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Viele der Handyapplikationen greifen auf die Daten des Nutzers zu / Möglichst vorher im Internet informieren

Sicherheit bei Smartphones lückenhaft

Landkreis. Mobiltelefone mit Internetzugang, sogenannte Smartphones, sind Computer im Westentaschenformat. Sie können wie jeder Computer durch Schadsoftware infiziert werden. Dabei droht den Handys aber weniger ein Defekt des Geräts als ein großer Lauschangriff auf die persönlichen Daten.

veröffentlicht am 02.11.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 14:42 Uhr

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„So ein Smartphone ist nichts anderes als ein kleiner Hochleistungscomputer“, sagt Toralv Dirro, Experte beim Antivirenhersteller McAfee in Hamburg. Weil Smartphones aber nicht aussehen wie ein Computer, machen sich laut Dirro viele Nutzer keine Gedanken über die Sicherheit. „Die Sicherheitsprobleme sind aber die gleichen wie beim Computer.“ Diese Programme greifen oft auf die persönlichen Daten des Nutzers zu, etwa auf das Telefonbuch oder den aktuellen per GPS ermittelten Standort. „Dabei ist das oft gar nicht nötig“, wie Sascha Pfeiffer vom Antivirenhersteller Sophos erklärt: „Es gibt extrem wenige Programme, die auf meine Daten zugreifen müssen.“

Doch die Realität sieht anders aus. Viele der Handyapplikationen (kurz: Apps) greifen auf die Daten des Nutzers zu. Auch unseriöse oder sogar kriminelle Anbieter nutzen dies aus. Wenn eine Applikation Zugriff auf die Daten des Nutzers hat, kann das fatale Folgen haben, wie Daniel Bachfeld, Redakteur der in Hannover erscheinenden Zeitschrift „c’t“ erklärt. So gebe es Apps, die automatisch Kopien sämtlicher SMS-Nachrichten verschicken oder sogar das Handy in eine Abhörwanze oder eine Überwachungskamera verwandeln. Andere Programme rufen automatisch überteuerte Nummern an, ohne dass der Nutzer es merkt, berichtet Bachfeld: „Da lässt sich relativ einfach und schnell viel Geld verdienen.“

Die Betreiber der Handybetriebssysteme, die die Apps auf ihren Plattformen veröffentlichen, bieten nach Ansicht des Experten Dirro kaum Schutz. Bei Apple gebe es zwar eine Kontrolle aller Apps vor der Veröffentlichung. Dort gehe es aber weniger um die Sicherheitslücken der Programme als um die Funktionsfähigkeit. Das Google-System Android sehe gar keine Kontrollen vor: „Da kann jeder Entwickler seine Apps veröffentlichen.“

Auch klassische Viren, wie man sie von Personal-Computern kennt, haben Kriminelle für Smartphones programmiert. So berichtete das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik schon im vergangenen Jahr vom iPhone-Wurm Ikee. Allerdings ist die Bedrohung durch Viren, Würmer und Trojaner zumindest derzeit nach Expertenmeinung noch äußerst gering. Auch künftig werde es vor allem Apps zum Ausspionieren der Nutzerdaten geben, weil dies dem Angreifer viel mehr Vorteile bietet.

Weil die Virengefahr auf dem Handy noch relativ gering ist, gibt es bislang auch nur wenig Sicherheitssoftware speziell für Smartphones. „c’t“-Redakteur Bachfeld rät von solchen Programmen wegen der geringen Gefahr eher ab: „Im Moment ist das nicht nötig.“

Gegen dubiose Apps hingegen gibt es keinen technischen Schutz. Die beste Sicherheitsvorkehrung ist derzeit nach Meinung von Experten eine gehörige Portion Skepsis: „Gesunder Menschenverstand ist das Gebot der Stunde“, sagt Pfeiffer. Lassen sich Apps nur dann installieren, wenn der Anwendung ein umfassender Zugriff auf die Daten des Geräts erlaubt wird, sollte man hellhörig werden.

„c’t“-Redakteur Bachfeld empfiehlt, sich möglichst im Internet über eine Applikation zu informieren, bevor man sie auf das Mobiltelefon lädt: „Man kann zum Beispiel einfach mal nach dem Namen der App googeln und gucken, ob andere Nutzer möglicherweise negative Erfahrungen damit gemacht haben.“




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