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Eine Sonderausstellung des Museums führt die vielfältigen Facetten des Bernsteins vor Augen

Schmuckstücke aus griechischen Tränen

Bückeburg (bus). Der griechischen Mythologie zufolge nimmt die Entstehungsgeschichte des Bernsteins ihren Anfang beim alten Zeus. Nachdem der Göttervater den Sohn des Sonnengottes Helios per Blitz ins Jenseits befördert hatte, vergossen dessen Mutter, Klymene, und deren Töchter, die Heliaden, Tränen zuhauf. Diese Tränen sollen sich in Bernstein verwandelt haben. Jenseits der Legende ist das fossile Harz seit der Steinzeit als begehrtes Handelsobjekt bekannt. Derzeit widmet das Bückeburger Museum dem hierzulande speziell als Kette zur Schaumburger Tracht getragenen Schmuckstein eine kleine aber feine Sonderausstellung.

veröffentlicht am 29.11.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 12:21 Uhr

Die Bernsteinkette – mundartlich „Bernsteinkrallen“, wobei „Krallen“ nicht auf „Kralle“ sondern auf „Koralle“ Bezug nimmt – gilt als fester Bestandteil der Tracht. Ihre ersten, zumeist schlicht gestalteten Ketten bekamen junge Mädchen bereits zur Konfirmation. Zur Hochzeit fielen die „Krallen“ dann wesentlich repräsentativer aus. Je nach Ausformung und Größe gab es erhebliche Preisunterschiede. Prachtexemplare konnten den Wert einer Milch gebenden Kuh um ein Vielfaches übertreffen. Besonders wertvolle Stücke wurden nicht als persönliches Eigentum, sondern als zum Hof gehörendes Statussymbol betrachtet.

Der Beliebtheit des Halsschmucks waren überlieferte Heilkraftgeschichten sicher nicht abträglich. Seit der Antike fand der Stein nämlich auch in der Arzneimittelbranche Verwendung. Einsatzgebiete waren zumeist Halsleiden sowie Blasen- und Gallenbeschwerden; er stand aber auch Magen, Milz und Niere förderlich zur Seite. Darüber hinaus sollte er gegen „Wahnsinn in jedem Alter“ helfen. Als Folge seiner sichtbaren Anziehungskräfte könne er, so ging der Glaube, die Krankheiten gleichsam aus dem Körper ziehen. Im Zuge der Industrialisierung und aufgrund neuer Fördermethoden nahm der Stein gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Entwicklung zum erschwinglichen Massenartikel. Mit der nach dem Ersten Weltkrieg erfolgten Gründung der staatlichen Bernsteinmanufaktur in Königsberg, der Anwerbung von Goldschmieden, internen Weiterbildungen und internationalen Wettbewerben wurde die Bernsteinkunst neu belebt. Das Museum zeigt außer zahlreichen Ketten einen kleine, vom Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg zur Verfügung gestellte Auswahl kunsthandwerklicher Arbeiten. Zu sehen sind unter anderem Schmuckkästchen, Zierteller, Schalen, Tierdarstellungen und eine Bernstein-Meerschaum-Pfeife. Während der Ausstellungseröffnung erläuterten Museumsleiterin Dr. Anke Twachtmann-Schlichter und Schmuckexperte Bernd Hilgenfeld die vielfachen Facetten des Materials.

Am Sonntag, 12. Dezember, wird der Kunsthandwerker Henry Bockisch (Nienburg) von 14 bis 17 Uhr weitere Schmuckstücke und Verarbeitungstechniken präsentieren.




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