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Unser Mann beim KSC: Fußball-Profi Massimilian Porcello über Ehrgeiz, Wir-Gefühl und Jugendträume

"Schon als Junge wollte ich immer die 10"

Obernkirchen. 28 Punkte aus 17 Spielen: Der Karlsruher Sport-Clubüberwintert im Jahr seines Wiederaufstiegs auf dem sechsten Platz. Auch Massimilian Porcello darf mehr als zufrieden sein: Zu Beginn der Saison verletzt, hat er sich nach vier Spieltagen seinen Stammplatz erkämpft. Ende der Saison läuft sein zweijähriger Vertrag aus, der KSC möchte gerne verlängern - es gibt sicherlich schlechtere Weihnachten.

veröffentlicht am 29.12.2007 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:28 Uhr

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"Stimmt", sagt der gebürtige Obernkirchener beim Milchkaffee im Café am Sonnengarten: "Ich fühle mich dort richtig wohl." Ein klares Ziel, nämlich den Wiederaufstieg in die höchste deutsche Spielklasse, und ein klares Konzept, nämlich Spieler zu kaufen, die schon Erstliga-Erfahrung besitzen - das war im WM-Sommer das Karlsruher Vorhaben, das bundesweit Schlagzeilen machte. Von der "Mannschaft der Gescheiterten" war schnell die Rede. Porcello sieht dies naturgemäß anders: Es gebe viele Gründe, warum man sich in einem Verein nicht durchsetze. Verletzungen etwa würden eine große Rolle spielen. Er selbst gehörte nach sechs Jahren Bielefeld nicht mehr zu den ersten Elf, die auf der Alm auflaufen, das Angebot aus Karlsruhe hat er gern angenommen. "Da waren wir in der zweiten Liga und haben alle das gleiche gewollt: In die erste Liga zurück, dort, wo wir schon gespielt haben." Es war ein mächtiger Antrieb, der den KSC in einem spielerisch berauschenden Stil durch die 2. Liga nach oben führte. Dass es dort aber auch so gut laufen würde, war nicht absehbar. Ein Schlüssel für den Erfolg, so erzählt Porcello, war der mannschaftliche Zusammenhalt. Sicher, das erzählen die Fußballprofis immer, aber Porcello berichtet von Harmonie, von einem Wir-Gefühl, das sich nicht nur aus einer gern und oft genutzten Playstation in der Kabine nährt. "Tolles Gefühl, wenn aus Kollegen und Kontrahenten Freunde werden", erzählt der Mittzwanziger. In Karlsruhe konnte er sich auch einen Traum aus jungen Jahren erfüllen: Endlich die 10 tragen, das Trikot, das den Spielführer anzeigt. "Die 10 wollte ich schon als Junge immer tragen", sagt er. Leichter wird es dadurch auf dem Spielfeld nicht, denn jeder, wirklich jeder Zuschauer betrachtet die 10 mit Argusaugen: Hier ist die Zentrale, hier laufen die Fäden zusammen, hier wird das Spiel gemacht. "Das wusste ich vorher", sagt Porcello, der in der ersten Liga aber deutlich defensiver agiert als eine Klasse tiefer, als der KSC noch ein 4-4-2-System spielte. Jetzt hat Trainer Ede Becker dem Team ein 4-2-3-1-System verordnet, in dem Tamas Hajnal die Porcello-Rolle spielt. Der Obernkirchener hat damit keine Probleme, ganz im Gegenteil: "Im defensiven Mittelfeld komme ich gut klar, bei den Standards gehe ich mit nach vorne - das passt schon richtig gut." Zwei Tore hat er in den 13 Spielen erzielt, gemessen an seinen Erfolgen in der 2. Liga ist das wenig, gemessen an der neuen Rolle aber durchaus in Ordnung, meint er. Die Bilanz der Hinrunde fällt durchwachsen aus: Tolle Spiele gegen Dortmund, gegen die Hertha und auch gegen den HSV, aber auch Schlappen wie gegen Cottbus: "Natürlich wollten wir dort drei Punkte holen, aber dann kann die Mannschaft ihre Fähigkeiten nicht abrufen. Das ist manchmal wirklich ein Phänomen", sagt er. Und verweist auf Hannover 96, die in der Lausitz mit 1:5 mächtig unter die Räder gerieten. Weil seine Freundin arbeiten musste, ist er nach der Hinrunde mit einem Freund nach Dubai geflogen, eine Woche relaxen am Strand, eine Woche ausspannen, eine Woche ohne Fußball. Natürlich ist es schön, wenn man mit dem Sport, den man liebt, gutes Geld verdienen kann, "aber immer nur Fußball, das geht auch nicht." Vor Jahren war das noch anderes, erklärt Porcello, da hat er mit jedem und überall über das runde Leder sprechen können und wollen, "aber heute will ich auch mal den Fußball für eine Zeit aus dem Kopf bekommen". Daher macht er sich auch als Zuschauer bei den zurzeit laufenden Hallenfußballturnieren ein bisschen rar. Intakte Mannschaft, sportlicher Erfolg, Planungssicherheit: Für die Rückrunde hat Porcello, den alle nur Massi rufen, die beste Basis, um mit dem KSC das bisher Erreichte zu bestätigen oder auszubauen. Und wenn am Ende der Saison ein Uefa-Platz stehen sollte, dann hätten sie ihn fraglos verdient: Massi Porcello und seine Mannschaft der Gescheiterten.




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