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Veranstaltungsreihe "Confessio": Pfarrer Michael Nettusch stellt katholischen Glauben vor

St. Sturmius als Vorbild eines guten Lebens

Rinteln (ur). Ihr "Bergfest" begangen hat die Veranstaltungsreihe "Confessio", in der sich zweimal im Monat unterschiedliche christliche Konfessionen und Glaubensgemeinschaften in der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde am Blumenwall vorstellen. Mit der Präsentation der katholischen Kirche durch Pfarrer Michael Nettusch war die sechste von insgesamt zwölf Folgen erreicht.

veröffentlicht am 04.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Nettusch hatte sich einen didaktisch besonders interessanten Dreh für die Darstellung des katholischen Glaubens und seiner Besonderheiten ausgedacht: Er nahm seine Zuhörer mit auf eine "virtuelle Führung" durch St. Sturmius, um anhand der typischen Merkmale eines katholischen Gotteshauses das dahinter stehende religiöse Verständnis darzulegen. Ob Weihwasserbecken, Tabernakel, Altar und Marienbild, Beichtstuhl, Taufbecken oder Osterkerze - sie alle haben ihre fest umrissene Symbolik und Interpretation in der Welt des Glaubens. Dabei wurden auch die Präzisierungen von Positionen deutlich, die der katholische Glaube durch die Festsetzungen des Zweiten Vatikanischen Konzils erfahren hat - wobei auch für manche Anwesende deutlich wurde, dass manche Distanz zur römischen Kirche sich noch an vorkonziliarischen Vorstellungen festmacht. Neu war wohl für viele Teilnehmer, dass St. Sturmius als Namenspatron der erst 1888 geweihten neugotischen Kirche an der Weser ein Weggefährte des heiligen Bonifatius war, der zur Christianisierung unserer Region beitrug - und dass diese Heiligen eben nicht angebetetet werden, sondern als Vorbilder eines gelungenen Lebens mit und in Gott gesehen werden, die man sozusagen als Fürsprecher vor Gott in Anspruch nimmt. Auch die Reliquare haben in dieser Sichtweise keine "magische" Bedeutung, sondern sind dem Respekt gleichzusetzen, dem man etwa dem Siegelring des Großvaters auch noch nach dessen Tod entgegenbringt. Selbst die vielen nichtkatholischen Christen ungewöhnlich erscheinende Marienverehrung ist in diesem Verständnis nichts weiter als die tiefe Achtung vor einem vorbildlichen Leben und damit kein Hindernis in der Entwicklung weiterer Gemeinsamkeiten. Deutliche Unterschiede ergeben sich nach wie vor in der Beurteilung der Sakramente und das vor allem beim Abendmahl, was mit dem Verständnis des Priesteramtes zusammenhängt, das sich letzten Endes über die Hierarchie der Weihen vom Papst über die Bischöfe bis hin zu den Priestern in den Gemeinden ableitet von der Berufung auf Petrus. Persönlich sieht etwa Nettusch sich durchaus in der Lage, mit evangelischen Christen gemeinsam das Abendmahl zu nehmen - in offizieller Funktion aber erkennt auch er das katholische Verständnis der Eucharistie an, das an diesem Punkte einer solchen Gemeinschaft entgegensteht, wohl aber andere Christen zu dieser Gemeinschaft einlädt: "Was im Glauben geschieht, entzieht sich menschlichen Wertungen." Neu war für etliche Zuhörer, dass sowohl die Kindestaufe als auch die Erwachsenentaufe anderer christlicher Kirchen und Gemeinschaften anerkannt werden als ein gemeinsames Sakrament. Überraschend für einige auch das freimütige Bekenntnis, dass in der Tat die Ehelosigkeit des Priesters auch in katholischer Interpretation nicht aus der Bibel abzuleiten ist, sondern sich auf Kirchentraditionen stützt, die ebenso aufgehoben werden kann wie andere Traditionen. Hinweis: Der nächste Vortragsabend in dieser Veranstaltungsreihe findet am Donnerstag, 7. Dezember, um 20 Uhr in der evangelisch-freikirchlichen Christuskirche am Blumenwall statt.




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