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Bürgerinitiative für einen städtischen Steinanger / Blomberg: "Nur NSDAP wollte ihn verkaufen"

Später Protest: "Tafelsilber nicht verkaufen"

Rinteln (wer). Fast zeitgleich zur Entscheidung des Verwaltungsausschusses, den Steinanger als Baugebiet zu vermarkten, hat sich die "Bürgerinitiative gegen den Verkauf des Steinangers" formiert. An deren Spitze steht eine streitbare Koalition, die sonst eher wenig verbindet: SPD-Veteran Jürgen Evers, CDU-Ex-Bundestagskandidat Dietrich von Blomberg und WGS-Ratsfrau Antje Rinne.

veröffentlicht am 16.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Fast 50 Sympathisanten trafen sich am Donnerstag im "Stadt Kassel", darunter nicht wenige alteingesessene Rintelner und Mitglieder der am Steinanger ansässigen Vereine, um der verkaufswilligen Ratsmehrheit den Kampf anzusagen. Und den heimischen Banken. "Die Vorstände haben mir gesagt, die machen es nicht wegen des Geldverdienens", erntete Evers den ersten leichtverdienten Applaus. Evers machte seinem "Ärger" darüber Luft, dass die Stadt ihr "Tafelsilber" zur Aufbesserung der Finanzen hergebe. Auch Mitstreiter von Blomberg attackierte die "politische Obrigkeit" der Stadt, gemeint war der Rat, weil er "andere Interessen vertritt als die der Rintelner Bürger". In einer historischen Rückblende bis zur "Schenkung des Steinangers im 14 Jahrhundert durch den Grafen von Schaumburg" appellierte von Blomberg vor allem an Emotionen, wollte deutlich machen, dass der Steinanger historisches Allgemeingut sei, das nicht um des schnellen Euros wegen versilbert werden dürfe. Dabei schlug der Extener CDU-Politiker den Bogen von der angeblich verkaufswilligen NSDAP zu den Architektenplänen der Gegenwart und prognostizierte, dass die Stadt schon deshalb nicht verkaufen müsse, weil sie in Zukunft durch eine Verbesserung der Haushaltslage "im Geld schwimmen wird". Antje Rinne berichtete der Initiative aus dem Verwaltungsausschuss, wo soeben die Entscheidung für die Bebauung gefallen war (siehe Seite 9). Was von Blomberg spontan so analysierte: "Eine unsichtbare Macht schiebt alles in eine Richtung." Vom Votum des Ausschusses wolle man sich aber nicht beirren lassen: "Es gibt keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken", forderte Antje Rinne. In der Diskussion kochten die Emotionen hoch. Claus Peters, Fördervereins-Vorsitzender des SC Rinteln, der Sparkasse und Volksbank nicht in einem Atemzug mit der NSDAP genannt haben wollte, wurde regelrecht niedergebuht. Einen ebenso schweren Stand hatte der Neu-Rintelner René Machwirth, der darlegen wollte, die Stadt müsse mehr für junge Familien tun, und zwar am Steinanger. "Sie kennen die Rintelner Verhältnisse nicht so genau", entgegnete Geschäftsmann Klaus-Dieter Rauch und kritisierte, dass Parkplätze und Stellflächen für die Messe-Schausteller wegfallen würden. Ex-Ratsherr Erich Requardt wertete die Bebauung als "Schlag in den Nacken" derer, die Geld in die Sanierung von Altstadthäusern gesteckt hätten. Unscharf blieben die eigenen Zukunftsvorstellungen für den Steinanger. Evers erklärte, man wolle sich jetzt noch nicht um die Gestaltung kümmern. Klar wurde indes, dass der status quo nicht das letzte Wort bleiben soll: "Die Reiter passen da nicht hin", meinte zum Beispiel Erich Requardt. Nach eigenen Angaben hat die Initiative bereitsüber 100 Unterschriften für den Verbleib des Steinangers in städtischer Hand gesammelt. Auch im Internet ist sie vertreten: www.steinanger.de




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