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Vor Gericht: Nach Gutachten im Kinderschänder-Prozess von 23 Fällen nur kleiner Teil übrig

Staatsanwalt fordert fünfeinhalb Jahre

Rinteln (ly). Von den Vorwürfen im Kinderschänder-Prozess gegen drei Rintelner bleibt nur noch ein relativ kleiner Teil übrig. In der Anklageschrift stehen 23 Fälle von schwerem sexuellen Missbrauch. Nachweisen lassen sich aus Sicht von Staatsanwalt Dr. Malte Rabe von Kühlewein aber bloß drei Taten.

veröffentlicht am 13.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Dennoch: Für den Hauptangeklagten (49), Patenonkel des mutmaßlichen Opfers, hat Rabe von Kühlewein am jüngsten Verhandlungstag vor dem Bückeburger Landgericht fünf Jahre und sechs Monate Haft gefordert, eine harte Strafe. Einmal soll die Mutter (31) des Jungen, der im fraglichen Zeitraum fünf Jahre alt war, ihren Sohn zum Übernachten in die Wohnung des Verwandten geschickt haben, obwohl sie Hinweise auf den Missbrauch des Kindes hatte. Wegen Beihilfe durch Unterlassen beantragte der Staatsanwalt daher im Fall der Frau ein Jahr Freiheitsstrafe mit Bewährung. Der Vater soll nach dem Willen Rabe von Kühleweins freigesprochen werden. Die Plädoyers der drei Verteidiger stehen noch aus. Das Urteil der 1. Großen Jugendkammer wird für Freitag erwartet. Zu der neuen Situation, die sich in der Einstellung einer Vielzahl von Fällen ausdrückt, hatte ein Gutachten geführt. In dieser Expertise über die Glaubwürdigkeit des Kindes kommt eine sachverständige Psychologin zu dem Schluss, dass der Junge zwar detailreich sexuelle Übergriffe schildere, es fehle jedoch an der Konstanz. Als Begründung erklärte die Gutachterin zum Erstaunen einiger im Saal sinngemäß, dass das Kind sich während der Vernehmung vor Gericht zu einem Teil der Vorwürfe überhaupt nicht geäußert habe. Dies sei aber wichtig für die Frage der Glaubwürdigkeit. In vorausgegangenen Gesprächen soll der Jungedagegen ausführlich erzählt haben. Erschwerend kommt hinzu, dass der kleine Belastungszeuge kaum zusammenhängende Sätze sprechen kann. In seiner geistigen Entwicklung ist das Kind (6) offenbar zurückgeblieben. Rabe von Kühlewein sieht den Jungen auf dem Stand eines Vierjährigen. "Er wirkte verstockt, zurückgezogen und ängstlich", hat der Staatsanwalt beobachtet. "In seiner Jacke versunken saß er da." Egal, wie dieser Prozess ausgeht: Opfer ist auf jeden Fall ein Kind. In seinen Patenonkel, so heißt es, sei dieses eigentlich "fröhliche Kind" ganz vernarrt gewesen. Nur kann niemand in den Jungen hineinschauen. "Es ist ernsthaft zu vermuten", sagt Rabe von Kühlewein, "dass bei ihm dauerhafte Schäden eingetreten sind."




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