weather-image
×

Schützenswert: Schönbär und Teichmolch

Der Wanderfalke war das erste Naturobjekt des Jahres. Die Aktion des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) – damals noch Deutscher Bund für Vogelschutz – war ein voller Erfolg. Dank einer geschickten Öffentlichkeitsarbeit bekam der Greifvogel jede Menge Beachtung. Der Titelträger hatte sie bitter nötig, schließlich war er akut vom Aussterben bedroht. Inzwischen ist er von der Roten Liste gefährdeter Arten gestrichen worden.

veröffentlicht am 17.03.2010 um 10:31 Uhr

Autor:

Der Jahresvogel blieb nicht das einzige Naturobjekt. 1980 folgte die „Blume des Jahres“, ausgerufen von der „Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt“. Später gesellten sich Pilze, Weich- und Höhlentiere, Nutztierrassen, Bäume und Spinnen hinzu. Rund 25 „Jahres-Wesen“ kommen inzwischen alljährlich zu Ehren. Nicht nur bedrohte, seltene oder wenig bekannte Arten und Landschaften erhalten Aufmerksamkeit. Auch die ausrufenden Verbände rücken in den Blickpunkt von Medien, Politik und Bevölkerung.

Die Themen-Tiere und -Pflanzen stehen meistens nicht für sich allein, sondern sollen auf ein gefährdetes Biotop hinweisen. So auch die zur „Blume des Jahres 2010“ gewählte Sibirische Schwertlilie. „Diese Pflanze steht stellvertretend für ihren Lebensraum, der von Versiegelung, Landwirtschaft und Trockenlegung bedroht ist“, erklärt Karen Elvers, Diplom-Biologin und Mitarbeiterin der „Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt“. Die Sibirische Schwertlilie wächst auf feuchten Streuwiesen, an Teichufern, in Niedermooren, Flutmulden und Gräben. In Schaumburg kommt die Sibirische Schwertlilie nach Auskunft der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) nicht vor.

Spezialisten sollen Hochleistungen erbringen. Das gilt auch für die Nutztierwelt. In der Landwirtschaft wurden zum Beispiel Rinderrassen gezüchtet, die besonders viel Milch und Fleisch produzieren. „Das hatte zur Folge, dass Tierrassen verdrängt wurden, die über vielseitige Eigenschaften verfügten und gut an ihre Umgebung angepasst waren“, sagt Antje Feldmann, Geschäftsführerin des Vereins „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen“ (GEH), der seit 1984 alljährlich eine Gefährdete Nutztierrasse des Jahres ausruft. Viele Rassen, die früher als unwirtschaftlich abgestempelt waren, sind inzwischen wieder gefragt – zum Beispiel, wenn es darum geht, Landschaften zu pflegen oder Naturunglücken vorzubeugen. Einige „alte“ Schafarten erzeugen zwar nicht viel Wolle und Fleisch, sind aber hervorragend dazu geeignet, Schneelawinen vorzubeugen, indem sie im Hochgebirge das Gras kurz fressen. Andere Rassen pflegen Deiche, indem sie mit ihrem „Goldenen Tritt“ Mäuselöcher zutreten und die Grasnarbe festigen. „Man weiß nie, wofür man dieses Genpotenzial noch braucht“, sagt Feldmann, „durch den Klimawandel können in Zukunft Rassen interessant werden, die man bereits auf das Abstellgleis geschoben hat.“

4 Bilder
l Lurch des Jahres: Teichmolch Der Teichmolch ist in Europa die bekannteste und am weitesten verbreitete Molchart. Das schlanke, sieben bis neun Zentimeter lange Tier lebt in stillen Gewässern wie kleinen Gartentümpeln, wassergefüllten Wagenspuren im Wald und größeren Teichen. „Die Art leidet unter ausgesetzten Fischen wie zum Beispiel Goldfischen im Gartenteich“, sagt Brandt. Auch der schwindende Lebensraum mache dem kleinen Schwanzlurch zu schaffen.

