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Der Mindener Rapper Trauma veröffentlicht mit „Alles muss raus“ ein neues Album – kostenlos

Suche nach Sinn und Refugien

Minden. Was wie Ausverkauf aussieht, ist in Wirklichkeit ein Geschenk. Bei den Mindener Rap-Musikern „Stress & Trauma“ muss alles raus. Für umme. Rund ein Jahr nach ihrem Album „Big Minden 3“ (wir berichteten) und dem kostenlosen Download-Release „Fragmente“ lassen Stress & Trauma jetzt mit der Solo-Veröffentlichung „Alles muss raus“ von David Stoebel alias Trauma alles alte Material restlos hinter sich, um ihren Fokus voll aufs Hier und Jetzt zu richten. Mit diesem kostenlosen Album ende die „alte Ära von Stress & Trauma“, schreibt Trauma auf der Facebookseite des Duos, mit jedem folgenden Song werde „Neuland“ betreten. Bis es so weit ist, bietet das 25 Song starke Soloalbum ein kurzweiliges Hörvergnügen.

veröffentlicht am 08.05.2014 um 14:57 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:18 Uhr

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Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite

Trauma selbst setzt in den Liner Notes die Messlatte für sein Album auffallend niedrig. „Wenn dich wenigstens ein Song berührt, habe ich mein Ziel erreicht.“ Die Chancen, dieses Ziel zu erreichen, stehen bei 25 Tracks natürlich nicht schlecht. Dazu kommt, dass der eingängig soulvolle Sound der Platte im Verbund mit Traumas markanter Stimme den geneigten Hörer leicht bei der Stange hält.

Am besten funktioniert diese Kombination dann, wenn Trauma konkrete Geschichten erzählt oder aus dem eigenen Nähkästchen plaudert. Beispielhaft ist etwa „Ave Maria, Eva Maria“, eine schöne Hommage an seine verstorbene Großmutter: „Wir erwecken dich mit jeder Anekdote neu zum Leben.“ Oder das zumindest musikalisch höchst versöhnlich stimmende „Brauch ich dich“, eine Auseinandersetzung mit Traumas Vater, der seine Mutter und ihn schon früh anscheinend für immer verließ. Ein Thema, das auch in dem von „Fragmente“ bekannten Track „Buch“ als Remix noch mal auftaucht, in dem Trauma die am eigenen Leib erlebten Vor- und Nachteile des Alleinseins schildert: „Ich les ’n Buch, wenn ich alleine bin, und es geht mir gut, wenn ich alleine bin.“

In anderen Tracks guckt der hauptberuflich als Grundschullehrer arbeitende Trauma über den eigenen Tellerrand hinaus. Die Suche nach Sinn und Refugien sind dabei die dominierenden Themen. Wenn etwa in dem ausgesprochen smoothen „Instrument“ schicksalsgebeutelte Kinder und Jugendliche tatsächlichen Halt in der Musik finden oder aber in „Kein Sinn“ (mit Stress) nur vermeintlichen in Religion, Kriminalität, Sex oder Drogen: „Wenn du glaubst, es ist gut, ist es manchmal schlecht.“

Die weniger starken Momente sind die Songs, in denen Trauma allzu abstrakt bleibt („Vergebung“) oder sich in kitschigen Allgemeinplätzen verliert („Die Sonne bleibt da“). Davon abgesehen ist bekanntlich schon ein einziger Rap-Track über Rap schnell einer zu viel. Auf „Alles muss raus“ befinden sich gefühlt jedoch mindestens drei dieser Art.

Dann doch lieber schlicht in die Fresse, wie in dem Weser-All-Stars-Track „W.A.S. (Du weißt, wer es ist)“ mit den alten Mindener Kompagnons Curse, Italo Reno und Germany oder wie in „La, la, la“: „Das ist Minden, Baby, beste Gegend, beste Rapper, beste City, City“.

Produziert wurden ein paar der Stücke übrigens noch von dem vor zwei Jahren viel zu früh verstorbenen Pianisten Patrick Ahrend. Mit „Alles muss raus“ setzt Trauma Ahrend nicht nur ein weiteres Denkmal, sondern auch der alten Ära von Stress & Trauma ein Ende – und macht neugierig auf die neue Ära. pk

Hinweis: „Alles muss raus“ ist als kostenloser Download auf der Website www.stress undtrauma.de erhältlich.




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