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Inaugenscheinnahme der örtlichen Gegebenheiten fußt auf fürstlicher Verordnung von 1890

Schnatgang von feiner Ironie begleitet

Achum. Bei der in allen Bückeburger Ortsteilen gepflegten Schnatgang-Tradition kommt der Kontrolltour in Achum eine besondere Rolle zu. Hier fußt die alljährlich veranstaltete Inaugenscheinnahme des Dorfes auf einer anno 1890 zu Papier gebrachten fürstlichen Verordnung, der zufolge der Achumer Ortsvorsteher einmal im Jahr „die örtlichen Gegebenheiten mit einer von ihm einzuberufenden Commission einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen“ habe.

veröffentlicht am 19.02.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 05:41 Uhr

Kommt auf der Besonderheitsseite hinzu, dass das aktuelle Dorfoberhaupt, Gerhard Schöttelndreier, seine Ausführungen zu Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Ortschaft stets mit feiner Ironie zu unterfüttern weiß. Heuer lieferte Schöttelndreier die erste Spitze bereits im Rahmen der Begrüßung der rund 40 Teilnehmer. Er freue sich über alle, die gekommen seien, merkte der Ortsvorsteher an. Für alle nicht Anwesenden gelte die Aussage von „Nergen Hilde“, die lange Zeit dem Bewirtungsteam des örtlichen Mehrzweckhauses angehört habe: „Wer nicht kummt, klemmt sick bien Wechjoarn den Oarsch nich inner Dör.“

Andersherum funktionierte Schöttelndreiers Humor aber auch. CDU-Bürgermeisterkandidat Axel Wohlgemuth erhielt augenzwinkernd einen Rüffel, weil er allein gekommen war und seinen Mitbewerber (Bürgermeister Reiner Brombach) nicht mitgebracht hatte.

„Damit hat er sich einen Vorteil verschafft“, hielt der Commissionsleiter fest. „Kritische“ Worte gab es zudem für die Mitarbeiter des städtischen Bauhofes. Ursprünglich hatte der Schnatgang über den ausbesserungsbedürftigen Oberholzweg führen sollen. Dieser war unterdessen zwei Tage zuvor auf Vordermann gebracht worden. Schöttelndreier: „Das geht gar nicht. Und schon gar nicht ohne Vollzugsmeldung.“

Ihr Fett weg bekam überdies die städtische Verwaltung. Hintergrund war hier die Errichtung eines 48 Quadratmeter großen Schlichtbaus am Sportheim des FC Hevesen. Laut Vorplanung sollte der Rohbau im Herbst errichtet werden, das Gebäude Anfang April bezugsfertig sein.

„Nun bauen wir aber nicht wie beim weitaus größeren FCH-Sanitärtrakt in eigener Regie, diesmal ist die Verwaltung mit Bürgermeister Brombach an der Spitze verantwortlich“, erläuterte der Ortsvorsteher. Auf eine aktuelle Anfrage habe er zur Antwort bekommen, dass im Moment die Planungen vorangetrieben würden. Ihm schwane nichts Gutes. „Wir können ja derzeit beim Berliner Flughafen beobachten, was bei einer Verantwortungslage, in der der Bürgermeister gleichzeitig als Bauherr fungiert, passieren kann.“

Darüber hinaus musste – ebenfalls mit amüsiertem Unterton – die Bundeswehr eine Breitseite hinnehmen. „Das Hundegebell auf dem Flugplatz ärgert einige Anlieger weiterhin maßlos. Auf meine Eingabe beim Petitionsausschuss in Berlin hat dieser eine Lärmmessung angeordnet“, berichtete Schöttelndreier.

„Schlauerweise“ seien im Vorfeld aber auch die Wache und die Hundestaffel über Ort und Zeitpunkt der Messung informiert worden. Die Anlieger hätten auf die merkwürdige Ruhe der Hunde mit ziemlicher Verwunderung reagiert. „Wir können uns das nur so erklären“, legte der Ortsvorsteher dar, „dass den Hunden diese Informationen auch in die Pfoten gefallen sind.“

Gleichwie ist das Verhältnis der Achumer zu den Heeresfliegern keineswegs vollends zerrüttet. Die Kaserne war im Anschluss an die Stationen ehemaliges Offizierskasino, Gemarkungsgrenze Warber und Bückeburger Aue Ziel der Wanderer. Dort stand eine ausführliche Besichtigung der Flugplatzfeuerwehr auf dem Schnat-Programm. Feuerwehrchef Harald Bagats setzte die Gäste über Ausrüstung und Tagesablauf der Kameraden in Kenntnis. Anschließend ging’s entlang der Aue zurück zum Mehrzweckhaus, wo saftige Schweinhaxen und einige Verdauungsschnäpse dem Tag einen gemütlichen Ausklang bescherten.bus




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