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Jugendhof Gotteshütte feiert 160. Geburtstag mit rund 1000 Gästen

Trainingswohnen und Hip Hop

Kleinenbremen. Der Jugendhof Gotteshütte hat 160. Geburtstag gefeiert. Genau halb so alt ist eine Dame, die dort als Kind gelebt hat, mit sieben Jahren umzog und jetzt beim Jubiläum zu Gast war. „Die Verbundenheit mit den Ehemaligen ist groß“, stellt Heimleiter Marco Leopold fest. Rund 1000 Besucher feierten nach seiner Schätzung am Wochenende mit. Sie erlebten ein Programm, das keine Langeweile aufkommen ließ.

veröffentlicht am 25.09.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 11:21 Uhr

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Für Bürgermeister Stephan Böhme ist die evangelische Stiftung Gotteshütte der bedeutendste Träger der Jugendhilfe in Porta Westfalica, wie er am Freitag während einer Fachtagung betonte. Besonders hob Böhme ein gemeinsames Projekt des Jugendhofs mit dem städtischen Jugendamt hervor. Es geht um Rückführung. Vor einer Heimunterbringung wird den Familien ausreichende Unterstützung angeboten.

„Trainingswohnen“ gehört ebenfalls zu den jüngeren Projekten. Ganze Familien ziehen vorübergehend auf das Gelände der Gotteshütte, wo drei Wohnungen zur Verfügung stehen. Verhaltenstrainung kann die Lösung sein, wenn Familien eine Herausnahme der Kinder droht. In der Gotteshütte helfen dann Profis, zum Beispiel Sozialpädagogen, Erzieher und verschiedene Therapeuten. Bisher haben 20 Familien den Neustart gewagt, die meisten mit Erfolg. „Etwa 80 Prozent sind zusammengeblieben“, erklärt die stellvertretende Heimleiterin, Britta Obernolte. „Rund 20 Prozent haben sich bewusst für eine Trennung entschieden.“ Die Kinder kommen dann zunächst in Wohngruppen oder Pflegefamilien.

Häufig fühlen sich Eltern, die ganztags arbeiten müssen, schon aus Zeitmangel mit der Erziehung überfordert. Der Anteil Alleinerziehender hat zugenommen. Die Großfamilie ist so gut wie ausgestorben. Hinzu kommt, dass viele Mütter und Väter als Kinder selber vernachlässigt worden sind. Hilfe wird indes nicht nur bei Vernachlässigung von Kindern nötig. „Viele sind auch hochverwöhnt“, berichtet Marco Leopold. Das bedeutet: zu wenig Erziehung. Von den Problemen ist nach Erkenntnissen der beiden Heimleiter ungefähr zur Hälfte die sogenannte Mittelschicht betroffen.

Der Jugendhof, gegründet als „christliches Rettungshaus für verwahrloste Kinder“, wächst und entwickelt sich weiter. Die Zahl der Mitarbeiter ist auf knapp 150 angestiegen. In zehn Wohngruppen leben zusammen 83 junge Menschen. Weitere 46 Plätze bieten die fünf Tagesgruppen.

Hauptbeleger ist mit etwa 60 Prozent das Jugendamt des Landkreises Schaumburg. Im ambulanten Bereich betreuen neun Mitarbeiter 70 Familien. Zur Lutherschule gehen 80 Förderschüler, mehr als die Hälfte kommt von außerhalb.

Eigens für den „Tag der offenen Tür“ am Samstag haben Bewohner die „Hüttenband“ gegründet. Hitverdächtig ist der „Hüttensong“. Zum Programm gehörten außerdem Auftritte der Tanz- und Trachtengruppe des TuS Kleinenbremen, des Tanzvereins V2 Hip Hop aus Bad Oeynhausen, von Achim dem Märchenkönig, einem Feuerspucker sowie der Band „Lena und Lena“. Vertreten waren auch Imker, Jäger und das Spielmobil der Stadt Minden. Sportlich ging es zu beim Bobbycar-Rennen, Torwandschießen oder dem Sponsorenlauf.




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