weather-image
21°
×

Staatssekretär Kues: Kernbedürfnisse Demenzerkrankter gleichen denen anderer älterer Menschen

Thema „Demenz“ aus der Ecke in die Öffentlichkeit holen

Bückeburg (bus). Informationsvermittlung, das Initiieren von Kooperationsprojekten und die Unterstützung betroffener Familien hat Dr. Hermann Kues als wesentliche Tätigkeitsfelder bezeichnet, auf denen Politiker zum Thema „Alter und Demenz“ Aktivitäten an den Tag legen können. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, der das Thema auf Einladung der Bückeburger Senioren-Union im Restaurant „Altes Forsthaus“ behandelte, sprach sich zugleich aber auch für privates Engagement aus. „Ich glaube, dass man eine ganze Menge selbst tun kann.“

veröffentlicht am 02.11.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 16:41 Uhr

Er habe ohnehin Schwierigkeiten mit der Verwendung des Begriffs „die Politik“, sagte der politische Stellvertreter von Ministerin Dr. Kristina Schröder. „Die Politik“ könne nicht alles anordnen, „die Politik das sind wir alle.“

Generell sei es wichtig, das Thema „Demenz“, über das man nicht gerne spreche, „aus der Ecke herauszuholen und öffentlich zu diskutieren“. Aktuell leben nach Angaben des Staatssekretärs in der Bundesrepublik 1,2 Millionen Demenzkranke. Die Zahl könne, sofern hinsichtlich Vorbeugung und Therapie kein Durchbruch gelinge, bei einem geschätzten Zuwachs von 250 000 pro Jahr bald wesentlich größere Dimensionen erreichen. Zumal immer mehr Menschen ein immer höheres Alter erreichten. Kues: „Seit 2006 haben wir mehr Über-65-Jährige als Unter-20-Jährige; in zehn bis 15 Jahren werden jährlich eine Million Frauen und Männer in Rente gehen; bis 2050 wird sich die Zahl der Über-80-Jährigen verdoppeln.“

Der Abgeordnete berichtete über das in diesem Jahr abgeschlossene Projekt „Hilfe für allein lebende Demenzkranke“ (ein Viertel der Erkrankten lebt allein zu Hause), das Alltag, Sorgen, Ängste und Wünsche der Betroffenen erforschte. Der Untersuchung zufolge unterscheiden sich die Kernbedürfnisse der Befragten kaum von denen anderer älterer Menschen – möglichst lange in der eigenen Wohnung im gewohnten Umfeld bleiben, Selbstständigkeit behalten, am normalen Leben teilhaben, in Kontakt mit anderen bleiben, verbliebene Fähigkeiten einsetzen können, Sicherheit vor Einbruch und Stürzen (auch mit Blick auf Medikamente und Haushaltstechnik) haben, mehr Verständnis und Akzeptanz für die Krankheit erreichen.

Angesichts der Bedürfnisübereinstimmung lenkte der Referent ein wenig von der „mit Angst und Scham einhergehenden Erkrankung“ ab und betonte, dass „Alter nicht zwangsläufig mit Krankheit und Siechtum verbunden“ sei. „Im Gegenteil muss man sagen, dass die Älteren noch nie so fit und so gesund und letztlich auch so einsatzfreudig gewesen sind wie in der heutigen Zeit.“ Es müsse mehr darüber gesprochen werden, was diese zu leisten imstande seien, und nicht darüber, was sie nicht könnten, merkte der Diplomvolkswirt an. Rund 30 Prozent der mehr als 60 Jahre alten Deutschen gingen einer ehrenamtlichen Tätigkeit nach. Kues: „Wir müssen uns darauf einstellen und daran arbeiten, dass wir in Deutschland zu einer Gesellschaft des langen Lebens werden, wo man gerne alt wird, wo man Spaß hat, alt zu werden und wo Alter einen Sinn macht.“




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige