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Momentaufnahmen vom diesjährigen Turnier: Die große Karriere kommt nur noch für wenige infrage

Sportlich-sexy: Beachvolleyball auf hohem Niveau

Obernkirchen. Für die große sportliche Karriere, da gibt sich Marcel Wendler längst keinen Illusionen mehr hin, wird es nicht mehr reichen. Nicht, weil er für einen Beachvolleyballer ein bisschen zu klein ist - das kann er nämlich locker durch seine enorme Sprungkraft ausgleichen -, nein, der Mann vom SV Lohhof ist mit knapp 30 Jahren schon zu alt. Der Diplomingenieur spielt Volleyball nur noch nebenbei, "den Wunsch, professionell zu spielen, habe ich aufgegeben", erzählt der Mann mit dem breiten Oberkörper, bei dem jeder Muskel genau und präzise definiert ist. In Obernkirchen spielt er mit seinem Stammpartner Tobias Knieper, der sein Geld beruflich als Soldat verdient. Beide haben als Team im letzten Jahr pausiert, 2008 spielen sie die ganze Saison wieder zusammen. Auch der ein Jahr ältere Knieper, der mit seinen guten zwei Metern Körperlänge beste Voraussetzungen für den Beachvolleyball mitbringt, die er vor allem bei den Blöcken ausspielen kann, hat die ganz großen sportlichen Ambitionen zu den Akten gelegt. Er hat geheiratet, erzählt er, jetzt macht er noch die Niedersachsen-Tour, für das große Saisonfinale am Timmendorfer Strand wird es nicht mehr reichen. Vielleicht hat erauch ein bisschen spät mit dem Volleyball angefangen: "Mit 21 Jahren, bis dahin habe ich Fußball gespielt, Tischtennis, etwas Leichtathletik." Erst seit vier Jahren spielt er auf Sand, in der Halle schlägt er für die VSG Ammerland in der Regionalliga auf. Immerhin: Er ist Mitglied der Militärnationalmannschaft.

veröffentlicht am 28.07.2008 um 00:00 Uhr

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Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein: Für Marvin Polte trifft dies durchaus zu. Als in Deutschland Beachvolleyball zu einer Boom-Sportart wuchs, feierte er Erfolge mit seinem Partner Thorsten Schoen: Deutscher Meister 2002 und Vierter bei der Weltmeisterschaft in Berlin 2005. "Lange her" sagt Polte, der 2006 souverän mit Schoen in Obernkrichen gewann und seitdem zwei, drei Kilo zugelegt hat: "Na ja, die aktive Nummer ist beendet", erzählt der 32-Jährige. Mit einer Partnerin hat er jetzt die "ProAm Beach-Academy" gegründet. Wofür? "Während es bei den Profis ganz normal ist, mindestens einen Trainer zu haben, der einem bei der Weiterentwicklung hilft, haben viele Anfänger und Amateurspieler keine solche Unterstützung. Hier setzen wir an. Als ehemalige Top-Spieler im nationalen und internationalen Bereich haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, unser Wissen und unsere Begeisterung für Beach-Volleyball weiter zu geben." Und wie läuft es? Polte: "Unsere Erwartungen wurden deutlich übertroffen. Von der 50-jährigen Hausfrau, die 20 Jahre von ihrem Mann vorgeschwärmt bekam, wie toll Volleyball ist und jetzt selbst mitspielen will, bis hin zum ambitionierten Hobbyspieler - da ist alles dabei." Und Obernkirchen? "Isteins von zwei Turnieren, die ich dieses Jahr spiele." Denn der Dortmunder hat die Atmosphäre von 2006 nicht vergessen, "es war wirklich toll und ungewöhnlich stimmig. Hier geht es nicht ums Geld, aber sportlich ist es eben doch ein hohes Niveau." Wird er hier gewinnen? "Ganz bestimmt nicht", sagtPolte und zeigt auf einen Aktiven: "Der holt hier den Siegerscheck." Der, das ist David Kampa vom Zweitligisten VC Cargo Bottrop, wo der 24-Jährige sein Geld verdient: "Die Verträge für die Halle sind die finanzielle Basis", erklärt der Medizinstudent, der mit seinem Partner Jan Romund immerhin schon seit sechs Jahren spielt. "Wir sind wie ein altes Ehepaar", sagt er, und muss weiter: Das Halbfinale steht an, Polte und Jan-Erik Gatzke sind die Gegner, die sich ebenfalls blind verstehen: Seit zwölf Jahren spielen sie gemeinsam Turniere. Schwüle Temperaturen und praller Sonnenschein: Das diesjährige Top-Ten-Turnier wurde unter Bedingungen ausgetragen, die für die Sportler alles andere als optimal waren. Gestern war es gut zu beobachten: Die Schritte wurden langsamer, die Ballwechsel auch - was für die Zuschauer die sportliche Attraktivität steigen ließ. Selbst bei den Männern, wo meistens die harten, brachialen und präzisen Aufschläge schnell über die Punkte entscheiden, gab es viele längere Ballwechsel. Und so sexy wie in diesem Jahr war es auch noch nie: Weil kein Trikotsponsor gefunden wurde, konnte jeder spielen, wie er wollte. Die Männer entschieden sich mehrheitlich für oben ohne. Schade, dass das Publikum fehlte: Nur bei den Finalspielen war der Zuspruch zufriedenstellend, ansonsten zogen die Obernkirchener das Freibad vor. Wer gewonnen hat, steht morgen auf dieser Seite.




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