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Ausstellung im Museum erinnert an den Widerstandskämpfer Eberhard von Breitenbuch

Schüler entdecken einen „wahren Helden“

Bückeburg (kk). Der Termin war gut gewählt, hat er doch nicht nur Symbolcharakter: Zum einen erinnert der 20. Juli an das gescheiterte Attentat auf Hitler und die Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Zum anderen wäre aber auch ein weniger bekannter Widerstandskämpfer gestern 100 Jahre alt geworden – Eberhard von Breitenbuch. Deshalb wurde im Museum eine Ausstellung der Geschichtswerkstatt der Herderschule über ihn eröffnet. Sie basiert auf einer preisgekrönten Dokumentation der Schülerinnen und Schüler.

veröffentlicht am 21.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 08:41 Uhr

Zuvor hatten Bürgermeister Reiner Brombach und Oberst Heinrich Matthies an der Gedenktafel an der Hofapotheke einen Kranz zu Ehren von Kurt Freiherr von Plettenberg niedergelegt. Der war in dem Gebäude am Marktplatz geboren worden. Von Plettenberg gehörte zum engeren Kreis der Widerstandskämpfer um den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Von Plettenberg, damals Generalbevollmächtigter des Hauses Hohenzollern, stürzte sich im März 1945 aus dem dritten Stock des Berliner Gestapo-Gefängnisses in den Tod. Er hatte Angst, unter Folter seine Freunde und Gesinnungsgenossen zu verraten.

„Die Erinnerung an die Widerstandskämpfer soll dazu beitragen, dass nirgendwo auf der Welt wieder solches Unrecht wie damals in Deutschland geschehen darf“, rief Brombach den zahlreichen Gästen zu, die trotz Sommerhitze auf den Markt gekommen waren.

Während von Stauffenberg in die Geschichte einging, erinnern sich an von Breitenbuch nur wenige. Auch er plante ein Attentat auf Hitler, scheiterte aber schon vor der Ausführung. Er wurde am 11. März 1944 als Ordonanzoffizier des Generalfeldmarschalls Ernst Busch nicht zu einer Lagebesprechung bei Hitler zugelassen und konnte deshalb seine Pläne nicht umsetzen. Er überlebte den Krieg, da Mitwisser geschwiegen hatten und ihm keine Verschwörungspläne nachzuweisen waren. Nach dem Krieg erbte der Forstbeamte über die mütterliche Linie der Familie das Rittergut Remeringhausen bei Stadthagen, auf dem er bis zu seinem Tod im Jahr 1980 lebte.

Klaus Maiwald, Projektleiter der Geschichtswerkstatt, stellte Ausstellung und Dokumentation vor. Diese war für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten entstanden, der 2008 unter dem Motto „Helden“ stand. Je mehr sich die Schüler mit dem Leben von Breitenbuchs beschäftigt hätten, desto mehr sei er ihnen tatsächlich als Held erschienen, erinnerte sich Maiwald. Und die Beschäftigung ging weit: Es wurde in Archiven geforscht, Bücher ausgewertet und Interviews mit Familienangehörigen und Zeitzeugen geführt. Die Ergebnisse sind in der gut bebilderten und dokumentierten Arbeit zusammengefasst, die anlässlich der Ausstellung nachgedruckt wurde. Sie ist für fünf Euro in den Buchhandlungen, im Museum und nach den Ferien auch in der Herderschule erhältlich.

Die Hochachtung der Herderschüler für den gescheiterten Attentäter ging so weit, dass die nach Rücksprache mit seiner Familie die Stadt Stadthagen baten, eine Straße nach ihm zu benennen. Im Rathaus der Kreisstadt wurde dieser Vorschlag durchaus positiv aufgenommen.

Was am 11. März 1944 geschah, erfuhren die Gäste der Ausstellungseröffnung von Verena Beerbom, Marcel Klupsch und Vincent Kuhlmann. Die Herderschüler trugen den Bericht vor, den von Breitenbuch vor dem Entnazifizierungsausschuss über diesen Tag abgegeben hatte. Die Geschichtswerkstatt hatte ihn im Staatsarchiv in Hannover ausfindig gemacht.

Museumsleiterin Dr. Anke Twachtmann-Schlichter wertete die Ausstellung auch als Zeichen dafür, dass man auf dem richtigen Weg sei, Jugendliche und junge Menschen ans Museum zu binden. Die Geschichtswerkstatt spiele eine wichtige Rolle dabei.

Lob für die Arbeitsgemeinschaft gab es auch von Bürgermeister Reiner Brombach, der sie als „Markenzeichen für Bückeburg“ würdigte.




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