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Acht Prozent unter der Explosionsgrenze: Nur der Zufall verhindert in Krainhagen eine Katastrophe

Stundenlang entweicht das gefährliche Gas

Krainhagen (rnk). Wie groß die Gefahr gestern in der Waldgrundstraße für die Bewohner war, wird sich wohl nie beweisen lassen. Doch zumindest für die Polizei ist sicher, dass nicht viel gefehlt hat - und es wäre zu einer großen Explosion gekommen.

veröffentlicht am 19.12.2007 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:28 Uhr

Der Reihe nach: In einem Wohnheim für mehrfach Suchtkranke sollte gestern Vormittag der Gastank ausgebuddelt werden, das Heim hat nämlich von Propangas auf Holzschnitzel umgestellt. Der Baggerfahrer war für gestern Morgen bestellt worden, ein Luxemburger Fachmann, der mit seiner Firma eine Zweigstelle in Deutschland hat, war beauftragt worden, die Leitung fachgerecht abzustellen und abzuklemmen. Als der Luxemburger in der Nacht zu gestern in Krainhagen eintraf, hat er sich gegen 2 Uhr die Leitungen angeschaut - und gemerkt, dass noch Gas im Tank ist. Damit hätte der Tank nicht ausgebuddelt werden können. Der "Fachmann" öffnete das Ventil, damit das Gas entweichen konnte. Gestern Vormittag, um 10.36 Uhr, als die wegen des Gasgeruchs von Anwohnern alarmierte Polizei eintraf, zischte das Gas noch immer laut vernehmlich. Die Polizei drehte das Ventil zu und informierte die Feuerwehr. Das Problem, so erklärte es gestern Nachmittag die Polizei, sei dies: Propangas ist ein schweres Gas, es legt sich auf den Boden. Und da gestern Morgen eher Windstille herrschte, wusste niemand, wo das Gas noch stand. Eine Einschätzung, die später unterstrichen wurde: Als der Schacht zum Tank geöffnet wurde, rochen die Mitglieder der Feuerwehr noch immer Gas - es stand entweder im Schacht oder hatte sich ins Erdreich verkrochen. Sorgen machte der Polizei die nicht einzuschätzende Menge des ausgetretenen Gases. Ein Polizeibeamter machte folgende Rechnung auf: Wenn elf Liter aus einer normalen Propangasflasche entweichen würden, so dauere dies rund anderthalb Stunden. Wenn das Gas von 2 Uhr nachts bis 10.36 Uhr morgens ausgetreten sei, dann könne man sicherlich voneiner größeren Menge ausgehen. Wie die Messgeräte der Feuerwehr angezeigt hätten, habe das Gas acht Prozent unter der Explosionsgrenze gelegen, erklärte die Polizei. Soll heißen: Das war wohl verdammt knapp. Der Baggerfahrer war zu diesem Zeitpunkt längst nach Hause gefahren. Er hatte einen guten Grund, informierte die Polizei gestern: Ihm zischte es zu bedrohlich. Und der Luxemburger wird jetzt Post von der Staatsanwaltschaft erhalten. Er hat fahrlässig gehandelt und billigend in Kauf genommen, dass Menschen etwas passieren kann. Er hatübrigens die ganze Nacht gut geschlafen.

Der Eingang zum Tank.



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