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Brandschützer buhlen um Gunst des Nachwuchses / Kinderfeuerwehren - die "Kameraden von morgen"

Stell' dir vor es brennt, und keiner geht hin

Landkreis (jcp). Die Schaumburger Feuerwehren sind gemeinhin stolz auf ihre Jugendarbeit, deren Mitglieder im Regelfall mit der Volljährigkeit in den Dienst bei der aktiven Feuerwehr übergehen. Aber die geburtenschwachen Jahrgänge rücken näher. Was tun die Feuerwehren angesichts dieser Lage für die Nachwuchsgewinnung?

veröffentlicht am 25.07.2008 um 00:00 Uhr

Seit Jahren ist eines der beherrschenden Themen auf den Jahresversammlungen der Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis der Nachwuchs. "Werbung ist wichtig, aber wo keine Kinder sind, können wir keine anwerben", lautet das Fazit des Stadthäger Stadtbrandmeisters Rolf Bruns. Dementsprechend werde sich auch das Bemühen um die stetig kleiner werdende Pfütze im austrocknenden Pool der potenziellen künftigen Mitglieder weiter verstärken. "Bis vor zehn Jahren die ersten Kinderfeuerwehren gegründet wurden, hatten die Sportvereine zumeist die Nase vorn, weil die Kinder im Alter ab sechs Jahren Fußball spielen konnten, während die Jugendfeuerwehr erst mit zehn für sie interessant wurde." Häufig gelte für Kinder und Jugendliche die Regel: Sind sie einmal eingetreten, bleiben sie dem Verein auch treu. Um zu gewährleisten, dass sich in Zeiten der anstehenden geburtenschwachen Jahrgänge zumindest die Kinder, die es gibt, für die Feuerwehr interessieren, kümmern sich Betreuerinnen wie Sabine Weiß und Renate Langemeier von der Kinderfeuerwehr Wendthagen-Ehlen um die erwünschten "Kameraden von morgen". "Die Kinderfeuerwehren setzen zumeist auf Spaß und das spielerische Heranführen an die Feuerwehrtätigkeiten, zum Beispiel bei Übungen mit der Kübelspritze", erklärt Weiß. "Im Landkreis dürfte man es eigentlich schwer haben, einen Feuerwehrmann zu finden, der die hiesige Kinder- und Jugendarbeit nicht vorbildlich nennt." Auch Kreis-Jugendfeuerwehrwart Frank Lohmann sieht in der Gründung der Kinderfeuerwehren einen der wichtigsten Schritte in Richtung Zukunftssicherung. "In einigen Kommunen hieß es zwar zuerst ,Brauchen wir jetzt wirklich noch eine Pampers-Gruppe?', aber mittlerweile haben alle die Notwendigkeit erkannt, die Kinder so früh wie möglich anzusprechen." "Alle" schließt für Lohmann die Kommunen mit ein, denn: "Der Erhalt der Freiwilligen Feuerwehren ist nicht nur Sache der Feuerwehren." Schließlich seien Kommunen und Landkreis gesetzlich verpflichtete Träger des Brandschutzes. "Eine Berufsfeuerwehr würde die meisten wohl in den Ruin treiben." Für die Grundausstattung in Bückeburg bräuchte man etwa 25 Leute, bestätigt der Bückeburger Stadtbrandmeister Dirk Hahne: "Da würde die Stadt gelinde gesagt finanziell bereits ins Schlingern kommen. Und 25 Leute reichen nicht, um ein Großfeuer zu löschen." Laut Hahne ruht die gesicherte Zukunft der Freiwilligen Feuerwehren auf drei Säulen. Zuerst nennt er die Kinder- und Jugendarbeit. Zweitens sollten die Feuerwehren einen interessanten und abwechslungsreichen Dienst bieten, um vor allem junge Erwachsene für den Einstieg oder das Verbleiben bei den aktiven Feuerwehrleuten zu begeistern. Drittens müsse die Politik mehr Ausgleich für die "wertvolle Arbeit" der Feuerwehren schaffen. "Feuerwehrleute opfern viel Zeit und setzen nicht selten ihre Gesundheit für die Allgemeinheit aufs Spiel. Die meisten kriegen gar nichts, ein Zugführer 50 Euro Aufwandsentschädigung im Monat. Bei den Benzinpreisen kriegt er seine Fahrtkosten damit nicht raus." "Auch wenn kaum jemand darüber reden mag, denke ich, dass langfristig vor allem auf dem Land Feuerwehren zusammengelegt werden", schätzt Kristina Reichau, Wartin der Jugendfeuerwehr Helpsen. Für Kreis-Jugendfeuerwehrwart Lohmann eine bedrückende Vorstellung. "Wir wissen aus den Auflösungen von Ortsfeuerwehren in der Vergangenheit, dass die dortigen Kameraden sich nicht den Nachbarfeuerwehren angeschlossen haben. Die lokale Verbundenheit ist einfach zu groß. Und wir können heute auf keinen einzigen Kameraden verzichten."




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