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Ein traditioneller Beruf, der ausstirbt: Roman Ackermann über seine Arbeit als Polsterer

Sein Spezialgebiet sind Sessel, Sofas, Stühle

Hessisch Oldendorf (boh). Traditionsberufe wie zum Beispiel Schäfer, Schuster oder Hufschmied werden immer weniger. Der kreative Schaffensprozess wird zunehmend von Maschinen und Robotern übernommen. Mancher Handwerksberuf steht somit unmittelbar vor dem Aussterben. Moderne Techniken führen nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks Berlin dazu, dass traditionelle Berufe sich verändern oder tatsächlich zum Aussterben verurteilt sind: Einer könnte in absehbarer Zeit der Beruf des Polsterer sein.

veröffentlicht am 14.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 24.02.2010 um 11:06 Uhr

Nur wenige Menschen in Hessisch Oldendorf beherrschen noch dieses Handwerk. „Was allerdings kaum verständlich ist, denn der Beruf des Polsterers ist äußerst vielseitig“, sagt Roman Ackermann. Der 24-Jährige muss es wissen, schließlich hat er sich in seiner dreijährigen Lehrzeit als Raumausstatter in Detmold darauf spezialisiert. Seit Januar 2008 arbeitet er als selbstständiger Raumausstatter und Polsterer in der Langen Straße. In diesem Jahr hat er gemeinsam mit seiner Mutter Jelena das Geschäft von Ludwig Dehne übernommen und kann sich mittlerweile vor Aufträgen kaum retten. „Polsterer stellen Polstermöbel her. Zudem restaurieren sie alte und wertvolle Sessel, Sofas oder Stühle“, umschreibt Ackermann seine berufliche Tätigkeit. „Hauptsächlich arbeiten Polsterer in Industriebetrieben. Darüber hinaus sind sie in Fachbetrieben des Raumausstatterhandwerks, der Herstellung von Sitzen für Kraft- und Luftfahrzeuge, in Bootssattlereien oder in der Herstellung von Sportgeräten tätig. Häufig allerdings wählen sie den Schritt in die Selbstständigkeit“, sagt er. Auch in seinem Berufsfeld hätte sich die Arbeitstechnik im Laufe der letzten einhundert Jahre grundlegend gewandelt, erklärt Roman Ackermann. Wurden anfangs nur Lederstücke auf einen Rahmen genagelt, erhöhte sich später die Bequemlichkeit für den Nutzer, indem mit verschiedenen Werkstoffen wie Stroh oder Rosshaar gepolstert wurde. In der Regel kommt der Polsterer mit einer überschaubaren Anzahl an Werkzeugen aus. „Die sollten somit in guter Qualität vorhanden sein“, betont Ackermann. Polsterhammer, Schneiderschere, scharfe Messer, Ahlen, Schraubenzieher und Spezialwerkzeuge wie Gurtspanner kommen in seiner Werkstatt zum Einsatz. Zunächst entfernt Ackermann vom zu bearbeitenden Möbelstück verschlissene Stoffe und Polsterungen. Gemeinsam mit dem Kunden wird der neue Bezugsstoff ausgesucht. Dazu sucht Roman Ackermann zunächst den Kunden in seiner häuslichen Umgebung auf. Die Farbwahl des neuen Bezugsstoffes wird gemeinsam festgelegt und soll zur restlichen Einrichtung passen. „Kundenwünsche berücksichtige ich dabei generell, mache aber auf Vor- und Nachteile beim ausgewählten Stoff aufmerksam“, erklärt er. Unabdingbar sei es für ihn auch stets gewesen, sich eine umfassende Stilepochenkunde anzueignen. „Zu Biedermeier oder Gründerzeitmöbeln passen eben nur bestimmte Stoffe“, erklärt er. Bei der Stoffauswahl müsse zudem auf Reißfestigkeit geachtet werden, schließlich sollte auch eine über Jahre starke Beanspruchung kaum Spuren hinterlassen. Ist der richtige Polsterstoff gefunden, beginnt in Ackermanns Werkstatt die Feinarbeit. Der benötigte Stoff wird zugeschnitten und vernäht und schließlich über das zu bearbeitende Möbelstück, das vorher neu unterpolstert wurde, gezogen. Jetzt beginnt für Roman Ackermann die kniffelige Handarbeit mit Ahle und Faden. Applikationen wie Kordeln oder Knöpfe müssen auf dem Möbelstück befestigt werden. Bis der alte Sessel oder das bequeme Sofa wieder in neuem Glanz erstrahlen, kann es einige Arbeitsstunden dauern. „Die Wahl meines Berufes war goldrichtig. Ich würde nichts anderes machen wollen“, so Ackermanns Fazit. Wünschenswert wäre es seiner Meinung nach allerdings, dass der Trend zu alten Handwerksberufen wieder zunehmen würde. „In meiner Werkstatt habe ich den kompletten Schaffensprozess vom Entwurf über die Ausführung bis zur Fertigstellung“, sagt er.




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