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Bürger beklagen schlechten Zustand / Aufsichtsrat weist Kritik zurück

Sorge ums Besucher-Bergwerk

Kleinenbremen. Sorgen um Besucher-Bergwerk und Museum: Kleinenbremer beklagen sich über den schlechten äußeren Zustand der Anlage. Einige sehen im Geiste schon die Lichter ausgehen. „In fünf Jahren sind hier die Pforten dicht“, befürchtet etwa Landschaftswart Eckhard Bruß.

veröffentlicht am 17.02.2016 um 13:49 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 05:22 Uhr

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In Teilen der Bevölkerung ist der Eindruck entstanden, als werde die Einrichtung stiefmütterlich behandelt. Wie passt das zusammen mit Bestrebungen der Stadt Porta Westfalica, den Tourismus weiter auszubauen – als zweites wichtiges Standbein neben der Wirtschaft? Erst im Januar hieß es in einer Stadtwerkstatt, beim Fremdenverkehr sei Kleinenbremen die Nummer zwei hinter Barkhausen (wir berichteten).

„Wir sollten uns mal zusammensetzen“, lädt Geschäftsführer Mirko Ignatz seine Kritiker ein und verrät: „Ich arbeite mit Hochdruck an einem Tourismuskonzept.“ Überdies gibt es Überlegungen, in Zukunft eine neue Attraktion zu bieten: Eine Grubenbahn soll durch den Steinbruch bis in den Berg fahren. Dies würde ein Problem lösen: Bemängelt wurde zuletzt, dass jener Triebwagen, der früher im Einsatz war, schon länger nicht mehr fährt. Damit kamen Gäste einst vom Vorplatz des Gebäudes in den Berg, bevor sie unter Tage in die Grubenbahn umstiegen.

Auf neuen Schienen könnte nun eine Grubenbahn durch den Steinbruch bis unter die Erdoberfläche juckeln – und von dort unter Tage weiter. Den Triebwagen haben die Mindener Kreisbahnen (mkb), 100-prozentige Tochter des Kreises Minden-Lübbecke, zwischenzeitlich an die Museums-Eisenbahn Minden (MEM) verkauft. Das Besucher-Bergwerk hatte ihn nur gemietet.

Ferner kritisieren besorgte Kleinenbremer, dass die MEM seit November 2015 wegen maroder Gleise nicht mehr bis Kleinenbremen fährt. Die Strecke ist ab Nammer Grube gesperrt, 2016 sind keine Fahrten vorgesehen. Dr. Manfred Horter, Vorsitzender des Aufsichtsrates von Besucher-Bergwerk und Museum, glaubt nicht, dass sich daran 2017 etwas ändert. Vom mkb-Aufsichtsrat werde die Sperrung mit zunehmendem Wettbewerb begründet. Es sei schwer zu vermitteln, dass der Verlustausgleich für diese Strecke zur Verfügung gestellt werde. „Auf dem Teil“, so Horter, „wird ja nichts eingefahren.“ Die Museumsbahn verkehrte dort nur an wenigen Tagen. Kritik an Geschäftsführer Mirko Ignatz weist Horter zurück. „Ich und der gesamte Aufsichtsrat haben volles Vertrauen zu ihm“, betont er. Zudem sei Ignatz fachlich anerkannt.

Nächster Vorwurf: Für Unverständnis hat im Dorf ein Kahlschlag gesorgt, dem eine Reihe von Linden zwischen Rintelner Straße und Parkplatz zum Opfer gefallen sind. „Ich habe vorher die Stadt gefragt“, erklärt Mirko Ignatz. Ergebnis: „Porta hat keine Baumschutzsatzung.“ Außerdem seien die 14 Linden weder Naturdenkmal noch geschützte Allee gewesen.

Bessere Sicht aufs Museum

Fällen lassen hat Ignatz die Bäume, um die Sicht aufs Museum zu verbessern. „Dafür sollten Ersatzpflanzungen hochstämmiger Bäume vorgenommen werden.“ Zurzeit wartet er ab, was der Kreis sagt. „Wenn ich etwas falsch gemacht habe, tut es mir leid.“

Weil er noch keine genauen Anweisungen hat, wartet Ignatz auch mit dem Grünschnitt ab. „Ich habe mit der Maßnahme aufgehört, um die Sache zu klären“, sagt er. Jetzt drängt die Zeit. „Der Grünschnitt muss bis Ende Februar durchgeführt werden, bevor die Bäume austreiben“, erklärt Walter Kunz vom SPD-Ortsverein. Seine Forderung: „Bis zum Frühjahr muss das äußere Bild wieder hergestellt sein.“

Äußerlich könnten Besucher-Bergwerk und Museum zurzeit dringend einen Frühjahrsputz vertragen. Speziell das Stück vom Lokschuppen zum Parkplatz erinnert Ulrike Müller vom Kleinenbremer Heimatverein an einen Dschungel. Auch der Bürgersteig und Teile des Gebäudes seien zugewachsen. „Kahlschlag neben Urwald – dieses Bild gibt das Besucher-Bergwerk zurzeit ab“, fasst Ulrike Müller zusammen.

Fakt ist, dass es Veranstaltungen, die zum Charme von Besucher-Bergwerk und Museum beitragen haben, heute nicht mehr gibt, allen voran das Verlustgeschäft Weihnachtsmarkt unter Tage, nachdem sich kein privater Investor gefunden hat. Mit Ausnahme des Techno-Spektakels „Stonebreaker“ gibt es auch schon länger keine Konzerte mehr im Steinbruch. Mitmach-Schmiede, Rennofen-Tage und Ostercamp für Jugendliche – allesamt ehrenamtliche Initiativen – sind Geschichte. „Wir wollen wieder mehr Seele“, sagt Ulrike Müller.

Kunz wünscht sich ebenfalls mehr Angebote. „Bergwerk und Museum reichen nicht aus“, meint er. „Wer dort war, kommt erst in ein paar Jahren wieder.“ Zuletzt konnten sich die Besucherzahlen allerdings sehen lassen: 2015 hatte das Ausflugsziel 17 980 Gäste – 1000 mehr als 2014.




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