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Vor Gericht: Ein Jahr Haft für Diebstahl

Trendbewusster Ladendieb trägt heute „Stehlhose“

Bückeburg (ly). Unter professionellen Ladendieben ist ein Kleidungsstück sehr beliebt – die sogenannte „Stehlhose“. Es handelt sich um eine mehrteilige Kombination, die zwar arg weit geraten ist und daher etwas unvorteilhaft wirkt, beim Stehlen aber ganz prima funktioniert.

veröffentlicht am 18.02.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 09:21 Uhr

Außen trägt der trendbewusste Langfinger ein herkömmliches Beinkleid in XXXL-Größe, darunter eine ebenso geräumige Unterhose (plus Slip), die an den Unterschenkeln in die Socken gestopft und außerdem zugebunden wird, damit nichts rausfallen kann. Einem rumänischen Ladendieb war es gelungen, darin elf Beutel Tabak, zwölf kleinere Schachteln Pralinen sowie 13 Tafeln Schokolade zu verstauen, bevor er sich in einem Bückeburger Supermarkt erwischen ließ.

Weil in solchen Fällen kurzer Prozess gemacht wird, hatte das Amtsgericht den Familienvater (54) im November nur sechs Tage nach der Festnahme wegen gewerbsmäßigen Diebstahls zu einem Jahr Haft verurteilt. Und es bleibt dabei: Mit einer Berufung vor dem Landgericht ist der Angeklagte jetzt gescheitert. Seine Heimat wird der Ladendieb (sieben einschlägige Vorstrafen) wohl viel länger nicht mehr sehen, weil darüber hinaus der Widerruf vier einschlägiger Bewährungen droht. Das wären weitere 14 Monate Gefängnis.

Hinter Gittern hatte der 54-Jährige reichlich Zeit zum Nachdenken. „Ich muss mein Leben ändern und mich in die Gesellschaft einfügen“, erklärte er, um im selben Atemzug an die Vorsitzende Richterin Eike Höcker zu appellieren: „Ich bitte Sie, auch mein Alter zu berücksichtigen.“ Hinzu kommt eine herzerweichende Geschichte, über deren Wahrheitsgehalt sich höchstens Vermutungen anstellen lassen.

Herzerweichende

Geschichte

Daheim in Rumänien will der Mann eine Ehefrau haben, die an Alzheimer im fortgeschrittenen Stadium leide. Das Diebesgut soll als „kleine Aufmerksamkeit“ für die behandelnden Ärzte und deren Assistentinnen bestimmt gewesen sein. Die Geschichte mit den Geschenken glaubt die Berufungskammer nicht. Und selbst wenn: „Auch in einem solchen Fall darf man nicht stehlen“, so Höcker.

Oberstaatsanwalt Klaus Jochen Schmidt und das Gericht gehen davon aus, dass der Rumäne, seit Anfang November wieder einmal in Deutschland, sich durch wiederholte Taten eine dauerhafte Einnahmequelle verschaffen wollte – deshalb gewerbsmäßiger Diebstahl. „Tabak ist besonders geeignet, um ihn zu verkaufen“, erklärte Schmidt. Verteidiger Michael Einars hatte auf einfachen Diebstahl plädiert, was zu einer Herabsetzung des Strafrahmens geführt hätte, wenn die Kammer dem Antrag gefolgt wäre.

Nach Bückeburg war der Langfinger, der seit 1994 zeitweise in Deutschland lebt und weder Arbeit noch einen festen Wohnsitz hat, mit dem Zug aus Hannover gekommen. Angeblich wollte er ganz legal nach Gebrauchtwagen für den rumänischen Markt Ausschau halten. Angeblich…




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