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Zwei Fälle von Pilzbefall / Gutachten konstatiert „deutlich erhöhte Gesundheitsgefährdung“

Schimmel im Haus: „Mit den Nerven am Ende“

Bückeburg/Bad Eilsen (bus). Gleich zweimal innerhalb relativ kurzer Zeit hat ein heute in Bad Eilsen wohnendes Ehepaar unerfreuliche Erfahrungen mit Hausschimmel in Mietwohnungen gemacht. „Wir waren mit den Nerven am Ende“, schildert die 65-jährige Ehefrau die mit den Auswirkungen des Pilzbefalls zusammenhängenden Begleitumstände. Nachdem beide Fälle einen einigermaßen zufriedenstellenden Ausgang genommen haben, möchte das Paar darauf aufmerksam machen, dass beim Auftreten von Hausschimmel keineswegs, wie oft behauptet, die Schuld allein bei den Mietern zu suchen ist.

veröffentlicht am 14.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 05:21 Uhr

„Nicht selten liegen die Ursachen in baulichen Mängeln“, erläutert der 67-jährige Ehemann. Das Argument des „ordentlichen Lüftens“ werde von Vermieterseite häufig nur vorgeschoben, um Investitionen in einen korrekten baulichen Zustand der Häuser aus dem Weg zu gehen. Im ersten Fall, einer Wohnung im Bückeburger Süden, musste das Paar die Gerichte bemühen, um zu seinem (Teil-)Recht zu kommen. Die Unterlagen füllen zwei umfangreiche Aktenordner. Bereits drei Wochen nach dem Einzug in die frühere Bundeswehrwohnung sei der Schimmel erstmals bemerkt worden. „Nach sechs Wochen war der Schlafzimmerschrank versaut.“

Ein von den Bad Eilsern beauftragter Gutachter identifizierte mehr als 80 unterschiedliche Pilzsorten. „Und davon waren etwa 90 Prozent toxisch“, berichtet das Ehepaar. Das Gebäude sei „nicht feucht, sondern nass“ und mit „ordentlichem Lüften“ keinesfalls eine Besserung zu erreichen gewesen. Das Gutachten hielt eine „deutlich erhöhte Gesundheitsgefährdung“ fest, die Wohnung sei „im gegenwärtigen Zustand nicht vermietbar“. „Da wird einem angst und bange“, blickt der 67-Jährige zurück. In einem bei Gericht angestrengten Mediationsverfahren wurde den Beschwerdeführern ein finanzieller Ausgleich zugesprochen.

Der zweite, in Bad Eilsen spielende Fall ging ohne Mitwirkung von Juristen über die Bühne. Nach sanftem Druck – „ich habe dem Vermieter mit der Roten Karte gedroht“ – und einer gemeinsamen Begehung mit einem Gutachter und einem Architekten wurden neue Wände gezogen und eine spezielle Kunststofffolie aufgetragen.

„Jetzt sind wir ganz zufrieden“, konstatieren die Eheleute einhellig. Die Wohnung sei in Ordnung, die Nachbarschaft nett und das Ambiente zuträglich. In zahlreichen Gesprächen hätten sie aber in Erfahrung gebracht, dass sie nicht die einzigen Betroffenen gewesen seien. „Wir haben ja immer gedacht, wir sind allein“, führen die Mieter aus. Dem sei aber beileibe nicht so.

Als Schimmelpilze wird in der Mikrobiologie eine uneinheitliche Gruppe fadenförmiger Pilze zusammengefasst, die überwiegend zu den Abteilungen der Schlauch- (Ascomyceten) oder Jochpilze (Zygomyceten) zählt. Das Pilzgeflecht führt zumeist ein eher unauffälliges Dasein. Ausnahmen bilden meldepflichtige Pflanzenkrankheiten wie Tabakblauschimmel oder Exemplare, die für den Menschen besondere Bedeutung besitzen – etwa als Human-Parasiten, Erzeuger von Pilzgiften in verdorbenen Lebensmitteln, Nahrungsmittel-Veredler oder als biologische Quelle für Antibiotika und cholesterinsenkende Medikamente.

Besonders augenfällig ist das Vorkommen der winzig kleinen Mikroorganismen auf verdorbenen Lebensmitteln, feuchtem Holz oder Wänden. Ihr Wachstumsbeginn geht oft auf organischen Substanzen vonstatten, auf denen sie anschließend eine Reihe von Fäulnisprozessen in Bewegung setzen. Zum Wachstum werden vor allen Dingen Nährstoffe und Feuchtigkeit benötigt. Da Schimmelpilze fast überall vorkommen, sind ihre Sporen in der Regel immer in der Luft vorhanden. In Gebäuden finden sie ein reichhaltiges Nahrungsangebot – gern genommen werden Zellulose (Tapeten, Kleister, Holz und Holzwerkstoffe, Gipskartonplatten), Kunststoffhaltiges (Teppichböden, Wandbeschichtungen, Bodenbeläge) sowie Kleidung und Papier.

Unter dem Mikroskop vermittelt Aspergillus niger einen beinahe schönen Eindruck. Das Erbgut des Schwarzschimmels ist jüngst entschlüsselt worden.

Foto: bus




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