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„Öok dat noch!“ – Brigitte Wehrhahn teilt im Hofcafé aus

Süntelplatt-Humor kommt an

Auhagen (jpw). Brigitte Wehrhahn hat im Auhäger Hofcafé mit ihrem Programm „Öok dat noch!“ kräftig ausgeteilt. Die Besucher zeigten sich keineswegs bedient, sondern begeistert von dem, was die Kleinkünstlerin mit derbem Wortwitz auf Platt servierte.

veröffentlicht am 02.02.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 10:22 Uhr

Im „Ganzkörperkondom“, im weißen Bakterien-Schutzanzug mit Regenschirm bewaffnet, betritt Brigitte Wehrhahn die kleine Bühne im Auhäger Hofcafé. „Sie sitzen hier einfach so entspannt rum“, geht die Kleinkünstlerin ihr fast durchweg ältereres Publikum an, „man muss sich doch schützen.“

Natürlich sagt sie das auf Plattdeutsch, erzählt über „Swinegrippe, Vogelgrippe und BSE“, erläutert die Symptome, dass Männern Ringelschwänzchen wachsen würden oder – im anderen Fall – ein „Japp nach Jod-S-11-Körnchen“ die Infektion verrate.

Unter Wehrhahns Kapuze lugt bereits die rote Schleife hervor, der lila Kittel und die rote Bluse zeichnen sich unter dem Anzug ab. Sie steigt kurz aus der textilen Seuchenvorbeugung aus, setzt sich an den Küchentisch – und teilt kabarettreif aus. Von diversen „Dienstwagen-Affären“ über die CDU-Spendenaffäre, die mit der Rückkehr von „wie heißt er noch?“ - Schreiber – wieder so „heiß“ sei, dass Schäuble sich fühle, als säße er nicht im Rollstuhl, sondern im Feuerstuhl. Die Auswahl ist groß, von „Pinoccio Blüm“ bis hin zum kleinen „gallischen Zwerghahn Sarkozy“.

„Politisch korrekt“ ist Wehrhahn dabei selten, oft von final-derben Pointen begleitet, die nur das heimelige Platt davor bewahrt, weit unter der Gürtellinie zu landen.

Das Publikum fand den frühen Abend im Süntelplatt durchweg vergnüglich, folgte Wehrhahn gerne zu einem Besuch im Erotik-Laden in Hameln, oder auch zu dem, was „Otto“ in seinem Dorf erlebte. Auch die Fürsorge für einige Herrn im Publikum, die sie erst abhorchte und an die sie kleine Pillen verteilte („Waren es dann doch die Blauen?“) riss immer wieder zu Lachern hin.

Und immer wieder zwischendurch auf Platt die Frage: „Sie verstehen mich doch?“ mit dem Angebot, notfalls simultan zu übersetzen. Offenbar nicht notwendig; ihre schonungslose und gnadenlose, meist treffsichere Dosis Humor aus dem Sünteltal ist auch in der Seeprovinz angekommen.

Fürsorge für die älteren Herrn: Brigitte Wehrhahn ist mit guten Ratschlägen und tatkräftiger Hilfe im Publikum unterwegs.

Foto: jpw