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Vor Gericht: "X-tremisten"-Prozess ist gestern geplatzt / Gutachter soll die Gefahr für Bahnpassagiere beurteilen

Unheimliche Begegnung auf dem Gleisbett mit Tempo 200

Bückeburg (ly). Vorerst geplatzt ist gestern der "X-tremisten"-Prozess um illegale Motorrad-Stunts auf der Bahnstrecke Hannover-Dortmund bei Seggebruch. Ohne Gutachten kommt das Bückeburger Amtsgericht nicht weiter. Richter Armin Böhm hat die Hauptverhandlung daher ausgesetzt. Voraussichtlich in einigen Monaten geht es noch einmal von vorne los.

veröffentlicht am 21.09.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:21 Uhr

Bis dahin soll ein Sachverständiger klären, ob durch die haarsträubende Aktion vor vier Jahren eine konkrete Gefahr für die Fahrgäste des auf diesem Abschnitt 200 Stundenkilometer schnellen ICE bestanden hat, den ein freundlich winkender Motorradfahrer auf dem Gegengleis passiert hatte. Nach einem Horror-Szenario von Thomas Pfleiderer, Leitender Oberstaatsanwalt in Bückeburg, hätte das Motorrad durch die Sogwirkung nicht nur unter den Zug geraten, sondern diesen sogar zum Entgleisen bringen können. Festgehalten ist die Begegnung von ICE und Geländemaschine auf einer DVD der "X-tremisten". Dahinter verbirgt sich ein Zusammenschluss von Anarchos auf zwei Rädern, die Stunts bevorzugt im Straßenverkehr fabrizieren. Auch sonst lassen's die "verrückten Typen" - so nennen sie sich - gerne krachen. Da werden Autoschlangen vor laufender Kamera rechts überholt, Kurven am Rande eines Sturzes genommen, Reifen gehen in Flammen auf. Auf der Anklagebank sitzen drei mutmaßliche "X-tremisten" aus Stadthagen, Nienstädt und dem westfälischen Versmold. Alle schweigen zu den Vorwürfen. Es geht um einen gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr. Normalerweise steht darauf mindestens ein halbes Jahr Freiheitsstrafe. Als "Friedensangebot" versteht Pfleiderer daher dreiStrafbefehle über 1600, 2500 und 2700 Euro. Bloß die Angeklagten waren damit partout nicht einverstanden. Mit ihren Vorstellungen liegen Staatsanwaltschaft und Verteidigung weit auseinander. Während die Anwälte wiederholt eine Einstellung des Verfahrens anregten, schlug Pfleiderer vor, dass die Angeklagten einfach ihre Einsprüche gegen die Strafbefehle zurückziehen. Einer der Männer ist wegen fahrlässiger Körperverletzung vorbestraft. Auf einem abgesperrten Flugplatz hatte er beim Schleudern mit dem Auto einen Zuschauer erwischt.




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