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„Leipziger Pfeffermühle“ bietet bei der „Nachtausgabe“ ein kabarettistisches Feuerwerk

Trio nimmt seine Lieblingsfeinde ins Visier

Bückeburg. Es kann einem Angst und Bange werden um die Mitglieder der „Leipziger Pfeffermühle“ Burkhard Damrau, Dieter Richter und deren junge Kollegin Franziska Schneider. So unzufrieden, wie das brillant aufeinander eingespielte Trio mit den Zuständen in der Welt ist, wie die drei Vollblut-Kabarettisten mit den Fingern in Wunden herumstochern, müssen sie doch irgendwann depressiv werden. Oder sind sie es schon, und das Publikum soll es aushalten?

veröffentlicht am 06.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 22:21 Uhr

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Wie gern die Zuhörer das Programm unter dem Titel „30% Rabattazz“ bei der jüngsten „Nachtausgabe“ unserer Zeitung und der Volksbank in Schaumburg in der rappelvollen Schalterhalle des Kreditinstitutes aushielten, zeigten die wahren Ovationen zum Schluss und die vielen Beifallsbekundungen zwischendurch. Objekte gibt es dieser Tage zuhauf für politisch-satirisches Kabarett. Das auch in Sachen Mimik und Gestik vortreffliche Team nahm deshalb – wie angekündigt mit 30 % Rabatt – in kleinen, scharfen Häppchen das aktuelle Missstandsprogramm und dessen Hauptverantwortliche ins Visier. Und das gesungen (zu Piano- und Schlagzeugtönen zweier Musiker), gesprochen, gezetert und köstlich gemimt. Abgesehen von zwei, drei etwas langen, zu wenig pointierten Szenen im ersten Teil, erlebten die Gäste eine Show mit allem Drum und Dran.

Da ging es um Klaus (Klau es!) Zumwinkel, die Rente, die Finanzkrise, um Schmiergelder, Hartz IV, das Unwort des Jahres „Notleidende Banken“ und Mutti Merkel, die nichts im Interesse der Banken tut, sondern nur im Interesse der Menschen – sagt sie! Sozialdemokraten und deren Modelle bekamen – samt „Gerds Gas-Trasse“ – ihr Fett ab. Zudem wurden auf drollige Art Pflegenotstand, der mit Altenklappen anstatt Babyklappen verringert werden könnte, Bildungsdefizite, Insolvenzen, Internet, das zum Home- Churching führt, Gesundheitsreform und ganz viel mehr inhaltlich ausgeleuchtet.

So richtig vom Leder zog das Trio bei den Bahntarifen und dem in einem Sketch mit den Vollblutkünstlern köstlich dargestellten Warten auf den ICE – einer als Selbstmordkandidat, der andere als eiliger Geschäftsmann, dem das Wasser auch bis zum Halse steht. Darüber hinaus drehte es sich um Statistiken über Deutsche, von denen 95 Prozent bereit wären, Möhrensaft zu trinken, wenn sie von ihm betrunken würden, und das ebenso wahre wie amüsante Kleingedruckte auf Beipackzetteln jeglicher Art. Wie Franziska Schneider mit der Zahnersatzzusatzversicherung und erst recht mit der Bedienungsanleitung einer T- Net-Box fertig – beziehungsweise nicht fertig – wurde, waren herrliche Parodien.

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In Sachen Mimik und Gestik ein vortreffliches Team: die „Leipziger Pfeffermühle“.

Ob der allgemeinen Misere trat Burkhard Damrau zum Finale mit der Bemerkung „Im Bett merkt man das Leben nicht so“ im Bademantel auf, um dann samt seiner Kollegen zynisch zu äußern: Es müsse doch Spaß machen, uns, die Schafherde, zu regieren. „Wir sind im Großen und Ganzen zu 30% zufrieden und noch immer Demokratie!“ resümierte das Ensemble nicht ohne Schadenfreude.

Diesem kabarettistischen Feuerwerk schloss sich ein Feuerwerk von Applaus an, das mit zwei Zugaben belohnt wurde. Unter anderem präsentierte die Leipziger eine bis 2013 alljährlich gehaltene Rede über Kanzlerin Merkel, bei der aus Spargründen ein Buchstabe nach dem anderen aus dem Wortschatz gestrichen wurde und schließlich nur noch „Ekel“ stehen blieb.




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