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Schüler mit erschütternden Dokumenten konfrontiert

Adolfiner besuchen Gedenkstätte Bergen-Belsen

veröffentlicht am 08.03.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 23:21 Uhr

Bückeburg. Bergen-Belsen ist als Ortsbezeichnung auf besondere Weise Bestandteil der deutschen Geschichte. Zunächst Kriegsgefangenenlager, dann Konzentrationslager wurden Teile der übrig gebliebenen Kasernenanlage schließlich 1945 nach der Befreiung durch die britische Armee zum Camp für „Displaced Persons“. Als Vernichtungslager gilt Bergen-Belsen nicht, doch die Spuren und Dokumente zeigen auf erschreckende Weise, wie und wie viele Menschen durch Unterernährung, Unterbringung, Ansteckung, Misshandlung und Arbeitsterror vernichtet wurden oder Qualen ausgesetzt waren.

Der gesamte Jahrgang 10 des Gymnasiums Adolfinum machte sich mit Bussen auf den Weg nach Bergen-Belsen, um an Ort und Stelle in der heutigen Gedenkstätte mehr über die Lebenswege der Opfer, über die Lagerbedingungen und über Täterprofile zu erfahren. Als „Schule ohne Rassismus“ sieht man sich auch in der Fachschaft Geschichte besonders in der Pflicht, diese Lektion deutscher Geschichte nicht auszulassen oder zu vernachlässigen.

„Froh, als man den

Waggon wieder verlassen durfte“

Besonderen Eindruck hinterließ bei den Jugendlichen die Begehung eines Waggons, der wenige Kilometer vom eigentlichen Lager entfernt Vorstellungen davon wecken soll, wie der Massentransport bis zur „Rampe“ vonstatten ging. Markierungen auf dem Boden zeigen, wie wenig Platz dem Einzelnen blieb, von der inneren Not ganz zu schweigen. James Randall aus der Klasse 10.3 schreibt in einem lesenswerten Tagesbericht: „Letztlich war man froh, als man den Waggon wieder verlassen durfte.“

Nach grundsätzlichen Informationen über diesen Ort des Schreckens konnten die Schüler sich auf ganz unterschiedliche Weise auf die Spuren der Geschichte begeben. Die vor wenigen Jahren vollständig modernisierte Einrichtung zeigt auf eindrucksvolle Weise, was Gedenkstättenpädagogik heute heißt. Stille Besinnung auf Not und Leid oder konzentriertes Studium der Gesamtstrategie der Nazis anhand von Karten, Daten und Konzepten gehören ebenso dazu wie die Betrachtung eines Films aus den Tagen der Befreiung, der das Vorstellungsvermögen von menschlichem Leid an seine Grenzen führt. Die modellartige Darstellung der wohlüberlegt angelegten Barackensiedlung lässt fast schon nicht mehr ahnen, welches Leid über die Insassen kam.

Dass die Heidelandschaft nicht zum geschichtslosen Raum, zum artenreichen Biotop oder zum musealen Areal geworden ist, wird den Adolfinern, wie James Randall schreibt, spätestens durch Kanonendonner vom nahen NATO-Truppenübungsplatz bewusst. Und nur gut 30 Kilometer weit entfernt von der heutigen Kommune Bergen sollen in naher Zukunft in Munster Giftgaskampfstoffe aus Syrien unschädlich gemacht werden. Hermann Löns’ Seelenlandschaft bleibt eben immer noch – wie vor gut 100 Jahren mit dem riesigen Truppenübungsplatz – in die Weltgeschichte eingewoben, aber heute unter ganz anderen Vorzeichen.vhs




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