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Vom Jugendzentrum in die Jugendarbeit

„Tu Gutes – und du bekommst auch was zurück“

Bückeburg (mig). Wer kennt sie nicht: die Väter, die in ihrer knappen Freizeit eine C-Jugend-Mannschaft trainieren, oder die Feuerwehrleute, die mitten in der Nacht ausrücken. 23 Millionen Ehrenamtliche gibt es in Deutschland; ihre Arbeit im Hintergrund wird nur selten adäquat gewürdigt. Auch Michael Striewe aus Bückeburg hängt sein Engagement nicht an die große Glocke. Seit vielen Jahren arbeitet der 44-Jährige ehrenamtlich in der Jugendfreizeitstätte mit. Eine besondere Auszeichnung erwartet er aber nicht: „Für mich ist das selbstverständlich, ich gebe nur zurück, was ich selbst als Jugendlicher im Unabhängigen Jugendzentrum an der Schulstraße erfahren habe.“

veröffentlicht am 20.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 09:21 Uhr

Das war in den politisch bewegten End-Siebzigern – Striewe gehörte damals einer kleinen „Mofa-Gang“ an. „Wir haben unsere Mofas frisiert und herumgegammelt, hatten Langeweile.“ Die war schnell vorbei, als der 15-Jährige das UJZ (damals im Gebäude der heutigen Stadtbücherei untergebracht) für sich entdeckte und vor allem an den dort statt findenden Disco-Veranstaltungen Gefallen fand. Striewe: „Es wurde alles gespielt von ABBA bis zu AC/DC. Damals gab es noch verschiedene Szenen, wie die Teds, Popper oder Punker.“

Nach dem Umzug an den Bahnhof übernahm Striewe dann auch selbst Verantwortung. In der Jugendfreizeitstätte half er in der Teestube, betreute Konzertveranstaltungen oder half beim Basteln. „Ich bin da so hineingewachsen, Spaß hat es mir von Anfang an gemacht“, sagt er heute. Nach seiner Frühverrentung weitete der gelernte Kfz-Mechaniker seinen Aktionsradius sogar noch aus. Im Jugendzentrum Rolfshagen beispielsweise half er bei den Lan-Partys, das JUZ Möllbergen leitete er – unentgeltlich – einige Zeit sogar fast in Eigenverantwortung. „Da war ich drei Tage in der Woche von 17 bis 21 Uhr aktiv. Es hat mir großen Spaß gemacht und mein Selbstvertrauen gestärkt“, meint er rückblickend.

Auch die ob dieser Konstellation mögliche Grundsatz-Kritik an unbezahlter Freiwilligenarbeit lässt Striewe nicht gelten: „Ich bin sehr christlich eingestellt und glaube, dass, wenn man etwas Gutes tut, man es auch zurückbekommt.“

Wie lange Striewe – inzwischen einer der am längsten aktiven Ehrenamtlichen der Jugendfreizeitstätte – noch mit Heranwachsenden arbeiten will, weiß er noch nicht genau. „Mit meinem 50. Geburtstag höre ich wohl auf, in dem Alter sollte man sich etwas anderes suchen.“ Ob er sich dann wieder im Haus Kurt Partzsch oder vielleicht in einem Sportverein engagiert, weiß er jetzt noch nicht. Sicher ist: „Zu Hause bleibe ich bestimmt nicht, ich war schon immer gerne unter Menschen.“

Noch aber kann der 44-Jährige mit der „Generation Web“ mithalten. Fast schon liebevoll – und in Anspielung auf sein kleines rotes Oldtimer-Moped – haben sie ihm den Spitznamen „Tankwart“ gegeben. „Ich komme so gut mit ihnen zurecht, weil ich ihre Sprache spreche und sie nicht von oben herab behandele“, sagt er und zeigt auf einige Fotos. Dort steht er gemeinsam mit einigen Jugendlichen und grinst in die Kamera. Ein großer Unterschied ist zwischen den Abgebildeten tatsächlich kaum zu erkennen.




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