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Auch die letzten „Poetischen Momente“ dieser Saison stoßen auf großes Echo

Sinnentstellung als Programm

Bückeburg. „Heino und Mäuse“ war ulkigerweise das Programm betitelt, das Heinrich von Gyldenfeldt und Jürgen Krejci im Saal der ehemaligen Landfrauenschule in Bückeburg zum Finale der von Frank Suchland für den Kulturverein initiierten „Poetischen Momenten“ präsentiert haben.

veröffentlicht am 22.03.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 21:41 Uhr

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Seit 1966 wartet das hochschulfahrene Paar mit „Versen von der Brechstange“ sowie Songs, Aphorismen, halbseidener Lyrik, makabren Kurzgeschichten, Satire und noch vielem mehr auf. Heinrich von Gyldenfeld (Heino) kümmerte sich bei seinen stimmlich nicht immer verständlichen, aber durch die Bank drollig-hintersinnigen „Ergüssen“ nicht etwa um logisch aneinandergereihte Worte. Im Gegenteil: Er zwängte sein ganzes Vermitteln-Wollen in die Zwischenräume, um so die Komik herauszukitzeln – und das mal singend, mal parlierend und häufig mit gitarristischen Einschüben. Zunächst sprangen bei den zu leise erzählten Geschichten und Gedichten nur wenige Funken über, obendrein bekamen sich die allein von der Größe her lustig anzuschauenden Partner gegenseitig noch nicht so toll in Griff. Doch als von Gyldenfeldt mit etwas holpriger Fabulierkunst kundgab: „Liebt man sich am Schwarzen Meer, so schmiert man sich die Knie voll Teer“ mit Anspielung auf „Voltaire“ oder mit dem Soleier-Spruch aufwartete: „Ich brauch meine Ruhe! Schon wegen meiner Schuhe verlass ich möglichst nicht das Haus: So leiere ich sie auch nicht aus“ und andere wahnwitzige Sinnentstellungen von sich gab, blickten etliche Gäste im Saal wohlwollender drein.

Für urige Situationen sorgte auch Gitarrist und Sänger Jürgen Krejci (Mäuse), indem er sich mit seinem „Jodeltenor“ in ungeahnte Höhen verstieg. Man denke an das nicht immer in einiger Zweisamkeit vorgeführte Frühlingslied aus der Lüneburger Heide und derlei Zotigkeiten mehr. Ansonsten gab es noch ein bisschen makabren Loriot, vom Grabstein war die Rede, Dichter Robert Gernhardt wurde bemüht – und manch anderer nicht ausgelassen. Alle Pointen akustisch genau mitzukriegen, fiel zwar bis zum Schluss ein bisschen schwer, doch der Beifall zeigte, den meisten gefiel die ungewöhnliche Show – auch wenn es Heino trotz aller Bemühungen nicht glückte, die Stimmung seiner Gitarre mit der seines Partners in Einklang zu bringen.

Übrigens freute sich das Auditorium, als Frank Suchland anschließend verkündete, in der kommenden Saison für den Kulturverein abermals drei „Poetische Momente“ anbieten zu können.




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