weather-image
29°
Randalierer verbreiten Angst und Schrecken

Silvester in Obernkirchen: „Zustände wie beim G20-Gipfel“

OBERNKIRCHEN. Auch am Tag nach Neujahr war der Bauhof der Stadt Obernkirchen noch im Einsatz, um die Spuren der Silvesternacht zu beseitigen. Mit Kehrmaschinen wurden abgebrannte Systemfeuerwerke, explodierte Böller und Überreste von Raketen entfernt. Große Mengen Abfall seien zusammengekommen – „es war allerdings weniger, als in den Vorjahren“, meint Bauhofleiter Karl Harting.

veröffentlicht am 02.01.2018 um 17:39 Uhr
aktualisiert am 02.01.2018 um 18:14 Uhr

Mit unzähligen Raketen begrüßten die Obernkirchener das neue Jahr. Dieses Bild machte unser Leser Thomas Wolff kurz nach Mitternacht an der Liethhalle in Obernkirchen mit Blick auf Bückeburg. Foto: pr
DSC_4666

Autor

Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Für die Polizei Bückeburg war die Silvesternacht arbeitsreich. Einige Fälle beschäftigten die Beamten auch gestern noch. In einem Fall hätten Randalierer für Angst und Schrecken gesorgt. Sogar eine Fahrbahn wurde in Brand gesetzt.

Das neue Jahr war erst ein paar Minuten alt, als eine Gruppe von Unbekannten an der Straße „Am Weidkamp“ randalierte und dabei Schäden verursachte. Die Personen hatten zuvor in einem Haus in der Nähe eine Silvesterparty gefeiert. „Ein Täter hat dann kurz nach Mitternacht Benzin aus einem Kanister absichtlich auf der Straße vergossen und angezündet“, berichtet Polizeisprecher Klaus Peter Pischke. Auf der Fahrbahn sei ein großer Brandfleck entstanden. „Ob dieser entfernt werden kann, steht noch nicht fest“, sagte der Beamte.

Kurz darauf schossen mehrere Personen, die offenbar an derselben Feier teilgenommen hatten, Raketen und Feuerwerkskörper auf Häuser in der Nachbarschaft ab, so der Polizeikommissar. „Anwohner haben uns von ähnlichen Zuständen wie bei den Ausschreitungen bei den G20-Protesten in Hamburg berichtet“, erklärt Kommissar Buhr. Anwohner hätten Angst gehabt. Mindestens eine Haustür sei beschädigt worden. „An der Tür zeugt ein Brandfleck von der Tat, Holz ist verkohlt. Die Täter sind unbekannt. Auch deshalb, weil die Polizei erst am Nachmittag des Neujahrstags gerufen worden war. „Wir fahnden nach den Tätern“, so ein Ermittler.

Für die Polizei war die Silvesternacht arbeitsreich: Am Weidkamp hat ein Randalierer die Fahrbahn mit Benzin angezündet. Ein großer Brandfleck ist zurückgeblieben. Foto: polizei
  • Für die Polizei war die Silvesternacht arbeitsreich: Am Weidkamp hat ein Randalierer die Fahrbahn mit Benzin angezündet. Ein großer Brandfleck ist zurückgeblieben. Foto: polizei

Es blieb jedoch nicht die einzige Sachbeschädigung in Obernkirchen. „Am Montagmittag hat eine aufmerksame Bürgerin am Friedhof bemerkt, dass Briefe im Gebüsch und auf dem Gehweg verstreut liegen“, erzählt Buhr von der Polizei Bückeburg. Der Briefkasten am Kollbergring war komplett aus der Verankerung gerissen worden und lag ein Stück davon entfernt. Am Tatort fanden die Ermittler einen Böller. „Ob die gezündete Pyrotechnik mit dieser Sachbeschädigung zusammenhängt, wissen wir noch nicht“, sagt Buhr. Die Briefe seien zu einem anderen Kasten gebracht worden, so die Polizei.

Unweit des Tatorts wurden alle vier Reifen eines VW Passat zerstochen. Der Täter hat zudem die Heckscheibe eingeschlagen. Der Kombi war auf einem Parkplatz beim Friedhof abgestellt worden. An dem Auto dürfte wirtschaftlicher Totalschaden entstanden sein, teilte die Polizei auf Anfrage mit. Ermittler schließen nicht aus, dass es einen Tatzusammenhang gibt.

In Liekwegen musste die Feuerwehr ausrücken. Feuerwerksbatterien waren auf den Plastikdeckel eines Müllcontainers am Sportplatz gestellt worden. „Das abgebrannte Feuerwerk muss noch geglimmt haben, hat sich durch den Deckel gefressen und den Inhalt des Restmüllcontainers in Brand gesetzt“, erzählt der Polizeikommissar. Zusammenfassend sei aus Sicht der Polizei Bückeburg am meisten in Obernkirchen passiert. Dennoch blieben die Gewahrsamszellen der Polizei in der Silvesternacht leer.

Für die Mitarbeiter des Bauhofs Obernkirchen gab es am Dienstag viel Arbeit. Streckenkontrolleure fuhren die Straßen ab. Mit einer Kehrmaschine wurden die Fahrbahnen gereinigt. „An einigen Stellen mussten Mitarbeiter per Hand die abgebrannten Feuerwerksbatterien wegräumen, bevor die Kehrmaschine die Straße säubern konnte“, erzählt Bauhofleiter Harting. Der Grund: Größere Teile kann das Reinigungsfahrzeug nicht aufnehmen. Um 7 Uhr hatten die Bauhofmitarbeiter damit begonnen, den Marktplatz für die Beschicker freizuräumen. Bis zum Nachmittag war die Kehrmaschine im Dauereinsatz. Dennoch sei weniger Müll angefallen, als in den letzten Jahren, meint Harting. Besonders an der Liethhalle sei es „nicht so schlimm gewesen“. Das gelte jedoch nur für die Grundstücke der Stadt Obernkirchen. „Dort, wo die Straßenreinigungsatzung greift und Anwohner verpflichtet sind, die Straße selbst zu reinigen, kehrt der Bauhof auch nicht“, sagt Harting. „Die Bürger sind verpflichtet, ihren Abfall beim Feuerwerk selbst zu entsorgen – das passiert aber leider oftmals nicht“, sagt Andreas Grote vom Ordnungsamt der Stadt Obernkirchen.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare