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Erneute Altkleidersammlung in Nebenstraßen / Mann am Telefon gibt keine Auskunft / Katzenfänger unterwegs?

Tierschutz: „Lieber einmal zu viel aufmerksam sein“

Bückeburg. Erst kürzlich berichtete unsere Zeitung über eine Altkleidersammlung im Bückeburger Stadtgebiet und über die Befürchtungen von Tierschützern und Haustierbesitzern, im Zuge solcher Sammlungen könnten Tierfänger auf Katzendiebstahl gehen. Seit vergangenem Wochenende sind schon wieder die für diese Sammlungen charakteristischen Plastikwäschekörbe nicht nur in einigen Bückeburger Straßen aufgetaucht, sondern auch in Rinteln. Zwei Altkleidersammlungen innerhalb so weniger Tage? Da mögen selbst gutwillige Zeitgenossen erstaunt die Augenbrauen hochziehen.

veröffentlicht am 24.08.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 20:41 Uhr

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Und erneut genau das gleiche Spiel: Wieder erscheinen die Wäschekörbe nicht im gesamten Stadtgebiet, sondern nur in einigen sehr ruhigen, wenig befahrenen Nebenstraßen wie beispielsweise der Dresdener Straße, der Weimarer Straße, der Magdeburger Straße, der Plettenbergstraße oder auf der anderen Seite der Georgstraße in Park-, Goethe- oder Doanliesstraße. Und wie erstaunlich: Es sind ziemlich genau die gleichen Nebenstraßen wie bei der letzten Sammlung. Nichts hingegen zu sehen von auch nur einem einzigen blauen Wäschekorb in größeren Durchgangs- oder Ausfallstraßen wie beispielsweise der Georgstraße, der Rintelner Straße oder der Steinberger Straße.

Wieder liegt den Wäschekörben ein Info-Zettel bei, der nur sehr vage darüber informiert, was mit den einzusammelnden Kleidungsstücken geschehen soll. Als verantwortliche Firma wird diesmal ein Unternehmen namens SAS Sammelbüro aus Bad Münder genannt. Wieder fehlt eine vollständige Firmenadresse. Es wird nur auf eine weitere Firma namens Bartnik verwiesen, ebenfalls ohne jegliche Adressangabe, sowie eine Service-Telefonnummer genannt.

Aber etwas ist anders als bei der letzten Sammlung: Diesmal meldet sich unter der auf den Zetteln angegebenen Nummer keine Mobilbox, sondern tatsächlich ein lebender Mensch. Diese männliche Person, in deren Hintergrund während des Telefonats laute Musik zu vernehmen ist, möchte zwar ihren Namen nicht nennen, bestätigt aber, für die Bad Münderaner Firma SAS zum Telefon gegriffen zu haben. Frage an den namenlosen Telefonisten: Weshalb denn innerhalb von so kurzer Zeit gleich zwei Altkleidersammlungen in Bückeburg stattfänden? Hat man von der anderen vor zwei Wochen nichts gewusst? Doch, doch, die sei durchaus bekannt gewesen, so die spontane Antwort, aber: „Das war eine andere Firma.“

Aber warum dann diese zweite Sammlung? Rechnet man sich denn dabei noch realistische Mengen an Altkleidern aus? Eine Antwort möchte der Mann am Telefon nicht geben. Das wisse er nicht, er sei nur für das Telefon zuständig.

Nächste Frage: Warum werden die Wäschekörbe nur in ruhigen Nebenstraßen verteilt und noch dazu in exakt den gleichen wie vor zwei Wochen? Warum an keiner Haupt-, Durchgangs- oder Ausfallstraße? Haben die Leute, die dort wohnen, etwa keine Altkleider und keine Altschuhe? Auch dazu kann oder möchte der Mann am anderen Ende der Leitung sich nicht äußern. „Ich bin nur für das Telefon da.“ Wer könnte das denn dann beantworten? Auch diese Frage bleibt er schuldig: „Ich bin hier nur zum Telefonieren.“ Letzte Frage: Ob es erlaubt sei, ihn mit diesen Aussagen zu zitieren. Knappe Antwort: „Machen Sie, was Sie wollen!“

Zweifel sind also durchaus angebracht, ob bei diesen Altkleidersammlungen alles wirklich mit rechten Dingen zugeht. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Bückeburg-Rinteln, Monika Hachmeister, bleibt daher auch dabei, grundsätzlich zur Vorsicht zu raten, wenn irgendwo Wäschekörbe auf Bürgersteigen oder in Vorgärten auftauchen: „Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig aufmerksam sein“, empfiehlt die Vereinsvorsitzende. Im Zweifelsfalle sei es immer sicherer, seine Tiere im Haus zu behalten, bis die Wäschekörbe wieder verschwunden seien.

Aber was ist denn nun wirklich dran an der Geschichte von den Tierfängern, die als Altkleidersammler getarnt auf Katzenklau gehen? Gibt es sie wirklich, wie auf zahllosen Internetseiten und in Internetforen behauptet wird? Nein, sagen der Deutsche Tierschutzbund und das Haustierregister Tasso und begründen dieses zum einen damit, dass es viel billiger und zudem weniger riskant ist, Katzen für Tierversuche oder die Pelzindustrie aus dem Ausland zu importieren. Und zum Zweiten damit, dass angeblich noch nie ein solcher organisierter Tierklau aufgedeckt worden ist.

Hier irren der Deutsche Tierschutzbund und Tasso allerdings: Bereits am 4. März 1999 berichtete das ARD-Fernsehmagazin „Panorama“ in einem Beitrag, der noch heute im vollen Wortlaut im Internet nachzulesen ist, über den Diebstahl von Katzen, deren Felle zu Rheumadecken verarbeitet werden, zeigten Polizeifotos gehäuteter Katzen und interviewten dabei sogar einen der Täter: „Zack bum, Schlinge um den Hals, ins Auto mit der Katze und weg. Leichter geht’s doch gar nicht“, wird der interviewte Tierfänger dabei von „Panorama“ zitiert.

Wäschekörbe wie dieser sind seit letztem Wochenende in Bückeburg aufgetaucht. Foto: jp




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