Aktuell hat die GEH das Meißner-Widder-Kaninchen zur „Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres“ erklärt. Die Diplom-Agrar-Ingenieurin wird nicht müde, die Vorzüge des Mümmelmanns zu preisen. „Es ist nicht träge, sondern sehr temperamentvoll und hat eine gute Fleischqualität.“ Gezüchtet wurde das Kaninchen vor rund einem Jahrhundert für die Pelzindustrie. Es sollte gewissermaßen das glänzende Fell des Polarfuchses imitieren. Als die Nachfrage nach Pelzen zusammenbrach, stand das Meißner Kaninchen zeitweise kurz vor dem Aussterben.

Der Vogel des Jahres hat in den vergangenen Monaten mächtig für Wirbel gesorgt. Gemeinsam mit seinem bayerischen Partner, dem Landesbund für Vogelschutz (LBV), erklärte der Nabu den Kormoran zum „Vogel des Jahres 2010“. Die beiden Verbände begründen ihre Wahl damit, dass der einst gefährdete Vogel nach seiner Rückkehr an Seen, Flüssen und Küsten wieder zu Tausenden geschossen und vertrieben wird. Rund 15 000 Exemplare würden jährlich in Deutschland getötet. „Unter dem Vorwand eines ‚Kormoran-Managements‘ haben nahezu alle Bundesländer spezielle Kormoran-Verordnungen erlassen, die den bestehenden Schutz der Vögel untergraben“, erklärt Nabu-Vizepräsident Helmut Opitz.

Wo der Kormoran auftaucht, erhitzen sich die Gemüter. Das schwarze Federvieh frisst Fisch – und das gefällt nicht jedem. Angler, Teichwirte und Fischereiverbände betrachten den Kormoran als Schädling, der Fischbestände gefährdet und darum geschossen werden sollte. Naturschützer hingegen wollen verhindern, dass die Art ein zweites Mal an den Rand der Ausrottung gebracht wird. „Für die Sportfischer ist der Kormoran ein echtes Hassobjekt“, sagt Nabu-Pressesprecherin Kathrin Klinkusch. „Das Benennen des Kormorans zum ,Vogel des Jahres 2010‘ ist ein Schlag in das Gesicht aller Demokraten und wirklichen Naturschützer“, behauptet dagegen der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF). „Eine solche Bemerkung zeigt, wie viel Aufklärungsbedarf es noch gibt“, kontert Klinkusch. Die Wahl des Kormorans zum Jahresvogel sei keinesfalls als Provokation gedacht. „Wir wollen eine sachliche Diskussion anregen.“ Jedes Lebewesen habe eine Daseinsberechtigung, das gelte auch für umstrittene Tiere wie zum Beispiel Wolf oder Kormoran. Die „heftigen Angriffe“ der Sportfischer kann die Naturschützerin nicht nachvollziehen. Für diese sei der Fischfang weniger Existenzgrundlage als Sport und Trophäenjagd. Ein Einwand, den Sportfischer Heinz Pyka nicht gelten lässt. „Wer angeln geht, will Fisch essen. Trophäen waren vor 20, 30 Jahren ein Trend, heutzutage sind es uninteressante Staubfänger“, sagt der Referent für Umwelt, Natur- und Artenschutz des Landessportfischerverbandes Niedersachsen. Für die wirtschaftlichen Nöte der Teichbesitzer hat Klinkusch Verständnis. „Eine ungesicherte Teichwirtschaft ist für einen Kormoran wie ein Selbstbedienungsladen.“ Gemeinsam mit den Teichwirten müssten vor Ort Lösungen gefunden werden.

Der Nabu-Bundesverband schlägt vor, Fischteiche mit weitmaschigen Drahtnetzen zu überspannen. „Viele Teichwirte dürfen ihre Gewässer gar nicht überspannen, weil sie in Landschaftsschutz- oder Naturschutzgebieten liegen“, erwidert Pyka. Zudem würden sich Vögel in den Überspannungen verfangen. „Die Installation und Wartung der Drahtnetze ist außerdem sehr teuer.“




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige