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Armin Blümel spricht über „Zirkel und Winkel“ und die „Arbeit am Selbst“

Sogar Friedrich der Große war Freimaurer

Bückeburg. „Wer sind und was wollen die Freimaurer?“ Mit diesem Thema hat sich Referent Armin Blümel im Le Theule-Saal auseinandergesetzt. Auf Einladung der Senioren-Union Bückeburg sprach Blümel über „Zirkel und Winkel“ und die „Arbeit am Selbst“.

veröffentlicht am 23.02.2016 um 14:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 04:22 Uhr

Der Name Bückeburg hat in Freimaurerkreisen einen guten Klang. Denn ausgerechnet hier, in der kleinen Residenzstadt, nahm im 18. Jahrhundert die deutsche Freimauererei ihren Anfang. Graf Albrecht Wolfgang zu Schaumburg-Lippe gilt als erster deutscher Freimaurer – er wurde während eines Aufenthaltes in England wahrscheinlich im Jahr 1723 als „Count de Lippe“ in die Londoner Loge „Hummer and Grapes“ aufgenommen. Und auch für die Aufnahme eines der berühmtesten deutschen Freimaurer, Friedrich des Zweiten, ist Albrecht verantwortlich. Er traf den jungen Kronprinz in Minden, als dieser zusammen mit seinem Vater, Friedrich Wilhelm I., unterwegs war. Als der „Soldatenkönig“ sich abfällig über die Freimaurer äußerte, wagte Albrecht zu widersprechen und sich offen zur Mitgliedschaft zu bekennen.

Kronprinz Friedrich, später „der Große“, war von diesem Mut so beeindruckt, dass er den Grafen später bat, ihm beim Eintritt in die Freimauererei zu helfen. In Erinnerung an den ersten deutschen Freimaurer hat die Loge in Stadthagen den Namen „Albrecht-Wolfgang“ angenommen. Doch was ist das eigentlich genau – Freimaurerei? Hat das was mit einer Religion zu tun oder mehr mit einer Weltanschauung? Und wie steht es mit den Verschwörungstheorien, die sich um die Logen ranken?

Referent Armin Blümel, selbst Freimaurer, nahm auch zu schwierigen Themen Stellung. Etwa zu dem Vorwurf, dass Freimaurer eher im Hintergrund blieben und nur selten öffentlich auftreten. Das hat, laut Blümel, vor allem damit zu tun, dass bei der Freimaurerei der Einzelne und die Arbeit am Selbst im Vordergrund stehen. „Wir machen deshalb auch keine Politik oder werben für eine bestimmte Botschaft, denn es könnte ja einer unter uns sein, der es anders sieht. Ich persönlich muss die Welt besser machen, nicht die Loge.“ Den Freimaurern ginge es vorrangig um die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit: „Ich als Mitglied bin wie ein unbehauener Stein, ich versuche also, nach und nach meine Ecken und Unvollkommenheiten abzuschlagen.“

Ziel der sogenannten Lehrgespräche sei es, den anderen zu reflektieren und ihm so die Möglichkeit einer Erkenntnis zu vermitteln. „Wir sind keine perfekten, besseren Menschen, aber wir bemühen uns, bessere Menschen zu werden.“ Ein anderes wichtiges Element der Freimaurerei sieht Blümel in der Toleranz. Eine gemeinsame Gottesvorstellung gebe es im Grunde nicht, neben der Bibel könne auch der Koran oder die Tora aufgelegt werden. „Wir sprechen vom großen Baumeister der Welten – da kann sich jeder aus seiner Religion das ihm passende heraussuchen.“

Oder anders gesagt: „Unsere Arbeit ist für das Diesseits, nicht für das Jenseits.“ Die Freimaurerei sei keine Religion. Auf die Frage, ob er die Probleme, die manche Kirche mit der Freimaurerei habe, nachvollziehen könne, antwortete Blümel: „Es mag da das eine oder andere Ressentiment aus der Geschichte geben, aber ich sitze zu Hause im Gemeindekirchenrat und hatte da noch keine Probleme.“ Grundsätzlich könne jeder Freimaurer werden, ob arm oder reich, ob Professor oder Müllmann. „Wir begegnen uns alle auf gleicher Ebene.“mig




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