 2009 hatte es bei Bornemann Kurzarbeit gegeben. Die damals angemeldeten zwölf Monate nutzte das Unternehmen aber nicht vollständig aus.

Insgesamt erzielt die ITT-Gruppe, zu der Bornemann seit 2012 gehört, einen Jahresumsatz zwischen 115 bis 120 Millionen Euro. Konkrete Angaben zur Höhe der Umsatzeinbußen am Standort, die zur Beantragung der Kurzarbeit geführt haben, will das Unternehmen trotz mehrfacher Nachfrage nicht machen.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige