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"Der zerbrochene Krug" als Freiluft-Theater / Viel Beifall für Schaumburger Bühne

"Tatort" Bückeburg: Schlawiner und Schlitzohren im Schlosspark

Bückeburg. Ein echtes Highlight unter freiem Himmel haben am Wochenende die Mitglieder der Schaumburger Bühne geboten: Mit einer blau-weiss-roten Version von Kleists "Der Zerbrochene Krug" begeisterten sie trotz des schlechten Wetters.

veröffentlicht am 07.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:22 Uhr

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Zahlreiche Gäste waren gekommen, um sich den kulturellen Leckerbissen nicht entgehen zu lassen. Neben dem Park-Cafe stand eine Bühne, die von den Laien-Schauspielern in Heimarbeit hergestellt worden war. "Wir haben sogar den Ofen selbst gebastelt", so Markus Bandow, Mitglied des KVHS-Kurses. Komplett überarbeitet wurde auch der Text des "Volksstücks". Ziel dabei: einen Bezug zum Spielort, in diesem Fall Bückeburg, herzustellen. Dementsprechend hatten die Schauspieler die Kostüme ausgesucht, was von einigen Besuchern sofort bemerkt wurde. "Solche Schürzen haben wir früher selbst getragen", meinte eine ältere Dame. Ein weiteres schönes Detail: Statt eines Theatervorhangs flatterten Laken von einer Wäscheleine. Diese wurden von den Mägden - wunderbar dösig gespielt von Lena Marie Hahn und Betina Handelsmann - zu Beginn abgenommen. Schnell wurde deutlich, dass mit Regisseur Jürgen Morche der schlitzohrige Richter Adam richtig besetzt war. Morches Ausdruckskraft, seine Präsenz auf der Bühne - all das ließ den bauernschlauen Dorf-Potentaten lebendig werden. Morche spielte ihn als einen Schlawiner, der ein Zipfelchen der Macht in Händen hält und gewillt ist, diese auszunutzen. Bei einem Besuch im Garten von Eve Rull - schön emotional: Claudia Quintern - versucht er diese mit einer Erpressung gefügig zu machen. Ihr Verlobter Ruprecht Tümpel ist ein richtiger Bauernbursche: Stefan Diekmann sieht beide, schlägt zu und verwundet den Richter. Diese Wundmale sowie sein Klumpfuß überführen den Richter letzten Endes. Zunächst einmal aber wird die Ankunft des Gerichtsrats Walter vermeldet: "In Haste ist er schon gesehen worden," so der herrlich preußische Schreiber Licht (Guido Hartmann). Adam ist geschockt: Zum einen ist seine Amtsführung nicht die beste, zum anderen hat er sich strafbar gemacht. Deshalb versucht er, die Gerichtsverhandlung zu boykottieren. Walter, in seiner Amtshaftigkeit kongenial dargestellt von Christian Cramer, muss den Richter förmlich ins Gericht schleifen. Eins wird ihm klar: der Dorfrichter nimmt es mit den Regularien nicht wirklich genau. "Soll ich den Prozess halten nach den gesetzlichen Formalitäten oder so wie er in Bückeburg üblich ist?" fragt Adam den Gerichtsrat, der nur mit dem Kopf schüttelt. Eves Mutter Marthe Rull -überzeugend unbeirrbar: Beate Heinz - kommt mit einem zerschlagenen Krug in die Verhandlung und will den "Krugzertrümmerer" zur Rechenschaft ziehen. Dabei geht es ihr um die verlorene Ehre ihrer Tochter. "Auf dem Grunde des Krugs lag dein guter Name", schimpft sie und zieht Eve an den Haaren hoch. Nach einigen Wendungen in diesem verwickelten Fall - großartig: Dieter Janson als Bauer Veit Tümpel, Ruprechts verwirrter und versoffener Vater - wird doch alles gut. "Der Hahn ist tot", singt Schreiber Licht nach der Zeugenaussage von Frau Brigitte (Andrea Bastert), die den Richter zur Flucht zwingt. Insgesamt eine sehr gelungene Inszenierung der Schaumburger Bühne, für die die Schauspieler zu Recht viel Beifall erhielten.




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