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Bahn-Reaktivierung im Hafen Berenbusch

Trimodalität als Trumpf

BÜCKEBURG. Die sozialdemokratische Bundestagskandidatin Marja-Liisa Völlers hat dem SPD-Ortsverein Evesen einen Besuch abgestattet. Einer der Schwerpunkte der umfangreichen Stippvisite war der Hafen Berenbusch, wo ein besonderes Augenmerk dem vom Portaner Unternehmen Tönsmeier betriebenen Holzkontor und der Wiederinbetriebnahme des Gleisnetzes galt.

veröffentlicht am 18.07.2017 um 15:07 Uhr
aktualisiert am 18.07.2017 um 17:10 Uhr

Im Hafen Berenbusch liegen insgesamt 1,8 Kilometer Schienen. Derzeit wird die Reaktivierung des Gleisanschlusses wieder ernsthaft diskutiert, das Landeseisenbahnamt hat die Anlage bereits inspiziert. Foto: bus
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Herbert Busch Reporter
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Tönsmeier bewegt in Berenbusch mit 14 Mitarbeitern auf einer Fläche von rund 22 000 Quadratmetern derzeit bei einem Tagesdurchsatz von bis zu 500 Tonnen rund 90 000 Tonnen Altholz pro Jahr. Das Holz findet in Form von Fertigguthackschnitzeln überwiegend in Biomasse-Kraftwerken für die Gewinnung von Prozessdampf oder Elektrizität Verwendung. Das als Entsorgungsfachbetrieb zertifizierte Unternehmen kümmert sich um die Verarbeitung sämtlicher Altholzkategorien – von der unbehandelten Palette bis zur kontaminierten Bahnschwelle. Angeliefert wird das Material überwiegend aus Deutschland, Dänemark und den Benelux-Ländern.

Insgesamt stehen in Berenbusch rund 34 000 Quadratmeter Lagerfläche zur Verfügung – 7000 Quadratmeter gedecktes Lager unter Dach, 10 000 Quadratmeter ungedeckte und 17 000 Quadratmeter befestigte Freilagerflächen. Die Flächen an der Kaikante haben sich außer Tönsmeier die AHE Schaumburger Weserkies, die GKG Mineralöl-Handel und der Raiffeisen-Landbund gesichert.

Die Landbund-Genossenschaft investierte in die Ertüchtigung ihres Umschlagplatzes rund drei Millionen Euro. Es entstanden vier neue Silos, zwei Lagerhallen (davon eine für Stückgut mit einer Kapazität für 400 Europaletten) und eine Getreideannahmeanlage. Die vier neuen Silos bieten Platz für 10 000 Tonnen Getreide und Raps. Zusammen mit den bereits vorhandenen Kapazitäten können im Hafen 18 000 Tonnen Getreide und 3500 Tonnen Mineraldünger gelagert werden.

SPD-bundestagskandidatin Marja-Liisa Völlers im Gespräch mit Horst Schwarze (r.) und Reinhard Luhmann.
  • SPD-bundestagskandidatin Marja-Liisa Völlers im Gespräch mit Horst Schwarze (r.) und Reinhard Luhmann.
230.000 bis 250.000 Tonen sollen in 2017 im Hafen Berenbusch umgeschlagen werden, was erneut eine deutliche Steigerung gegenüber 2016 bedeuten würde. Foto: rc
  • 230.000 bis 250.000 Tonen sollen in 2017 im Hafen Berenbusch umgeschlagen werden, was erneut eine deutliche Steigerung gegenüber 2016 bedeuten würde. Foto: rc

„Wir haben viel bewegt“, sagte Hafengeschäftsführer und Stadtkämmerer Reiner Wilharm, der Völlers ebenso als Ansprechpartner diente wie der Vorsitzende des Ortsvereins, Matthias Knickrehm, sowie Reinhard Luhmann (stellvertretender Vorsitzender), Horst Schwarze (Ehrenvorsitzender), der Vorsitzende der Stadtratsfraktion, Bernd Insinger, und Ulrich Bakemeier vom Holzkontor.

Die mit rund 5,3 Millionen Euro kalkulierte Hafenertüchtigung stelle die größte Investition der Stadt Bückeburg in den zurückliegenden 25 Jahren dar, erläuterte Wilharm. Während der im laufenden Betrieb vollzogenen Ertüchtigung verzeichnete der Hafenchef einen Gesamtumsatz von rund 57 000 Tonnen. 2015 wurden rund 107 000 Tonnen, im Vorjahr rund 200 000 Tonnen umgeschlagen. 2017 könnten es 230 000 bis 250 000 Tonnen werden. „Das Wachstumspotenzial ist groß“, führte Wilharm aus.

Gegenwärtig steht die Reaktivierung der Eisenbahnanbindung in der Diskussion. „Im Hinblick auf die Schiene muss man ganz deutlich sagen, dass in den zurückliegenden Jahren von der Bahn bundesweit sehr viel Kapazität abgebaut worden ist“, legte der Berichterstatter dar. „Es gibt bei uns relativ wenig freie Ladegleise, viele Unternehmer finden keinen freien Zugang, weil die Gleise verpachtet oder zurückgebaut sind.“

In Minden etwa stehen Schilderungen Wilharms gemäß Stellflächen für gerade einmal vier oder fünf Waggons zur Verfügung. Das Berenbu-scher Hafenareal könnte von sogenannten Ganzzügen mit bis zu 600 Metern Länge und bis zu 25 Waggons angefahren werden. Insgesamt liegen in dem Gebiet 1,8 Kilometer Schienen, die zum Hauptgleis nach Minden führende Zuleitungsstrecke ist 1,6 Kilometer lang.

Die Wiederinbetriebnahme würde mit rund 270 000 Euro netto zu Buche schlagen. Das Vorhaben könnte (auf niedersächsischem Territorium) eine Zuschussquote von maximal 90 Prozent – 50 Prozent vom Bund, 40 Prozent vom Land – erreichen. Mittlerweile hat das Landeseisenbahnamt die Anlage inspiziert. „Wir stehen kurz davor, dass wir die Strecke wieder betreiben dürfen“, erklärte Wilharm. Die Reaktivierung würde dem Hafen zu einem weiteren Vorteil gereichen.

Schon jetzt bestehen optimale Verbindungen in alle Richtungen: Direkte Zufahrt zur B 482 und nur 15 Minuten Fahrt bis zur A 2, über den Mittellandkanal sind das Ruhrgebiet, Hamburg und Berlin erreichbar, über das Mindener Wasserstraßenkreuz die Mittel- und Oberweser. Um das Bahn-Projekt in trockene Tücher zu bringen, müssten unterdessen die Förderanträge bis zum Februar 2018 gestellt werden.

„Dann wäre Trimodalität bei uns kein schönes Wort, sondern Realität“, meinte Bernd Insinger mit einem deutlichen Seitenhieb auf den auf der anderen Kanalseite projektierten Containerumschlagplatz „Regioport Weser I“, für den eine Bahnanbindung derzeit nicht in Aussicht steht.




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