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Caterer halten Ausschreibung zur Versorgung der Rheumaklinik für fehlerhaft

Staatsbad: Unterlegene Mitbieter nach Millionenauftrag „irritiert“

Bad Nenndorf (rwe). Um das künftige Catering in der Bad Nenndorfer Rheumaklinik und das dazugehörende Gästehaus „Edelweiß“ gibt es „Irritationen“. So bezeichnen unterlegene Bewerber das Ergebnis der Vergabe eines Millionenauftrags durch das Staatsbad Nenndorf.

veröffentlicht am 30.11.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 05:22 Uhr

Schon der Umgang lässt beispielsweise beim Bad Nenndorfer Hotelbetreiber Klaus Pittack den Ärger hochkochen. Denn nicht nur er musste aus der Zeitung erfahren, dass er bei der sogenannten „Angebotsherbeiziehung“ unterlegen war. Da konnte er von einem Mitbewerber lesen, der Personal für die Patientenversorgung in der Rheumaklinik suchte. Erst danach traf der Brief aus dem Deisterhaus ein mit der Absage an den Gastronomen, der seit Frühjahr die Patienten in seinem Hotel-Restaurant übergangsweise versorgt.

Besonders pikant bei der neuen Vergabe: Der Gewinner, die „Exclusiv Catering“ aus Detmold, ist auch Lieferant in Bad Pyrmont im „Fürstenhof“, der Heimatklinik des Geschäftsführers Heinz-Hermann Blome. Dieser führt das Staatsbad Nenndorf derzeit nur kommissarisch nebenher, nachdem das Land den bisherigen Chef Peer Kraatz am 13. August fristlos gekündigt hatte. Normalerweise hätte das Landesunternehmen den Catering-Auftrag europaweit ausschreiben müssen. Bei 193 000 Euro zieht die „Verdingungsverordnung für Leistungen“ die Grenze dafür.

Für Blome hat dennoch alles seine Richtigkeit. Er habe nicht genügend Zeit gehabt für ein mehrmonatiges Verfahren. Zum heutigen 30. November läuft der Vertrag mit Perfekta Catering GmbH aus Langenhagen aus. Weil die Klinikkantine saniert werden musste, verköstigt Hotelier Pittack in deren Auftrag seit April die Patienten in seinem Restaurant gegenüber. Ab morgen wird wieder auf der anderen Straßenseite gekocht, dann vom neuen Anbieter.

Bei der Auswahl hat Blome Rückendeckung des Landes. „Das Staatsbad hat sich aufgrund des Geschäftsführerwechsels gerade in einer Umbruchphase befunden. Die Vergabe im Wege der Angebotsherbeiziehung war wegen der Eilbedürftigkeit geboten, um eine Versorgung der Patienten sicherzustellen. Eine europaweite Ausschreibung hätte zu viel Zeit in Anspruch genommen“, lautet der offizielle Kommentar aus dem Finanzministerium.

Aber auch an der Korrektheit der beschränkten Ausschreibung, die unter gewissen Voraussetzungen legitim ist, hegen die Mitbewerber Zweifel. Klaus Pittack jr. ist nach eigenen Worten nur mündlich von einer Sekretärin zur Abgabe aufgefordert worden.

Viel mehr Aufwand machte sich das Staatsbad bei den anderen Interessenten auch nicht. Geschäftsführer Blome beschränkte sich bei der Angebotsherbeiziehung mit einem kurzen Anschreiben. Für 65 000 Pflegetage in der Rheumaklinik und 5000 Pflegetage im „Edelweiß“ sollten die Unternehmen einen Preis nennen. Der für einen Vergleich übliche Anforderungskatalog fehlte.

Die Caterer müssten die Anforderungen in einer Reha-Klinik kennen, erwidert Blome. Er verweist auf die Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung oder der Deutschen Rentenversicherung als Hauptbelegträger. Da gebe es einen „klaren Korridor“ für die Bewerber. Die Firmen machten das ja nicht zum ersten Mal.

Über diese Aussage können die Anbieter nur den Kopf schütteln. Als „unseriös“ disqualifizieren sie das Vorgehen. Ein fairer Wettbewerb sei so nicht möglich, heißt es. In ihren Augen hätte Blome sich einen erfahrenen Berater an die Seite holen müssen. So war es vor zwei Jahren geschehen, als Vorgänger Kraatz ebenfalls unter Zeitdruck das Catering beschränkt, aber detailliert ausgeschrieben hat. Damals durften am Ende die drei bevorzugten Caterer persönlich ihr Konzept vorstellen. „Nicht das billigste Angebot sollte gewinnen, sondern das preiswerteste“, ärgert sich nun ein Caterer, der nicht zum Zuge kam. Er hatte in den Bekanntmachungen auf die offizielle Ausschreibung gewartet und wundert sich nun, wer überhaupt aufgefordert wurde.

Blome hat nach eigenen Angaben zwölf leistungsfähige und bekannte Unternehmen eingeladen, sechs hätten reagiert, fünf ein Angebot geliefert. Der kleinste Preis kam demnach von „Exclusiv“. Dass die Leistung der Detmolder stimmt, wisse er durch „hervorragende“ Beurteilungen der Patienten in Bad Pyrmont. Blome ärgert sich, dass die unterlegenen Caterer nun die Ausschreibung angreifen. Sie hätten mehr Energie in die Bewerbung stecken sollen, lautet seine Reaktion auf die Kritik.




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