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Termin zur "Klärung der beruflichen Situation... ": Was Regine Voß so mit dem Job-Center erlebt hat

Seit einem Jahr in Arbeit - bei der "Arge" noch arbeitlos

Bückeburg (rc). Seit einem Jahr hat sie wieder Arbeit. Von der "Arge", dem von Arbeitsagentur und Landkreis gebildeten Job-Center, hat sie Eingliederungshilfe erhalten, weil sie sich selbständig gemacht hat. Vom Verdienst hat sie eine Rückzahlung an die Arge getätigt, weil sie zuviel Eingliederungshilfe erhalten hat. Und dann schneit im November ein Schreiben der besagten Arge einer völlig verdutzten Regine Voß ins Haus. Darin wird sie aufgefordert, zu einem Termin nach Stadthagen zu kommen: "... zur Klärung Ihrer beruflichen Situation".

veröffentlicht am 08.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:15 Uhr

Dabei war diese berufliche Situation längst geklärt, wie die Bückeburgerin im Gespräch mit unserer Zeitung schilderte. Denn bereits seit Dezember 2005 hatte sie wieder Arbeit, arbeitet noch heute erfolgreich als selbständige Handelsvertreterin für einen großen deutschen Staubsaugerhersteller. "Da weiß doch einer vom anderen nicht, was die da überhaupt tun", kann sie sich immer noch aufregen, was ihr da mit dem Job-Center, dem Auszahler der Hartz IV-Bezüge, passiert ist. "Ich bin trotzdem zu dem Gespräch gefahren." Nur um dort vor Ort vom zuständigen Sachbearbeiter - der von ihrem Besuch genauso überrascht war wie sie von dem Anschreiben - zu erfahren, dass sie im Computer der Arge seit dem 16. Januar 2006 als krank gemeldet lief - also auch noch arbeitssuchend. Wieso und warum konnte nicht eindeutig geklärt werden, ebenso wenig wer den Brief "zur Klärung der beruflichen Situation" verschickt hatte. Recherchen im Amt verliefen jedenfalls im Sande. Immerhin konnte sich Regina Voß noch erklären, wie sie als "Computerleiche" in die Mühlen der Arge geraten ist. Am besagten 16. Januar hatte sie auf dem Weg zur Arbeit einen Unfall, war zwei Wochen krank geschrieben. Da sie zu dieser Zeit das Eingliederungsgeld erhielt, habe sie diesen Unfall bei der Arge gemeldet: "Sicher ist sicher." Auch als sie wieder gesund war, habe sie dies gemeldet. Später - im April - wollte die Arge schriftlich wissen, wie der Unfall passiert ist. Schon damals habe sie sichüber "die ganze Fragerei" aufgeregt, dem damals zuständigen Mitarbeiter mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde gedroht. Was dieser "achselzuckend" hingenommen habe. Denn der Aufforderung, einen Unfallbericht abzugeben, war eine ganze Reihe weiterer Auseinandersetzungen mit der Arge vorausgegangen. Mal sollte die Eingliederungshilfe für neun Monate gezahlt werden, dann nur noch für drei, längstens jedoch für sechs Monate. Auch die zugesagte Höhe wurde zunächst reduziert, dann wieder erhöht, um dann in der eingangs erwähnten Überzahlung und folgender Rückzahlung zu landen. Auch dass sie zwischenzeitlich überhaupt nicht krankenversichert gewesen ist, habe sie "zufällig eher nur am Rande erfahren", so Regina Voß. Für sie ist jedenfalls klar: "Da weiß die eine Hand nicht was die andere tut." Sie habe arbeiten wollen und sei dabei eher gestoppt worden. "Ich verstehe nicht, warum Menschen so viele Knüppel zwischen die Beine geworfen werden müssen." Und sie hat zum Schluss noch ein Beispiel parat: Da ihr Arbeitgeber noch Verkäuferinnen sucht, nahm sie die Adressen von zwei Arbeitssuchenden mit, gab sie ihrem Chef, damit er die Frauen ansprechen könne. Tat er auch. Nur dass beide Frauen unter bei den angegeben Adressen überhaupt nicht zu erreichen waren ...




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