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Die digitale Kommunikation ist das Thema Nummer 1 für die Industrie

Spricht der Mensch mit Maschinen …

Wir kennen es von unserem Smartphone oder auch von Alexa daheim: Schnell dem System über Spracherkennung eine Frage stellen und innerhalb von Sekunden eine hilfreiche Antwort erhalten. Warum nicht auch mit Maschinen in Industrieanlagen sprechen? Zukunftsmusik? Nein. Der Technikkonzern Lenze hat es entwickelt – und zeigt es auf der Hannover Messe.

veröffentlicht am 27.04.2018 um 17:38 Uhr

Zukunft in Weiß-Blau: Lenze SE geht die nächsten Schritte in die digitale Industrie. Fotos: TT
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Auf seiner Visitenkarte steht Chief Technology Officer, er ist also Technikvorstand – oder besser noch: Innovationsvorstand des weltweit tätigen Antriebs- und Automationsherstellers Lenze SE. Und Frank Maier hat Spaß an dem, was er tut und diese Woche auf der weltgrößten Industriemesse einem internationalen Publikum vorgestellt hat: die drahtlose Sprachsteuerung von Antrieben und Maschinen, ganz einfach übers Handy erledigt.

„Es geht immer mehr um die digitale Vernetzung von Maschinen, ganzen industriellen Anlagen und Werkshallen mit dem Faktor Mensch“, sagt Maier und trifft damit exakt das Hauptthema der Hannover Messe: die Digitalisierung. Der Mitarbeiter müsse in die Lage gebracht werden, „ganz einfach über Sprache mit Maschinen zu kommunizieren, ihnen Befehle zu erteilen, sie steuern zu können.“ Diese Arbeitsweise halte Einzug in die Industrie und werde, so Maier, „in zehn Jahren ganz normaler Standard sein“.

Bereits Anfang der Woche hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Start der weltgrößten Industrieschau gemahnt, dass Deutschland bezüglich künstlicher Intelligenz nachholen und aufholen müsse. Bei der Gestaltung der sogenannten Industrie 4.0 – also der digital vernetzten Industrie – stehe Deutschland „recht gut da“. Aber „recht gut“ ist eben nicht gut genug.

Lenze-Azubi Erik Hantscho (re.) zeigt es: Ist der digitale Zwilling erstellt, kann der Kunde die virtuelle Maschine in 3D sehen.
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Digitaler Messealltag bei Phoenix Contact: Auch die Ausstellung auf der Hannover Messe funktioniert digital.
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Lösungen für die Zukunft: Phoenix Contact trumpft auf der Messe in Hannover mit dem drittgrößten Stand auf.
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An den fünf Messetagen sind 200 000 Besucher mit der Frage „Wie geht es weiter bei der Digitalisierung der Industriewelt?“ auf 5000 Aussteller getroffen. Roboter-Arme, Exo-Skelette, 3D-Laserbrillen: Die Messe versteht sich als Schaufenster dessen, was in der Industrie von morgen machbar ist – auch durch den Einzug künstlicher Intelligenz in die Fabrikhallen. „Die Fabrik der Zukunft ist eine mitdenkende Fabrik mit dem Menschen im Mittelpunkt“, sagt Messe-Chef Jochen Köckler. Dem Mensch bleibt die Steuerung, zum Beispiel wie von Lenze entwickelt per vernetzte Sprachsteuerung.

„Die persönliche Vernetzung hat schon stattgefunden“, sagt Still-Geschäftsführer Henry Puhl. Über Apps seien die meisten Menschen bereits auf einfache Weise verbunden mit den großen Datenräumen. Das gelte auch für Fahrzeuge, so der Chef des Hamburger Logistikunternehmens. Er präsentierte auf der gestern Abend zu Ende gegangenen Messe unter anderem Apps, mit denen Ersatzteile bestellt werden können sowie digitale Plattformen, über die ganze Fahrzeugflotten gemanagt werden können.

So auch die Idee von Lenze. Maier: „Technisch gesehen gibt es keinen Unterschied, ob ich zu Hause meine Heizung per Smartphone steuere oder in der Industrie eine ganze Fabrikhalle. Es ist nur wesentlich komplexer. Deshalb haben wir die drahtlose Sprachsteuerung entwickelt, denn mit Sprache kann man einer Maschine schnell und unkompliziert sagen, was sie tun soll.“

Doch damit allein ist es für Lenze nicht getan: So werden mittels einer Software ganze Antriebssysteme und letztlich produzierende Maschinen an eine Cloud angebunden, wodurch dem Kunden gezeigt werden kann, wie effektiv dessen Maschinen zum Beispiel an Standort A und an Standort B arbeiten.

Wie eine noch gar nicht real existierende Maschine arbeiten wird, auch das hat Lenze übrigens mittels eines digitalen Zwillings auf der Messe demonstriert. So wird die vom Kunden gewünschte Maschine zunächst virtuell gebaut, um alle Anwendungen zu testen – bevor die Maschine dann als echte Hardware erstellt wird. Es soll also alles immer komfortabler, schneller und sparsamer werden.

Wie übrigens auch bei Phoenix Contact: Die Blomberger Technik-Schmiede verkürzt durch eine neu vorgestellte Software für Kunden den Prozess von der Idee über die Konstruktion und Produktion bis zum Versand der Ware. Es werden täglich unzählige elektronische Komponenten erdacht, gebaut, benötigt. Früher, aber auch heute noch wird das vielfach in Handarbeit gefertigt. Phoenix Contact hat dazu nun eine Software entwickelt, die folgendes macht: Wird eine elektrotechnische Anlage am PC geplant, dann kann das System auf Phoenix-Bauelemente zugreifen und diese einplanen. Ist die Komponente durchgeplant, kann sie direkt bei Phoenix bestellt werden – in Einzelteilen oder als fertiges Produkt. Unternehmenssprecherin Angela Josephs sagt: „Das ist für uns ein durchgängiger digitaler Produktionsstrang, den wir neu komplett bedienen.“




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