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Deutsch-Amerikanerin Susanne Nielsen entdeckt und beschreibt das Kindheitsumfeld ihrer Eltern auch für ein Buch

Spurensuche in Rinteln für „German Radio“ in Florida

Rinteln (dil). Wer in einigen Wochen in West-Florida Urlaub macht, hört in der German Radio Show des Senders in Tampa vielleicht einen Beitrag über Rinteln. Susanne Nielsen, Dozentin für Kultur- und Kunstgeschichte an einer dortigen Hochschule, hat einige Tage in der Weserstadt verbracht, um Spuren ihrer Eltern und Großeltern zu suchen, die hier gelebt haben. Sie wurde fündig, weil Rinteln noch so viele schöne alte Gebäude hat. „Bei uns in Tampa ist bis auf zwei historische Gebäude alles abgerissen“, erklärt sie etwas wehmütig.

veröffentlicht am 17.08.2010 um 18:42 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 16:41 Uhr

Gefunden: Susanne Nielsen vor dem einstigen Wohnhaus ihrer Elter

„Meine Familie ist 1928 von Rinteln weggezogen“, erinnert sich die Radioreporterin. Ihr Vater Dr. Otto Schmidt war Diplomat im auswärtigen Dienst, die Familie lebte deshalb in San Franzisko, Reykjavik, Bonn, Bern und Paris. Ihre Eltern wohnen heute in Wiesbaden, sind noch wohlauf. Über das bunte Leben des 92-jährigen Vaters will Susanne Nielsen nun ein Buch schreiben, und der Beginn der Recherche führte sie in dessen Geburtsort Rinteln.

Doch auch die Generationen davor interessieren die Deutsch-Amerikanerin. „Von 1860 bis 1925 hat die Familie meiner Urgroßmutter den Eisenwarenhandel Bowe an der Klosterstraße (heute Rechtsanwaltskanzlei Frühmark und Vogt) betrieben, mein Großvater Dr. Emil Schmidt war dann Oberlehrer am Gymnasium Ernestinum und wurde später nach Wiesbaden versetzt“, sagt Nielsen, die in den USA verheiratet ist und heute zeitweise in Tampa und Wiesbaden lebt. „Meine Großmutter war schon weit gereist, und das hat auf ihre Nachkommen abgefärbt.“

Die Großeltern lebten in Rinteln zuletzt im damaligen Haus Bahnhofstraße 12, heute Ecke Hafenstraße. Bei den langen Recherchegesprächen mit ihrem Vater stieß Nielsen auf Bilder, die ihre Großmutter von Rintelner Ansichten gemalt hatte. Außerdem entdeckte sie ein Büchlein „Rinteln in alten Ansichten“, das bei der Spurensuche jetzt ebenso hilfreich war wie der nie abgerissene Kontakt der Eltern zur Familie Reith, aus der der Ehemann Spielkamerad ihres Vaters war. Dessen Witwe Gerda Reith hat ihr jetzt bei der Spurensuche als Führerin geholfen. Ebenso aufschlussreich waren die Gespräche mit Ernst Brand als Zeitzeugen, in dessen Hotel Stadt Kassel sie übernachtete. „Er hat mir vieles bestätigt.“

Ex-Diplomat Dr. Otto Schmidt, gebürtig aus Rinteln, lebt heute m
  • Ex-Diplomat Dr. Otto Schmidt, gebürtig aus Rinteln, lebt heute mit seiner Frau in Wiesbaden.

„Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis“, sagt Nielsen. Die Villa am Blumenwall, in der die Urgroßeltern Bowe einst zur Miete wohnten, hat sie nicht wieder gefunden. Das Haus Bahnhofstraße 3, das die Urgroßmutter als Witwe bewohnte, fand sich jedoch.

Nielsen hat viel fotografiert und aufgeschrieben. Das Buch über ihren Vater startet in Rinteln, eine der nächsten Stationen wird dessen Studienort Marburg sein. Von der Weserstadt ist Nielsen begeistert: „Eine absolut wunderhübsche Stadt, ich werde von den Fotos selbst Bilder malen und zeichnen.“ Vielleicht sind die Werke dann auch mal in Rinteln zu sehen. „Ich male auf Leinwand, aber ohne Rahmen, sodass ich die Bilder rollen und leicht von Tampa im Flugzeug nach Wiesbaden transportieren kann.“ In beiden Städten hat sie bereits Ausstellungen mit früheren Werken gehabt.




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