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Zu Hause beim Landrats-Kandidaten der SPD: Heinz-Gerhard Schöttelndreier / "Ich habe einfach den Drive"

So richtig wohl fühlt er sich bei Windstärke 7

Obernwöhren. Genau 59 Minuten braucht der Landrat für seinen morgendlichen Waldlauf. Direkt hinter dem Haus an der Obernwöhrener Waldstraße geht es los, dreimal die Woche. Kommt ihm unterwegs ein Gedanke, ist er angetrieben von der Inspiration schneller wieder zurück; hat er ein verzwicktes Problem zu wälzen, dauert die Runde durch den Bückeberg auch gerne mal über eine Stunde. "Am Ergebnis sehe ich immer, wie es mir gerade geht", sagt Heinz-Gerhard Schöttelndreier mit seinem verschmitzten Lächeln im Gesicht. Nach dem Lauf aber fühlt er sich immer gut: Aus dem sportlichen Naturerlebnis schöpft er die Kraft für den anstrengenden Job.

veröffentlicht am 05.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

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1998 ist Schöttelndreier zum ersten hauptamtlichen Landrat Schaumburgs gewählt worden; das Traumergebnis von über 64 Prozent der Stimmen macht ihn noch heute stolz. In den acht Jahren seither ist er mit diesem höchsten Amt im Landkreis verwachsen. "Ich empfinde das nicht als Belastung, ich mache das mit Leib und Seele", sagt er über seine ganz normalen 12- bis 13-Stunden-Tage. Die Motivation sitzt tief in ihm verwurzelt: "Ich möchte alles machen, alles gestalten, ich habe einfach den Drive." Man glaubt es ihm. Seine enge Verbundenheit mit dem Beruf - auch zu Hause gibt es ein Arbeitszimmer, "die Dependance der Kreisverwaltung", deutet Schöttelndreier lachend auf die Empore über dem offenen Wohnzimmer mit dem raumhohen Kamin - sieht er nicht ungeteilt positiv. "Je mehr man sich damit identifiziert, umso verletzbarer wird man", sagt er offen und selbstkritisch. "Und dünnhäutiger, daran muss ich arbeiten." Inhaltlich arbeiten will der Chef der Kreisverwaltung in einer neuen Amtszeit vor allem an der weiteren Konsolidierung der Kreisfinanzen, auch die Wirtschaftsförderung und ganzheitliche Familien- und Jugendhilfeprojekte stehen für den langjährigen Sozialdemokraten ganz oben auf der politischen Agenda. "Familie, Jugend, Soziales, Wirtschaft", umreißt er die Schwerpunkte seines Programms für seinen Landkreis. "Ich bin ein typischer Schaumburger", sagt Schöttelndreier, Mitglied in 15 Schaumburger Vereinen. In Schirneichen ist er geboren, am Bückeburger Adolfinum hat er 1963 Abitur gemacht, in Gelldorf mit Ehefrau Margitta die erste Wohnung bezogen. Seit 1979 lebt die Familie im eigenen Haus am Waldrand von Obernwöhren. Mit weitem Blick über das Schaumburger Land: "Bis an die Grenze zu Rehburg kann man hier gucken." Entspannt sitzt Schöttelndreier da, in Polo-Shirt und heller Hose, versonnen streicht er über die Tischdecke. "Die langen Sommerabende hier im Garten genießen wir richtig." Das hohe Schilfgras raschelt leicht im Abendwind, im Hintergrund plätschert leise der kleine Wasserlauf. Ehefrau Margitta, die leidenschaftliche Köchin, serviert eine cremige Zucchinisuppe, "aus eigenem Anbau" - zum 2500-Quadratmeter-Grundstück gehört auch ein kleiner Nutzgarten. Vor allem aber ein Meer aus Blumen. Zartrosé und tiefrot, violett, kräftig-gelb und samtweiß: Am Schöttelndreier-Haus blüht es in allen Farben. Ein Hauch von Landpartie. Viel zu selten in diesem wunderbaren Garten ist Sohn Jan, "unser Ein und Alles". Der 31-jährige Wirtschaftsingenieur arbeitet in Nürnberg, telefoniert aber oft mit den Eltern: "Wir haben ein sehr, sehr gutes Verhältnis." Eine große Leidenschaft verbindet Vater und Sohn: das Windsurfen. "Kein Stehsegeln, sondern richtig mit Trapez, gerne bei Windstärke 7!" Über Ostern war die Familie früher am berühmten Surf-Spot Leucate in Südfrankreich. Und wenn dann am Abend plötzlich Wind aufkam, "da verkochte das Essen, weil wirMänner wieder raus auf Wasser mussten..." Nicht allein das Surfen ist sein Sport. Schon als Schüler feierte Schöttelndreier Erfolge mit dem Leichtgewichtsvierer, "ein guter Ruderer war ich, aber nicht unbedingt der beste Schüler..." Mit seiner Frau macht er gerne Radtouren zum "Dicken Heinrich", und wenn er es am Freitag zum Lauftreff des TSV Bückeberge schafft, "dann war es eine gute Woche". Topfit fühle er sich durch den Sport, sagt Schöttelndreier, "und ganz bestimmt nicht wie 63". Für den Waldlauf jedenfalls dürfte er zurzeit genau 59 Minuten brauchen.




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