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Künstler will Platanen schützen

Schittek: Bäume sollen in die "Rote Mappe"

Bad Nenndorf (fox). Norbert Rob Schittek will sich für den nachhaltigen Schutz des Platanenbestandes an der Rodenberger Allee einsetzen. Der Bad Nenndorfer zieht in Erwägung, die Bäume in die nächste sogenannte Rote Mappe des Niedersächsischen Heimatbundes eintragen zu lassen. Zudem sprächen aus fachlicher Sicht zahlreiche Gründe dafür, die Platanen nie wieder infrage zu stellen.

veröffentlicht am 23.07.2008 um 00:00 Uhr

Viele kennen den Bad Nenndorfer als vielseitigen Künstler, der unter anderem den Brunnen mit den "Badenden" an der Rodenberger Allee geschaffen hat. Schittek ist jedoch auch Professor an der Fakultät für Architektur und Landschaft an der Universität Hannover und damit Fachmann in Sachen Alleeplanungen. Auch, wenn der politische Beschluss, die Platanen an der Straße zu belassen, längst gefasst ist, will sich Schittek für einen dauerhaften Fortbestand einsetzen - sicher ist sicher. Denn eine Baumschutzsatzung gibt es in Bad Nenndorf immer noch nicht. "Diese Bäume sind ein wesentliches Element der Rodenberger Allee", sagt Schittek, der selber an dieser Straße wohnt. "Denkt man sich die Platanen einmal weg und sieht nur die Architektur, steht man vor einem Drama der Baukultur." "Die Platane ist der härteste aller Straßenbäume", erklärt der Professor. Nicht nur mit strengen Rückschnitten und Streusalz würden diese Bäume spielend fertig. Auch Abgase verkrafte die Platane. "Einer dieser Bäume verarbeitet pro Tag sechs Kilogramm Kohlenstoffdioxyd -die 50 Bäume an der Allee insgesamt 300 Kilogramm", rechnet Schittek vor. "Da kann man mal sehen, was für ein traumhaftes Gebilde diese Allee ist." Doch die Platanen haben in dieser Konstellation aus fachlicher Sicht noch mehr zu bieten. "Ohne diese Bäume würde sich die Asphaltdecke der Straße um fünf bis elf Grad Celsius aufheizen - aufsteigende Warmluft würde Fein- und Grobstaub transportieren. "Mit den Blättern der Platanen haben wir einen hervorragenden Filter", sagt Schittek. Ein Verlust der Bäume bedeute auch, dass die Umgebungstemperatur im Winter um rund drei Grad sinke und die Windgeschwindigkeit an den Hauswänden steige - "um das Thema banal auf energetischer Ebene zu sehen". Nicht zuletzt spräche der Blick auf den Wert der Bäume für deren dauerhaften Erhalt. "Eine zwölf Meter hohe Platane mit einem Meter Stammumfang kostet im Fachhandel rund 20 000 Euro", sagt Schittek mit Blick in den "Bruns-Sortimentskatalog". Der Baumbestandswert liege damit rein rechnerisch bei mindestens einer Million Euro. In der Online-Enzyklopädie "Wikipedia" wird die Allee zudem in einem Atemzug mit der Süntelbuchenallee genannt. Schittek will sich mit seiner Ansicht nichtüber die Sorgen der Anwohner stellen, die über Belastungen von Laub und Wurzelschäden an der Kanalisation klagen. "Ich habe selber mit etwa drei Kubikmetern Laub zu kämpfen", sagt er. Er will dafür werben, die Zusammenhänge in einer anderen Komplexität zu sehen. "Ich bin heilfroh, dass sich die Politik in Bad Nenndorf nicht als beratungsresistent erwiesen hat", sagt der Professor, "wenn man die historische, städtebauliche und gesundheitliche Bedeutung zusammennimmt, hätte die Platanenallee nie zur Disposition gebracht werden dürfen."




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