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Amnesty International informiert über Hinrichtungen in den USA, in China und im Iran

Todesstrafe Thema in der Fußgängerzone

Bückeburg (bus). Drei Männern, die ihr Leben seit insgesamt 63 Jahren in der Todeszelle fristen, hat die besondere Aufmerksamkeit der aktuellen Straßenaktion der Gruppe Schaumburg von Amnesty International (AI) gegolten. Die Schicksale von Reginald Clemons, Romell Broom und Troy Davis stießen in der Bückeburger Fußgängerzone auf reges Interesse. Gleichzeitig nahmen die AI-Mitglieder den „Internationalen Tag gegen die Todesstrafe“ zum Anlass darauf hinzuweisen, dass die Todesstrafe in 93 Staaten bis auf den heutigen Tag gesetzlich verankert ist.

veröffentlicht am 14.10.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 19:21 Uhr

Der Fall Clemons (seit 19 Jahren in der Todeszelle) wird von AI als „in vielen Aspekten typisch für die Unzulänglichkeiten im US-amerikanischen Todesstrafensystem“ beschrieben. Der zuständige Staatsanwalt Nels Moss habe die Strafsache des Afroamerikaners auf äußerst aggressive und fragwürdige Weise verfolgt. Zudem sei die Auswahl der Geschworenen unangemessen gewesen. Amnesty: „Obgleich in der Heimat von Clemons fast 50 Prozent der Bevölkerung schwarzer Hautfarbe ist, waren nur zwei der zwölf Gefangenen Schwarze.“

In der Causa Broom (seit 25 Jahren in der Todeszelle) berichtet Amnesty International von einer Klageschrift, mit der dessen Anwälte erreichen wollen, dass der Bundesstaat Ohio nicht mehr versuchen darf, ihn „mit denselben fehlerhaften und verfassungswidrigen Methoden und Protokollen wie am 15. September hinzurichten“. An diesem Tag hatte im vergangenen Jahr das Gefängnispersonal eine Stunde lang vergeblich versucht, Broom mithilfe einer Giftspritze ins Jenseits zu befördern. „Bei dieser Hinrichtung lief etwas ganz und gar schief“, schilderte eine als Zeugin zugelassene Anwältin. Broom habe sich „vor Schmerzen gekrümmt“, als die Gefängnismitarbeiter ihn nach unten drückten und versuchten, eine Vene zu finden.

Bei Davis (seit 19 Jahren in der Todeszelle) meldet AI erhebliche Zweifel an dessen Schuld an. Bis heute könnten die Behörden keine Tatwaffe vorweisen oder Beweise dafür finden, dass Davis den ihm zur Last gelegten Mord begangen habe. Sieben der neun Hauptzeugen hätten ihre in eidesstattlichen Erklärungen abgegebenen belastenden Aussagen inzwischen widerrufen. Einige Prozessbeteiligte vermuteten in dem Kronzeugen den eigentlichen Täter.

Naturgemäß war am Stand auch die im Verlauf der Aktion erfolgte Bekanntgabe des Friedensnobelpreisträgers 2010 ein Thema. Mit dem chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo habe das Osloer Preiskomitee eine mutige Entscheidung getroffen, die sehr zu begrüßen sei, gab Christel Wieding die Meinung der Gruppe wieder. Die Verständigung auf Xiaobo zeige, dass „nicht nur wirtschaftliche Macht zählt“. China zählte, wie die USA und der Iran, zu den Informationsschwerpunkten der fünften von den Mitgliedern in diesem Jahr organisierten Aktivität. Die Veranstalter äußerten sich sehr zufrieden über die Resonanz. Zahlreiche Passanten hätten sich in Petitionslisten für Clemons, Broom und Davis eingetragen.




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