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Vor Gericht: Auftakt zum Prozess gegen mutmaßliche fünffache Tankstellenräuber (24 und 21) von Lauenau

Tankstellen beraubt – mit Beute ab in den Skiurlaub

Lauenau/Bückeburg (ly). Nach fünf Tankstellenüberfällen, drei davon auf den Autohof in Lauenau, hat der Prozess gegen die zwei mutmaßlichen Täter begonnen. Welche Strafen beide vor dem Bückeburger Landgericht zu erwarten haben, zeichnet sich bereits ab.

veröffentlicht am 10.08.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 01:42 Uhr

Im Gegenzug für Geständnisse hat die 1. Große Jugendkammer einem Angeklagten (24) maximal fünf Jahre Haft in Aussicht gestellt, dem jüngeren Mann (21) höchstens vier. Beide gingen auf das Angebot ein. Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig legt ihnen schweren Raub zur Last.

Außer dem Autohof hatten die Räuber zweimal eine Total-Tankstelle in Bantorf überfallen. In einem der fünf Fälle hat die Kammer das Verfahren gestern eingestellt, weil eine Verurteilung kaum weiter ins Gewicht fallen würde. Begonnen hatte die Serie in den frühen Morgenstunden des Silvestertages 2010, bevor sie nur elf Tage später endete. Die Beute: unterm Strich knapp 2600 Euro.

Als Motiv nannte ein Angeklagter Schulden, während der zweite erklärte, es sei „am Anfang Spaß“ gewesen. Man habe sich gegenseitig angestachelt. „Ich hätte niemals ‚Ja‘ sagen dürfen. Es war dumm und naiv.“ Die Männer kommen aus Lauenau und Bad Nenndorf.

Bei den Taten, stets mitten in der Nacht, wurde das jeweilige Kassenpersonal mit einer nicht geladenen Langwaffe bedroht. Nur in einem Fall ging das Duo zusammen in die Tankstelle, meistens wartete der Komplize am oder im Auto.

Einmal zeigte sich ein Angestellter in Bantorf nicht sonderlich beeindruckt. „Söhnchen, kannst Du Dir keine vernünftige Waffe besorgen?“, fragte der Mann hinterm Tresen den maskierten Räuber. Mehr noch, laut Anklageschrift kündigte er an: „Gleich kriegst Du auf die Schnauze und zwei blaue Augen.“ Der Täter machte daraufhin einen Rückzieher. „Ich hatte Angst, dass der Tankwart ebenfalls bewaffnet ist“, erklärte dieser Angeklagte (24) gestern vor Gericht. „Mit einer ungeladenen Waffe hätte ich da nicht gerade gut ausgesehen.“

Der 24-Jährige befand sich damals „in einer finanziell misslichen Lage“, wie er selbst sagt. Eigenen Angaben zufolge hatte der Nenndorfer den Eltern und seiner Freundin vorgelogen, Arbeit zu haben. Zudem drückten Schulden, und auch ein Winterurlaub stand vor der Tür. „Ich wusste nicht mehr weiter.“ Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen raubte er daher die Tankstelle auf dem Autohof in Lauenau aus, wobei ein Kunde beide Überfälle miterleben musste. Wenige Stunden nach dem Überfall fuhr der Räuber mit frischem Geld zum Skifahren.

Anfangs will er mit legalen Mitteln versucht haben, auf einen grünen Zweig zu kommen. Weil der Nenndorfer jedoch keinen Schulabschluss hat, blieb die Suche nach einer Lehrstelle erfolglos. Der jüngere Täter will quasi ohne Motiv mitgemacht haben. „Ich brauchte das Geld nicht“, versicherte er. „Ich hatte alles: Auto, Freundin, Gehalt.“

Noch am Tag des fünften und letzten Überfalls waren beide Räuber festgenommen worden. Videos aus der Überwachungskamera hatten sich als hilfreich erweisen. Die Waffe ist angeblich verschwunden.

Ursprünglich hatte die Vorsitzende Richterin Birgit Brüninghaus 33 Zeugen geladen. Nach den Geständnissen kann das Gericht nun auf einen Teil davon verzichten. Der Prozess wird fortgesetzt.




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