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Schaffermahl: gute Stimmung, gutes Essen und ein total verdatterter Kohlkönig Holger Schulz

"Steuerfreiheit kann ich nicht versprechen"

Stadthagen (jl). Deutlich mehr als 300 Männer mehr als zwei Stunden lang auf die Folter zu spannen, sie bis zum Schluss in der Illusion zu wiegen, dass die Würde des Kohlkönigs jeden treffen könnte, das ist schon eine reife Leistung. Günther Bartels, Vorsitzender des Verkehrsvereins, hat es am Sonnabend wieder geschafft. "Gefoltert"wurden die Teilnehmer des diesjährigen Schaffermahls mit launigen Reden, reichlich Getränken, hochgelobtem Essen und schmissiger Musik. So lange, bis es den Kaufmann und SMS-Vorsitzenden gewissermaßen mit voller Wucht getroffen hat - Holger Schulz ist neuer Kohl-Regent.

veröffentlicht am 04.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Wer entthront "König" Rolf Böhlke, der seine Kette bisweilen sogar nachts getragen habe, wie Bartels durchblicken ließ. Immer wieder stichelte und stachelte er seine rund 300 männlichen Zuhörer an. Der Saal war am Sonnabend schnell auf Touren. Schon vor dem offiziellen Auftakt brodelte die Stimmung heftig. Durchhänger schienen in dieser Gemengelage ausgeschlossen zu sein. Vor einer möglichen Sollbruchstelle hatten die Verantwortlichen allerdings auf Grund des vorjährigen Mahls Manschetten, wie Jan Dirk Buse, Ehrenvorsitzender des Verkehrsvereins im Small Talk am Pressetisch einräumte: Würde das mit dem Essen klappen, und vor allem - würde es schmecken? Schließlich hatten"Ratskeller"-Wirt Norbert Krüger und seine Mannschaft ihr Schaffermahl-Debüt. Zeitraffer: Als Bartels Krüger und Tochter Jane nach dem letzten Bissen auf die Bühne holte, bedankte sich der Saal mit tosendem Applaus. Damit war klar: Fall gemeistert. Bartels, geschickt das Königskribbeln oder -schaudern schürend, hatte an wirklich alles gedacht. Dieses Mal ging jeder mit einem "Beweisfoto" nach Hause, "damit Ihr nachweisen könnt, dass Ihr nicht auf einer Damenparty gewesen seid!" Natürlich wurden im WM-Jahr -vor dem Kohl - auch ein paar Häppchen vom langjährigen FC-Chef als Nachlese vom "Sommer der großen Gefühle" serviert. Kostprobe zum Stichwort Bierhoff: "Wenn Jenny Elvers so viele Chancen ausgelassen hätte wie Bierhoff, wär' sie heute noch Jungfrau." Aus der Kommunalpolitik hat sich Königsmacher Bartels weitgehend rausgehalten. Die Würdigung des Wahljahres 2006 hat er - mit Absicht oder nicht -Festredner Reinhard Zindel überlassen. Kurz vor dem Höhepunkt, der natürlich geschickt hinaus geschoben wurde, wurde der Saal damit verblüfft, dass Stadthagen die Wiege der drahtlosen Telefonie sei. Gemäß der Bartels'schen Mär wurde das im Umkehrschluss anhand einer Ausgrabung in Bückeburg bewiesen. Dort sei eine "2000 Jahre alte Telefonleitung gehoben worden. Weil bei der von Bürgermeister Bernd Hellmann veranlassten Stadthäger Grabung kein Kabel gefunden worden sei, lasse das nur den Schluss zu, "dass damals in Stadthagen schon drahtlos telefoniert wurde". Der Saal brodelte, auch weil Bartels zu diesem Zeitpunkt mit Namen jonglierte, die garantiert nicht zum Kohlstrunk aus Buses Garten gerufen werden würden. Genannt wurden die Namen Hoffmann, Rehrmann und Wiksner. Dann machte Bartels den Fokus so lange scharf, bis der Saal - von den Deistertaler Musikanten noch zusätzlich aufgewiegelt -wie aus einer Kehle "Holger" rief. Der neue König, verdattert bis zum geht-nicht-mehr, der nach seinen Worten "eigentlich früher gehen wollte", konnte nur eine kurze "Regierungserklärung" abgeben: "Steuerfreiheit kann ich nicht versprechen, aber ich werde dafür sorgen, dass es mit Stadthagen weiter bergauf geht." Das hörte der Saal gern zum Entree des gemütlichen Teils der großen Traditionsnacht.




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