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Gedenken an Rautenberg, Benario und Muckermann / Initiator Demnig verlegt neun Steine

Stolpersteine erinnern an Opfer des NS-Regimes

Bückeburg (bus). In der Innenstadt der ehemaligen Residenzstadt erinnern neun weitere "Stolpersteine" an Bückeburger Opfer der NS-Zeit. Im Rahmen des von der Geschichtswerkstatt der Herder-Schule initiierten Projekts waren im vergangenen November in Zusammenarbeit mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig bereits sieben Steine verlegt worden. Die aktuelle Aktion weist auf Friedrich Muckermann, die Kaufmannsfamilie Rautenberg und die Arztfamilie Benario hin. "Trotz aller Trauer, die hinter dem Projekt steckt, bereitet mir die Arbeit auch viel Freude", sagte Demnig.

veröffentlicht am 07.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:15 Uhr

Dass munter stimmende Schilderungen auch in einer Gedenkveranstaltung ihren Platz finden können, wurde während einer der Verlegung vorangehenden Feierstunde im katholischen Pfarrheim deutlich. Hier stand insbesondere der Jesuitenpfarrer Muckermann im Mittelpunkt des Interesses. Dessen aus Hannover angereiste Nichte Helga Körner sowie deren Töchter Brigitte, Adelheid und Franziska Romana hörten von Dr. Johannes Schwarte (Münster) und Jesuitenpater Christoph Wrembek (Hannover), dass der 1938 ausgebürgerte Muckermann durchaus nicht nur ein Mensch von Traurigkeit gewesen sei. "Er kannte keine Tabus und hatte keinerlei Berührungsängste", verdeutlichte Schwarte. Wrembek schilderte den Hintergrund der Entstehungsgeschichte des Hollywood-Erfolgsfilms "Airforce One", in dem der Bückeburger schlicht vergessen worden sei. "Bückeburg ist dran, an Airforce One, dank Muckermann", formulierte der Geistliche. Schwarte riefMuckermanns Weitsicht ins Gedächtnis. Der Pfarrer habe bereits in den 20er Jahren erkannt, dass Bolschewismus und Nationalsozialismus widergöttliche Erscheinungen seien. Schwarte: "Muckermann ist ein ganz großer. Bückeburg kann stolz sein auf seinen großen Sohn." Die Verlegeaktion stieß auf reges Interesse. An der Langen Straße 79 (Muckermann) verfolgten etwa 100 Menschen die Aktivitäten Demnigs. Sie erfuhren vom Initiator, dass bislang in 195 Städten mehr als 10 000 Stolpersteine NS-Opfer in Erinnerung riefen. Weitere Stationen waren Schulstraße 21 (Rautenberg) und Fürst-Ernst-Straße 43 (Benario). Leo Rautenberg starb 1940 in Bückeburg an den Folgen der Haftbedingungen im KZ Buchenwald; Selma und Ruth Rautenberg wurden 1941 im Ghetto Riga ermordet; Manfred Rautenberg überlebte das Ghetto Riga, starb aber 1945 an den Haftfolgen; Erwin Rautenberg gelang 1937 die Flucht nach Argentinien. Dr. Paul Benario lebte bis 1938 mit seiner Frau Friederike und seinem Sohn Theodor in Bückeburg, nach dem Judenpogrom von 1938 gelang ihnen die Flucht nach Chile. Demnig erklärte, die Stolpersteine sollten nicht als Grab-, sondern als Schlusssteine verstanden werden. Der Künstler wird im März 2007 weitere Stolpersteine in Bückeburg verlegen. Das Vorhaben kann durch Spenden auf das Konto 322 239 369 (Verein der Herderaner, Sparkasse Schaumburg, Bankleitzahl 255 514 80, Kennwort: Stolpersteine) unterstützt werden. Geschichtswerkstattleiter Klaus Maiwald beziffertedie Zahl der in der ehemaligen Residenzstadt betroffenen Personen des alle Opfergruppen der NS-Zeit umfassenden Projekts mit etwa 90. Ein Stein kostet 95 Euro.




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