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Andenken an Todenmanner Wissenschaftler

Tüxen-Preisträger 2018 kommt von Teneriffa

RINTELN. Der Tüxen-Preisträger des nächsten Jahres kommt von Teneriffa: Professor Dr. Dr. h. c. Wolfredo Wildpret de la Torre.

veröffentlicht am 23.11.2017 um 17:16 Uhr
aktualisiert am 23.11.2017 um 18:08 Uhr

Tüxen-Preisträger 2018 ist Professor Dr. Dr. h. c. Wolfredo Wildpret de la Torre. Foto: pr
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Hans Weimann Reporter
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RINTELN. Alle drei Jahre verleiht die Stadt den mit 5000 Euro dotierten Reinhold-Tüxen-Preis an einen renommierten Wissenschaftler aus den ökologisch-vegetationskundlichen Disziplinen.

Es ist, soweit bekannt, der weltweit einzige Preis, der ausschließlich an Vegetationswissenschaftler geht. Wer den Wissenschaftspreis der Stadt erhalten soll, das schlägt die Reinhold-und-Johanna-Tüxen-Gesellschaft vor, deren Vorsitzender Professor Dr. Richard Pott aus Hannover ist.

Die Tüxen-Gesellschaft wiederum ist in Andenken an den Todenmanner Vegetationswissenschaftler Reinhold Tüxen gegründet worden, der 1965 zum ersten Mal seine Kollegen zu einer Tagung nach Rinteln gerufen hatte. Die findet inzwischen alle drei Jahre mit Wissenschaftlern aus aller Welt statt.

Professor Wildpret ist in der internationalen Liga dieses exklusiven Zirkels längst weltbekannt, hat zahlreiche Ehrungen erhalten, unter anderem in Deutschland die Ehrendoktorwürde an der Universität Leipzig.

Wildpret, Jahrgang 1933, ist auf Teneriffa geboren, hat in Madrid promoviert, war während seiner Studienzeit mehrfach bei Tüxen in Niedersachsen und publizierte hier über die Vegetation auf der Insel Neuwerk im Wattenmeer.

Wildpret gilt heute als „Doyen“ der Kanaren-Botanik und hat zu diesem Thema mehr als 200 wissenschaftliche Schriften veröffentlicht. Der Ordinarius für Geobotanik war unter anderem auch Landesminister für Erziehung und Kultur der autonomen kanarischen Regierung.

Millionen von Touristen besuchen jährlich die Kanarischen Inseln, deshalb könne man hier „wie unter einer Lupe“ Umweltveränderungen durch Tourismus wie zum Beispiel Wasserknappheit beobachten, sagt Professor Pott. Das soll auch mit Thema des geplanten Symposiums im April nächsten Jahres in Rinteln sein, das sich grundsätzlich mit „Inselbiogeografie“ beschäftigt. Denn auf allem Insel-Archipelen auch in der Karibik, im Pazifik und Indischen Ozean werde die heimische Fauna durch eingeschleppte Pflanzen verändert.

So beobachten Wildpret wie seine Kollegen mit Sorge, wie sich auch die Vegetation im UNESCO-Biosphären-Reservat auf den Kanaren umgestaltet, wie Eukalyptusbäume den Lorbeerwald verdrängen, Opuntien und Agaven sich breitmachen. Beide von Menschen eingeführt. Opuntien sind einst als Futter für Ziegen angepflanzt worden. Agaven nutzte man ursprünglich für die Herstellung von Pflanzenfasern.

Pott und Wildpret kennen sich seit Jahrzehnten, haben gemeinsam ein Buch über die Natur- und Kulturlandschaften der Kanarischen Inseln veröffentlicht.

Schon Tüxen-Preisträger Professor Dr. Hartmut Dierschke hatte vor drei Jahren gewarnt, die Vegetation könne sich dem Klima anpassen, das gravierendere Problem sei heute der direkte Eingriff des Menschen, die „schleichende Degeneration“, weil Arten abnehmen oder ganz verschwinden. Ein wichtiger Verursacher sei hier klar auszumachen: die Landwirtschaft.

Leider könne man eine solche Entwicklung oft erst im Nachhinein klar erkennen: „Die Roten Listen heute bedrohter Pflanzenarten sind voll von Arten des Acker- und Grünlandes.“ Dierschke sagt: „Das Ergebnis dieser Entwicklung wird uns nicht gefallen.“

Der Rintelner Rat wird in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag, 30. November, über die Bereitstellung der erforderlichen Gelder (13 000 Euro) für die Preisverleihung am 27. April nächsten Jahres und das geplante Symposium, das am 28. und 29. April stattfinden soll, entscheiden.




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