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Flugzeugabsturz und Tod des letzten regierenden schaumburg-lippischen Fürsten Adolf vor 75 Jahren

Tod am Popocatépetl

Der Tag des Todes ist besser als der Tag der Geburt“ – so eine der Inschriften in der Kuppelhalle des Bückeburger Mausoleums. Und daneben steht der Satz „Wachet denn ihr wisset nicht welche Stunde Euer Herr kommen wird“. Ausgesucht hat die Bibelverse der letzte regierende schaumburg-lippische Fürst Adolf II. Fast scheint es, als habe der Erbauer der größten Familiengruft Europas eine rätselhafte Nähe und eine schicksalhafte Vorahnung von Tod und Untergang verspürt. Kurz nach der Fertigstellung des monumentalen Bauwerks musste Adolf dem Thron entsagen. Und am 26. März 1936, also vor 75 Jahren, kam der Spross einer der reichsten Familien Europas bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Die Aufbahrung und Beisetzung in „seinem“ Mausoleum war von Trauer, Anteilnahme, Streit und Gerüchten begleitet – Anlass genug, um dem ungewöhnlichen und skandalumwitterten Leben des letzten heimischen Feudalherrn zwei Folgebeiträge zu widmen. Lesen Sie heute Teil I: „Tod am Popocatépetl“.

veröffentlicht am 30.04.2011 um 00:00 Uhr

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Autor:

Wilhelm Gerntrup

„Bisher größte Flugzeugkatastrophe in Mexiko“ meldeten am späten Nachmittag des 26. März 1936 die internationalen Presseagenturen. Wenige Stunden zuvor war südlich von Mexiko City eine dreimotorige Ford-Chartermaschine der Pan American Airways abgestürzt. Tags darauf wurden die heimischen Zeitungsleser gewahr, dass dabei auch Ex-Fürst Adolf II., Chef des Hauses Schaumburg-Lippe, und dessen Ehefrau Elisabeth ums Leben gekommen waren. Nach und nach wurden Einzelheiten bekannt. Danach war das illustre Paar einige Wochen zuvor zu einer Schiffsreise in Richtung Mittelamerika gestartet. Auf den Decks und in den Salons des Hapag-Dampfers „Iberia“ tummelten sich hauptsächlich Angehörige des europäischen Geld- und Blutsadels. Von Mexiko City aus unternahm eine zehnköpfige Gruppe – acht Deutsche, ein Österreicher und ein Ungar – einen Flugzeug-Abstecher in Richtung Guatemala. Eine dreiviertel Stunde nach dem Start kam es in der unzugänglichen Gebirgsregion zwischen den beiden Vulkanen Popocatépetl und Ixtaccihuatl zur Katastrophe. Das Flugzeug stürzte aus rund 4000 Metern Höhe ab. Ursache und Hergang konnten nie eindeutig aufgeklärt werden. Einheimische Augenzeugen wollten unregelmäßige Motorengeräusche und verzweifelte Wendemanöver der Propellermaschine gesehen haben. Beim Aufprall explodierten die Treibstofftanks und verwandelten das Wrack in einen riesigen Feuerball. Die Passagiere und die vier Besatzungsmitglieder hatten keine Chance. Die meisten der einige Stunden später von den Suchtrupps aufgefundenen Leichenteile waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.

Die Aschenreste des fürstlichen Paares wurden mit der „Iberia“ zurück nach Hamburg und von dort per Kfz nach Bückeburg überführt. Je näher der Konvoi auf die Landeshauptstadt zufuhr, desto mehr Leute standen am Straßenrand. Am 3. Mai 1936 wurde Adolf zusammen mit Elisabeth in „seinem“ Mausoleum zur letzten Ruhe gebettet. In und vor dem Gebäude hatten sich zahlreiche Menschen versammelt. Trauerredner erinnerten an Leben und Wirken des Verstorbenen: Adolf war 1883 in Stadthagen geboren worden, hatte nach dem Abitur Jura studiert und anschließend eine (für Prinzen damals obligatorische) militärische Ausbildung durchlaufen. Ende April 1911 erreichte ihn die Nachricht vom Tode seines Vaters Fürst Georg, der das kleine Territorium 18 Jahre lang souverän und patriarchalisch regiert hatte.

Der „Neue“ im Bückeburger Schloss war aus anderem Holz als sein populärer Vorgänger geschnitzt. Adolf wirkte steif und distanziert. Leutselige und unkomplizierte Begegnungen und Gespräche lagen ihm nicht. Besonders irritiert waren die Landeskinder und der Hofstaat angesichts der Tatsache, dass der 29-Jährige bis dato keinerlei Interesse am weiblichen Geschlecht gezeigt hatte. Das zuvor glanzvolle höfische Treiben kühlte sich – nicht nur wegen der bereits wenige Jahre später einsetzenden Kriegsereignisse – merklich ab.

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Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges folgte Adolf dem Beispiel anderer Landesherren und meldete sich zum Fronteinsatz. Ende 1917 kehrte er ins Bückeburger Schloss zurück. Bereits ein Jahr später, am 15. November 1918 musste er – unter dem Druck der sich überschlagenden militärischen und politischen Ereignisse – seinen Thronverzicht erklären. Die 270-jährige Herrschaft des Hauses Schaumburg-Lippe war zu Ende. Wenig später wurde ein neuer, demokratischer „Freistaat Schaumburg-Lippe“ ausgerufen.

Der politische Umsturz bedeutete auch das Ende des feudalherrschaftlichen Erbfolgesystems. Die sechs jüngeren Geschwister Adolfs drängten auf eine Neuaufteilung des millionenschweren Familienvermögens. Mit wachsender Sorge hatten sie die „Großzügigkeit“ des Familienoberhaupts beim Geldausgeben beobachtet. Besonders schrill begannen die Alarmglocken zu schrillen, als Adolf Anfang 1920 seine Vermählung mit einer gut zehn Jahre jüngeren Dame namens Elisabeth Bischof-Korthaus ankündigte. Der Braut eilte ein nicht gerade schmeichelhafter Ruf voraus. Tatsächlich verzockte das Paar später Unsummen in Monte Carlo. Doch darüber in einem späteren Beitrag mehr.

Quellenhinweis: Wer mehr über das ungewöhnliche Leben des Fürsten Adolf vor und nach der Abdankung 1918 und die kunst- und kulturgeschichtliche Bedeutung „seines“ Mausoleums erfahren möchte, dem sei das vom Verfasser dieses Beitrags im letzten Jahr veröffentlichte kleine Buch „Das Mausoleum im Schlosspark“ empfohlen. Die reich bebilderte Broschüre (56 Seiten, 9,80 Euro, ISBN 978-3-87536-284-8) ist im Buchhandel, im Bückeburger Schloss und im fürstlichen Mausoleum (Öffnungszeiten Di–Fr 11 bis 17 Uhr, Sa–So 10 bis 18 Uhr) erhältlich.




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