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Kammerchor Porta besticht durch Klarheit

Standing Ovations für Händels "Messias"

Obernkirchen (dis). Lediglichüber 16 Sänger verfügte Georg Friedrich Händel, als er den "Messias" 1742 in Dublin zur Uraufführung brachte. Da war der Kammerchor Porta Westfalica, der das Oratorium jetzt mit Unterstützung des Kammerorchesters "La Rejouissance" in der Stiftskirche in der Originalsprache offerierte, mit 80 Interpreten freilich besser ausgestattet.

veröffentlicht am 05.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:20 Uhr

Der Stoff ist gewaltig: Leben, Leiden und Wirken von Christus in einem einzigen, nicht einmal unmäßig langen Oratorium. Das Werk gleicht einem sakralen Rundumschlag, einem Kompaktkurs "Christentum". Das Ergebnis der Kühnheit: Seit der Premiere reiht sich Erfolg an Erfolg. Das "Halleluja" ist vielleicht sogar das bekannteste Musikstück, das es heute gibt. Trotzdem bedeutet es noch immer einWagnis, diesen Händel zu spielen. Gewaltig sind die Vielfalt der Emotionen, die Tiefe und Innerlichkeit der Empfindung. Die von der Volksbank in Schaumburg und der Stiftung Niedersächsischer Volks- und Raiffeisenbanken finanziell ermöglichte Präsentation in Obernkirchen konnte sich jedoch in jeder Hinsicht hören und sehen lassen. Zumal Gesamtleiter Georg Kind das große Ensemble mit dirigentischem Impetus sicher zusammenhielt und einem schlanken und biegsamen Klangideal huldigte. Sogar im berühmten "Halleluja" versuchte er nicht, die Zuhörer durch vokale Wucht zu überwältigen, sondern durch bemerkenswerte Klarheit und Eleganz zu gewinnen. Die sängerische Vitalität übertrug sich rasch auf die gut disponierten Instrumentalisten, die im harmonischen Tutti-Klangbild und in den Solopassagen (B-Trompete!) gleichermaßen überzeugten. Bis hin zu den dosiert gesetzten Vibratoakzenten der Streicher wurde jede Phase mit Akribie ausgeführt. Dass die Worte der heiligen Schrift ihre rechte Wirkung taten, demonstrierten die Solisten. Der ansprechende Sopran von Stephanie Hanf aus Detmold war für das Konzept ideal. Gleiches gilt für den warmen Alt der kurzfristig eingesprungenen Hamburgerin Nicole Pieper. Schöne Momente stellten sich ein, wenn der Münchner Gustavo Martin Sánchez mit schlankem Tenor zu vokalen Höhenflügen ansetzte und dessen Berliner Basskollege Andrew Redmond mit seiner fundierten Stimme - ebenfalls als "Ersatzmann" - den Raum ausfüllte. Der "Messias" endete nachüber zwei kurzweiligen Stunden mit Standing Ovations.




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