weather-image
×

Viele Leerstände und bei Aktionen außen vor gelassen

„Stiefmütterchen“ Braustraße

Bückeburg. Erhebliche Leerstände in der Braustraße, der Seitenstraße der Fußgängerzone. Gleich in vier Geschäften von insgesamt nur zehn (inklusive einer Arztpraxis) sind Schilder geklebt: zu vermieten oder zu verkaufen prangt auf ihnen. Während die Gaststätte „El Solin“ nach der Pleite der Betreiber schon seit Längerem leer steht und ein Schmuckladen von der Braustraße in die Lange Straße gezogen ist, steht jetzt auch das Gebäude eines Friseurs am Ende der Straße zum Verkauf. Aufgegeben hat vor einigen Tagen auch ein Einzelhändler, der sich auf den Bedarf von nützlichen Dingen für Senioren spezialisiert hatte.

veröffentlicht am 03.09.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:16 Uhr

4299_1_orggross_r-cremers

Autor

Redakteur zur Autorenseite

Nach Einschätzung des Vorsitzenden von „Handel aktiv“, Joachim Scheffler, ist der Leerstand eine „normale Fluktuation. Ich sehe darin nicht das große Problem“, sagte der hauptberufliche Immobilienmakler und mit seinem Büro an der Ecke zum Sabléplatz selbst Anrainer der Braustraße im Gespräch mit unserer Zeitung. Er hoffe, dass der Leerstand nur kurzfristiger Natur sei. Obwohl: Derzeit sei die Gesamtsituation schwierig, es gebe kaum Anfragen.

Für andere ist der Leerstand in der Braustraße dagegen auch ein hausgemachtes Problem. Wie etwa für Claus Hertwig, der in der Braustraße ein Toto-Lotto- und Zigarettengeschäft betreibt: „In den vergangenen Jahren hat man an die Unternehmer in der Braustraße immer nur dann gedacht, wenn es darum ging, sich an Kosten oder Spenden zu beteiligen.“ Wie etwa an der Weihnachtsbeleuchtung, die gegenüber der in der Langen Straße auch noch deutlich unattraktiver ist: von zehn Birnen drei kaputt und außerdem viel zu dunkel. Dabei gebe es in der Braustraße um die zehn Ladengeschäfte unterschiedlicher Branchen, die ebenfalls Tag für Tag alles tun, damit sich Touristen und Kunden in diesem Bereich aufhalten und wohlfühlen: „Auch diese Unternehmer tragen mit ihren Geschäften zur Attraktivität der Innenstadt bei.“

Jüngstes Beispiel ist für Hertwig, dass die Fußgängerzone mit Spielstationen attraktiver gestaltet werden soll (wir berichteten). Eine gute Idee, deren Umsetzung durch den Arbeitskreis „Lebendige Innenstadt“ er sich nur wünschen könne. Aber: Warum wird die Braustraße nicht mit einbezogen oder auch der Sabléplatz mit dem Einzugsbereich Hubschraubermuseum? „Auch dieser Bereich gehört zur Fußgängerzone und zur Innenstadt.“

Dieses gelte im Übrigen auch für die Autoschau, wo die Braustraße ebenfalls stiefmütterlich behandelt worden sei. Dabei wäre genug Platz, um zum Beispiel in der Braustraße attraktive Gebrauchtfahrzeuge der Autohändler zu platzieren: „Auch dafür gibt es genügend Interessenten, die sich diese ansehen würden. Oder wer kann sich regelmäßig ein neues Auto kaufen?“ Am Ende der Braustraße noch eine Hüpfburg platziert, „und alle wären zufrieden gewesen und die Braustraße belebt“. Auch mit einem Teil des Weihnachtsmarktes in die Braustraße zu gehen, müsse man nachdenken.

Kritik, die Scheffler nachvollziehen kann. Der aber darauf verweist, dass es jetzt schon schwierig genug sei, genügend Autohändler oder Beschicker für den Weihnachtsmarkt zu finden. An der Autoschau in diesem Jahr hätten sich zum Beispiel nur noch vier Bückeburger Autohändler beteiligt: „Wir waren froh, dass wir die Lange Straße zum Laufen bekommen haben.“ Sollte in die Braustraße gegangen werden, dann müsste ein Rundlauf über den Sabléplatz möglich sein: „Sehr viel Platz, der zu füllen wäre“, wie Scheffler zu bedenken gab.

Er würde sich jedenfalls freuen, wenn seine Vorschläge dazu beitragen, dass „stiefmütterliche Verhalten“ der Veranstaltungsplaner gegenüber der Braustraße abzulegen und die vorhandenen Flächen attraktiv zu nutzen, so Claus Hertwig. Leerstände von Geschäften könne sich keine Innenstadt leisten, die mit dem Status „attraktiv“ wirbt. Er sei im Übrigen jederzeit dazu bereit, bei der Planung und Umsetzung von Veranstaltungen in der Braustraße mit zu arbeiten.

Übrigens: Im Rahmen der Langen Nacht der Kultur am 19. September werden die vier leer stehenden Geschäfte unter dem Motto „Kunstmeile“ für Ausstellungen genutzt.

„Wir werden außen vor gelassen“, beklagt Claus Hertwig, Inhaber des Lotto-, Zigaretten- und Zeitschriftengeschäftes in der Braustraße.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige