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Bückeburger Todesstrafengegner nach Besuch in den Vereinigten Staaten: "So würde man Tiere nicht leben lassen"

Ungeziefer, Giftspinnen und Ratten als Zellenmitbewohner

Bückeburg (bus). Todeskandidaten zu verdeutlichen, dass es jemanden gibt, der sie als Mensch und nicht als Ungeheuer betrachtet, ist eines der Hauptanliegen des Bückeburgers Karlheinz Rodenberg. Der 78-jährige frühere Lehrer am Adolfinum kümmert sich seit fast 40 Jahren um die Insassen von Todeszellen. Während seiner jüngsten USA-Reise besuchte er unter anderem die zum Tode verurteilten Deutschen Dieter Riechmann sowie die Brüder Rudi und Michael Apelt.

veröffentlicht am 30.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:14 Uhr

Karlheinz Rodenberg engagiert sich seit vielen Jahren gegen die

Das Brüderpaar wird beschuldigt, die amerikanische Ehefrau von Michael ermordet zu haben, um die Lebensversicherung in Höhe von 400 000 Dollar zu kassieren. Das Opfer war Weihnachten 1988 mit durchtrennter Kehle gefunden worden. Michael sollte bereits vor etlichen Jahren hingerichtet werden. Der Termin wurde ausgesetzt, um dem Angeklagten die Möglichkeit einzuräumen, Rechtsmittel einzulegen. Ob die Brüder tatsächlich für den Mord in Frage kommen, ist laut Rodenberg nicht einhundertprozentig geklärt. Darüber hinaus sei Rudi Apelt geistig behindert und leide an einer Gehirnschädigung. "Und bei Michael Apelt bestehen große Zweifel, dass er in der Lage war, seiner Verhandlung zu folgen", kritisiert der Pensionär. Im Februar soll es erneut zu einer Anhörung kommen, deren Ausgang unterdessen ungewiss ist. In der Causa Riechmann, der 1988 seine Freundin erschossen haben soll, gibt es aktuell ebenfalls keine neue Entwicklung. Selbst die Bundesregierung sei davon überzeugt, dass die Tat sich anders abgespielt haben müsse als vom Gericht festgestellt. Rodenberg moniert nicht nur die Todesstrafe als solche, sondern auch die Haftbedingungen in einigen Todestrakten, den so genannten "Death Rows". "Manche Kandidaten hausen, wie man Tiere nicht leben lassen würde", berichtet der Bückeburger Todesstrafengegner. Vielerorts herrsche "ein Wahnsinnsgestank", mitunter gebe es in den Zellen nur sporadisch fließendes Wasser. Ratten, Ungeziefer und Giftspinnen seien keine Seltenheit. Und auch die Besuchsmodalitäten gestalteten sich äußerst kritikwürdig. Einerseits erfolge die Überwachung hochtechnisch, auf der anderen Seite klappe die Verständigung nur über Rufen und Klopfzeichen. "Das sind schreckliche Bedingungen, die ich nicht gutheißen kann." In einer Veröffentlichung der Initiative gegen die Todesstrafe e.V. (German Coalition to Abolish the Death Penalty), deren Ehrenvorsitzender Karlheinz Rodenberg ist, heißt es: "Die Todesstrafe ist grausam und unmenschlich. Sie ist ein Relikt aus den Tagen, als Sklaverei, Verketzerung und andere Arten der Bestrafung an der Tagesordnung waren. Genau wie diese barbarischen Praktiken haben auch Hinrichtungen keinen Platz in einer zivilisierten Gesellschaft. Widerstand gegen die Todesstrafe entsteht nicht aus falsch verstandener Sympathie für verurteilte Mörder. Im Gegenteil: Mord bedeutet einen Mangel anRespekt vor menschlichem Leben. Aus genau diesem Grund ist Mord verabscheuungswürdig - und auch staatlich gefördertes Töten eines Menschen ist unmoralisch." Rodenberg hält gegenwärtig Briefkontakt zu elf Todeskandidaten. Zwei bis dreimal pro Jahr unternimmt er Reisen in die USA, um Gefangene in den Todestrakten verschiedener US-Staaten persönlich zu besuchen. "Etwa 20 habe ich durch Hinrichtung verloren." Einer von ihnen war Dennis Bagwell, der zehn Jahre langin der "Death Row" eines Gefängnisses im texanischen Livingston gesessen hatte und im Februar 2005 mit der Giftspritze hingerichtet worden war. Bagwell hatte Rodenberg zur Ausführung seines letzten Willens ermächtigt. Die Bitte des US-Amerikaners: "Belass mich nicht hier in diesem System, nicht hier auf dem Gefängnisfriedhof und auch nicht in Texas." Damit wollte der Hingerichtete über seinen Tod hinaus ein Zeichen gegen das die Todesstrafe begünstigende Rechtssystem der USA setzen - Bagwells Asche ruht auf einem Bückeburger Friedhof.




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