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Neujahrskonzert gefällt mit vielfarbigem Programm / Auch Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe greift zum Taktstock

Stehende Ovationen für die „Göttinger“ und Bitterlich

Bückeburg. Burschikosen Schritts schlenderte Christoph-Mathias Mueller Samstagabend zum Dirigentenpult auf der Bühne des restlos besetzten Rathaussaals, um seine gut präparierten Göttinger Symphoniker für das Publikum des Kulturvereins durch ein Neujahrskonzert mit dem Thema „1001 Nacht“ zu leiten. Gewinnend lächelnd verbeugte sich der zierliche Stabführer und startete ohne Umschweife mit Mozarts Ouvertüre zum Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“.

veröffentlicht am 17.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 04:41 Uhr

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Ausgesprochen exakt, aber sehr temperamentvoll widmete sich das sympathische Energiebündel dann über zwei Stunden lang einem mit unterschiedlichen Kleinodien gespickten Programm, das zwar zum Schluss nicht auf Theaterdonner verzichtete, aber wohltuenderweise immer wieder Tore für ganz andere Notenwelten öffnete. In der selten aufgeführten Ouvertüre zur komischen Oper „Der Barbier von Bagdad“ von Peter Cornelius zum Beispiel folgten die gut aufgelegten Instrumentalisten ihrem agilen Stabführer genau. Sie musizierten die komplexe Vielfalt des Werkes so gründlich aus wie den Begleitpart der bezaubernden Koloratursopranistin Antje Bitterlich bei von Webers Arie der Fatime aus der komischen Oper in einem Akt „Abu Hassan“.

In Glinkas „Orientalischen Tänzen“ wurde an der Temposchraube gedreht, und Nielsens „Orientalischer Festmarsch“ sowie „Aladins Traum und Tanz“ als farbenfrohe Hommage ins helle Licht gerückt. Als Glanzlicht des Abends entpuppte sich erneut Antje Bitterlich, die mit strahlendem Timbre das sanfte Geflecht der „Glöckchen-Arie“ von Delibes ausmalte. Gleichwohl gefielen die „Göttinger“ einschließlich feinfühliger Harfenistin. Nach der Pause machte Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe klar, wie schwer es ist, dirigieren zu dürfen, aber er probiere es trotzdem und noch dazu mit Orientalischem: Der zündende „Persische Marsch“ von Johann Strauss Sohn kam aber prima an! Gleiches gilt für den selten zu hörenden „Nilfluthen Walzer“ des Joseph Strauss, um den sich Mueller wieder kümmerte, und den „Egyptischen Marsch“, op. 335, dessen Schöpfer Johann Strauss Sohn hieß.

Der charmant agierende Dirigent steuerte nicht nur seine Instrumentalisten sicher durch die rhythmischen Klippen, sondern zudem launige und informative Einführungen bei. Er reihte den Worten Taten an und behielt auf seine lockere Art die ideale Übersicht, so bei Walzer und Intermezzo aus „Tausend und eine Nacht“ oder dem „Märchen aus dem Orient“. Zu einer kleinen Sensation entwickelten sich zwischendurch die Gesangseinlagen. Mit Arie und Ballade aus der Operette „Tausend und eine Nacht“ und als Zugabe „Mein Herr Marquis“ aus der „Fledermaus“ zäumte Antje Bitterlich ein Juwel nach dem anderen auf. Und dass diese Schmuckstücke eine Fassung bekamen, dafür sorgten die „Göttinger“ in hohem Maße. Natürlich durfte als „Rausschmeißer“ der Radetzky-Marsch nicht fehlen, der die begeisterten Zuhörer noch zu stehenden Ovationen animierte.




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