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Kleinenbremer Dorftheater stellt Programm für die neue Spielzeit vor / Nach Tief wieder obenauf

„Spek, Spek“: Das Ziel heißt Überleben

Kleinenbremen (ly). Was für ein schrecklicher Gedanke: Man sitzt möglichst unauffällig im Publikum, wird plötzlich auf die Bühne gezerrt, bringt vor Aufregung kein Wort heraus, hochrot im Gesicht. Und alle lachen.

veröffentlicht am 26.10.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 17:41 Uhr

Dieses Vorurteil über Impro-Theater ist kaum auszurotten. „Niemand wird bei uns zu etwas gezwungen oder muss auf die Bühne“, beruhigt Volker Homeier, Schauspieler im Kleinenbremer Theater „Spektakulär, Spektakulär“ und von Anfang an dabei. „Man kann auch einfach nur zugucken.“

Andererseits ist Mitmachen ausdrücklich erwünscht beim Impro-Theater, anders würde es nicht funktionieren. Mit möglichst spontanen Zwischenrufen übernimmt das Publikum die Regie. Auf der Bühne wird dann nach Herzenslust improvisiert.

Vor sechs Jahren, am 31. Oktober, hieß es zum ersten Mal „Bühne frei“ auf dem früheren Hof Prasuhn an der Kleinenbremer Straße 31. Seitdem sind die Schauspieler durch Höhen und Tiefen gegangen. Anfangs drängten sich mehr als 100 Besucher im Theatersaal. Die Talsohle wurde dann 2008 erreicht, als zu den Aufführungen teils weniger als 20 Gäste kamen.

„Einige Shows waren nicht so doll“, räumt Homeier selbstkritisch ein. Ans Aufhören haben er und die anderen Akteure nie gedacht. „Wir wollen mit unserem Theater überleben“, sagt Holger Pape, dessen Diele der Saal ist. „Und wir wollen weiter Menschen begeistern“, wie seine Frau Maja hinzufügt, die Managerin.

Aus dem vorübergehenden Tief sind die zurzeit fünf festen Schauspieler motiviert hervorgegangen. Sie konzentrieren sich auf das, was sie auszeichnet: „Familiärer Rahmen, gute Walk-Acts, Lockerheit, Leichtigkeit“, so Pape. Der Zuschauerschnitt hat sich zwischenzeitlich bei 50 eingependelt.

Kürzlich hat „Spek, Spek“, so die Kurzform, das Programm für die Spielzeit 2010/2011 vorgelegt. Neu sind die Neujahrs-Impro-Show „Gute Vorsätze“ (Samstag, 8. Januar, 20 Uhr), für die Besucher schon mal über ihre Sünden nachdenken sollten, sowie „Kurz mal lang“ (12. März), eine durchgehende Geschichte am Stück, keine Collage.

Noch dieses Jahr, am Samstag, 13. November, 20 Uhr, begegnet „Spek, Spek“ der Herbstdepression mit sommerlichen Themen. „Die Zuschauer werden als Last-Minute-Truppe in den Urlaub geschickt“, kündigt Holger Pape an. Und beim Weihnachtsmarkt im Besucherbergwerk beteiligt sich das Theater am Samstag, 18. Dezember, um 16 Uhr mit einer Märchen-Show für Kinder.

Neue Figuren gibt’s ebenfalls: „Die blauen Männer“ treten ohne Worte in Kontakt und rufen unterschiedliche Reaktionen hervor. Daneben gibt es die klassischen Walk-Acts wie Spaßkellner oder konfuse Handwerker, die allesamt auch für private Feiern oder große Feste gebucht werden können, ebenso wie kleinere Impro-Shows.

Mit dem Begriff „Dorftheater“ haben die Schauspieler übrigens kein Problem. „Er zeigt, dass wir akzeptiert sind“, sagt Regina Diedrichs-Winkler. Zum Ensemble gehören außerdem Rainer Sommer und Jörg „Stöpsel“ Homeier.

Ein Publikum haben die fünf sich nicht nur in Kleinenbremen erspielt, sondern auch in Bad Oeynhausen, wo die spontane Truppe viermal jährlich im Begegnungszentrum „Druckerei“ auftritt. In offenen Playshops wird dort auch der eigene Nachwuchs rekrutiert.

Kontakt: www.spekspek.de.

Ohne Worte: „Der blaue Mann“, hier gespielt von Holger Pape, ist eine neue Figur. Mit seinem Publikum tritt er nonverbal in Kontakt. Foto: ly

Man muss nicht verrückt sein, aber es hilft: Ensemble des Kleinenbremer Theaters „Spektakulär, Spektakulär“.

Foto: pr.




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